Für nicht-katholische Ehepartner gibt es weiterhin keine Kommunion

In unserer Kirchengemeinde gibt es eine durchaus aktive Ökumene, die Berührungsängste sind gering. Gemeinsame ökumenische Gottesdienste laufen bereits unter dem Titel „traditionell“. Die ökumenischen Familiennachmittage sind fest etabliert. Siehe dazu auch die Beiträge: Ökumenischer Familiennachmittag und Ökumene am Pfingstmontag. Das liegt auch daran, dass es in unserer Kirchengemeinde  einige konfessionsverschiedene Ehepaare gibt und insbesondere dort ist das Interesse und Engagement für die Ökumene ausgeprägt. Der aktuelle Streit um die Teilnahme am Abendmahl bewegt auch hier die Gemüter. Auch auf dem Katholikentag wurde darüber diskutiert. Siehe Beitrag: Gerlinde auf dem Katholikentag.

Von Rainer Degen

Worum es geht: Die Deutsche Bischofskonferenz hatte einen Mehrheitsbeschluss gefasst, welcher evangelischen Ehepartnern die Teilnahme am Abendmahl offiziell ermöglichen sollte. Damit wollten die Bischöfe eine landauf landab bereits geübte Praxis legitimieren und den Geistlichen in den Gemeinden Sicherheit geben. Das Credo: „Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur“. Ich denke, darin findet sich auch die Handschrift von Kardinal Reinhard Marx wieder, der sich als Verfechter einer Weiterentwicklung der Ökumene schon gezeigt hat. Die Sache hatte nur einen Haken: diese Entscheidung (Mehrheitsbeschluss!) wurde nicht von allen deutschen Bischöfen für gut befunden. Was dann folgte läuft zwischenzeitlich unter dem Begriff Kommunionstreit. Sieben Bischöfe, angeführt von dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Wölki, waren mit dieser Öffnung nicht einverstanden und wandten sich an den Vatikan zur Klärung.

Die Position des Papstes: In einer ersten Stellungnahme hatte sich Papst Franziskus dahingehend geäußert, dass die Bischöfe gemeinsam an einer Lösung arbeiten sollten, um den Streit beizulegen. Was so viel heißt wie: entscheidet wie ihr wollt, wir werden dann dieser Entscheidung folgen. Dann allerdings vergangene Woche ein Schreiben von Luis Ladaria, dem Chef der vatikanischen Glaubenskongregation an Kardinal Reinhard Marx. Daraus geht hervor, dass die Handreichung noch nicht „reif zur Veröffentlichung“ sei. Die Entscheidung ist also vertagt. Die Begründung weiter: eine solche Entscheidung habe Auswirkungen „auf weltkirchlicher Ebene“ und bedarf einer „baldigen Klärung“ auf dieser Ebene. Dem kann man insoweit folgen, da der Papst die Kirche in der Welt im Auge haben muss. Für die Ökumene in Deutschland – das ist auch klar – ist mit diesem Vorstoß trotzdem ein erster Schritt getan.

Besonderer Moment: Teilnahme am Abendmahl

Fazit: Die Ökumene kommt nicht so recht voran. Ich denke, es fehlt nach wie vor an einer Vision, was man am Ende wirklich will. Welche wie auch immer geartete Kircheneinheit soll denn am Ende eines solchen Prozesses stehen? Unterwirft sich die eine Fraktion der anderen? Oder reicht es uns, die Zahl der ökumenischen Gottesdienste zu verdoppeln aber ansonsten auf kontrolliertem, sicherem Abstand zu bleiben?

Deshalb. Diskutieren Sie mit uns. Teilen Sie uns und der Gemeinde Ihre Meinung mit:  Schreiben Sie in einem Kommentar Ihre Meinung zum Thema. Teilnahme am Abendmahl auch für evangelische Christen? Was denken Sie? Wir erwarten und freuen uns auf eine engagierte offene Diskussion.

2 Gedanken zu „Für nicht-katholische Ehepartner gibt es weiterhin keine Kommunion

  1. Gott sei Dank ist es kirchenrechtlich schon lang möglich, dass der nicht katholische Partner die Eucharistie empfangen kann, wenn der zuständige Pfarrer dem zustimmt. Es ist also ins Benehmen des Seelsorgers gestellt und erfordert nur eine Rücksprache mit dem jeweiligen Gemeindemitglied. Natürlich wird einen Bischof in Südamerika nicht so brennend interessieren, wie er sich in diesem Fall zu verhalten hat, weil das nicht sein Problem ist. Unsere vor allem bayerischen Bischöfen unter Leitung von Kardinal Woelki möchten nun eine Lösung haben, die für die ganze Weltkirche gilt und das ist für den Papst natürlich ein Problem. An dieser Stelle lässt sich wieder erkennen, dass einige unserer Leiter der Kirche nicht in der Lage sind etwas zu entscheiden bzw. auf ihre „Kappe“ zu nehmen. Man ist offensichtlich noch einem hierarchischen System verhaftet oder leidet an einer Profilneurose.

  2. Hallo,
    ich finde es wahnsinnig schade, dass die Kommunion weiterhin nicht für evangelische Partner erlaubt sein soll. Wenn man bedenkt, dass die katholische Kirche sich bei gemischt-konfessionellen Paaren wünscht, dass die Kinder katholisch erzogen werden, ist es doch komisch, dass auf der anderen Seite dann im Gottesdienst Vater oder Mutter nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen und in der Sitzbank sitzenbleiben müssen- das wird eher dazu führen, dass der evangelische Partner eher nicht mitkommt und eventuell dann auch die ganze Familie nicht mehr in den Gottendienst kommt, da in der heutigen Zeit die Wochenenden meist der einzige Zeitpunkt ist an dem die Familie Zeit zusammen hat ohne beruflichen Stress der Eltern und man diese Zeit komplett miteinander verbringen möchte.
    Auch die Ökumene, die sich ja immer gut anhört in der Theorie, steckt noch in den Kinderschuhen und am Ende gibt es auch doch noch viele Hürden zu nehmen. In der heutigen Zeit mit einem immer größer werdenden Mangel an Priestern und Pastoren sollte aber vielleicht auch die Ökomene vorangetrieben werden, um gerade in ländlichen Gegenden überhaupt noch Gottesdienste feiern zu können- da viele Priester und Pastoren nicht noch mehr Gemeinden versorgen können und man so vielleicht die Gottesdienste verteilen könnte und Protestanten und Katholiken sich abwechselnd einladen können- hierfür darf dann aber auch bei der Eucharistie kein Unterschied gemacht werden, sondern man muss miteinander feiern. Das ist bisher noch weit weg- eigentlich schade. An meinem Kommentar merkt man, dass ich direkt von dem Thema betroffen bin, da ich in einer gemischt-konfessionellen Ehe lebe, ein katholisches Kind habe und dazu sogar einen Schwiegervater, der evangelischer Pastor ist mit dem ich gerne über genau dieses Thema diskutiere, der mir heute berichtet hat, dass sein katholischer „Kollege“ aktuell für 7000 Katholiken zuständig ist und aufgrund des Priestermangels bald für 12000 Katholiken und kaum mehr weiß, wie er neben allen Verpflichtungen außerhalb des Gottedienstes, die er nicht abgeben kann (wie Taufen, Beerdigungen, Hochzeiten) auch noch für alle Gemeinden wöchentlich Gottesdienste abhalten soll. Vielleicht ein extremes Beispiel, aber vermutlich die Zukunft.

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