Unsere Reihe: Katholische Kirche in der Welt – heute in Argentinien

In loser Reihenfolge bringen wir unter der Rubrik „Katholische Kirche in der Welt“ etwas Information und Hintergründiges über die Art und Weise wie es bei den katholischen Kirchen in der Welt zugeht.

Papa Francisco – Papst Franziskus – wurde in Argentinien geboren, ist dort aufgewachsen und wurde folglich auch in seiner ganzen Person von der Kirche dort geprägt.
Seit drei Monaten habe ich die Möglichkeit, die argentinische Kirche  etwas näher kennenzulernen.  Genauer gesagt die Kirche in  Neuquén, einer Stadt von ungefähr 200.000 Einwohnern, wo ich zurzeit  meinen weltkirchlichen Friedensdienst leiste. Meine bisherigen Eindrücke zur Kirche  dort möchte ich euch im Folgenden schildern.

von Hannah Espey

Lateinamerika ist der „katholischste“ Kontinent

Lateinamerika ist der „katholischste“ Kontinent, ungefähr die Hälfte aller Katholiken lebt dort. Darum ist auch in Argentinien der Katholizismus die Konfession mit den meisten Anhängern. In den letzten Jahren bekommen allerdings evangelikale Freikirchen immer mehr Zulauf und wachsen stark. Wenn ich mit dem Bus durch die Stadt fahre, fallen mir immer wieder kleine Häuser und Kapellen auf, die nicht zur katholischen Kirche gehören. Es gibt auch eine evangelische Kirchengemeinde, z.B. in der Nachbarstadt Cipoletti, evangelische Christen werden als „Lutheraner“ bezeichnet.

Verehrung  der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, eine sehr wichtige Rolle

In der katholischen Kirche hier spielt die  Verehrung  der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, eine sehr wichtige Rolle. Viele Kirchengemeinden sind nach einer Jungfrau benannt: Maria Madre de la Tierra (Maria, Mutter der Erde), Maria Madre de Dios (Maria, Mutter Gottes), Nuestra Senora de la Esperanza (unsere Frau der Hoffnung)…. In vielen Kirchen oder Kapellen findet man die Virgen de Lujan (Jungfrau zu Lujan) und/oder eine eigene Jungfrau der Kirchengemeinde, die meistens vorne, zentral beim Altar stehen. Oft wird am Ende des Gottesdienstes, nach der Eucharistiefeier, ein Ave Maria in Richtung der Jungfrau gebetet und alle singen gemeinsam ein Marienlied. Auch größere Pilgerreisen sind mehr verbreitet als bei uns.  Bei einer Pilgerreise vor zwei Monaten zur Jungfrau Lujan in die Nachbarstadt  trugen viele Kirchengemeinden ihre eigene Jungfrau, egal ob kleiner oder groß und festlich geschmückt, mit sich auf dem Weg. Am 8. Dezember wird der „día de la virgen“ (Tag der Jungfrau) gefeiert.

Statue der Jungfrau der Kirchengemeinde

Apropos Gottesdienst: Ablauf und Liturgie sind der uns bekannten Liturgie natürlich sehr ähnlich. Ein kleiner Unterschied ist, dass es bei (fast) jedem Gottesdienst kleine Heftchen gibt, in denen die Lesungen und das Evangelium sowie andere Gebete abgedruckt sind. Auch die Musik ist anders. Fast immer werden die Lieder mit der Gitarre und von ein paar Sängern begleitet. Manchmal kommen auch noch Rhythmusinstrumente dazu, was vor allem in den Jugendgottesdiensten für eine super Stimmung sorgt!

Kathedrale soll erst dann fertig gebaut werden, wenn niemand mehr arm ist

Die Kathedrale ist das größte Kirchengebäude der Stadt, 55 Jahre alt. (Neuquén ist eine noch sehr junge Stadt). Sie soll (laut einem Zitat) erst dann fertig gebaut werden, wenn in Neuquén niemand mehr arm ist. Zusätzlich zur großen Kathedrale  gibt es viele Kirchengemeinden mit ihrer eigenen Kirche oder Kapelle. Manche dieser Kirchen sind, je nach Standort und Lage, vom Gebäude und der Größe her  ähnlich wie bei uns.  Meine Kirchengemeinde liegt in einem ärmeren Stadtteil, dadurch sind Kapelle und Einrichtung eher einfach. Sie besteht aus zwei Räumen und einer kleinen Küche. In einem dieser Räume  wird die Messe gehalten, im anderen findet u. a der Erstkommunionsunterricht statt.

Kathedrale Maria Auxiliadora in Neuquén

Den Bischof treffen: inklusive

In meiner Kirchengemeinde wechseln sich immer zwei Priester ab. Gemeinsam betreuen sie hier in Neuquén 9 Kirchengemeinden, da es auch hier Priestermangel gibt. In Neuquén selbst gibt es ungefähr 6 kolumbianische Priester, die für mehrere Jahre hierher kommen. Die Pfarrer, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, sind alle sehr nett und ich habe den Eindruck, dass sie ein gutes Verhältnis zu den Mitgliedern der Kirchengemeinde pflegen. Bereits mehrmals konnte ich den Bischof von Neuquén treffen, ein sehr herzlicher und freundlicher Mann!
Speziell in meiner Kirchengemeinde ist mir aufgefallen, dass viele junge Familien mit Kindern den Gottesdienst besuchen. Zumeist sind hier in der Messe alle „Altersklassen“ gut vertreten.
Für die meisten Leute in meinem persönlichen Umfeld sind Kirche und der Glaube im Alltag sehr wichtig. Sie gehen (fast) jeden Sonntag in den Gottesdienst, beteiligen sich in der Jugendarbeit und/oder geben Erstkommunion- oder Firm-Unterricht. Außerdem gibt es Gruppen von Gemeindemitgliedern, die „missionieren“ gehen. Sie besuchen die Leute, die im Gebiet der Kirchengemeinde leben, um sich nach ihnen zu erkundigen und um zu schauen, was ihnen fehlt.
Meine Eindrücke beziehen sich auf einen kleinen Ausschnitt der Kirche in Argentinien, einem so großen und vielfältigen Land.
Für mich ist hier schön zu spüren, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist und doch in ihrer Ausprägung so unterschiedlich!

Hannah Espey

Die Autorin:
Lebt und arbeitet zurzeit im Rahmen eines weltkirchlichen Friedensdienstes in Neuquén/Argentinien.
Bis zum Abitur 2016 engagierte sie sich in der KjG und als Ministrantin in K‘ furt.

2 Gedanken zu „Unsere Reihe: Katholische Kirche in der Welt – heute in Argentinien

  1. Vielen Dank an Hannah für ihren ausführlichen und eindrucksvollen Bericht aus ihrer Kirchengemeinde in Argentinien. Interessant, dass es im „katholischsten aller südamerikanischen Länder“ ebenfalls Priestermangel und ausländische Priester gibt. Auch die Idee mit den Textblättern in der Messe finde ich nachahmenswert.

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