Rückschau: Warum kommen wir überhaupt auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?

Am Abend des 30. Januar versammelten sich rund 45 Interessierte im katholischen Gemeindezentrum St. Stephanus in Kusterdingen. Unter dem Titel „Warum kommen wir überhaupt auf die Welt, wenn wir doch wieder sterben müssen?“ lud Prof. Dr. Albert Biesinger, emeritierter Religionspädagoge an der Universität Tübingen, zu einer interaktiven Lesung und einem offenen Austausch über eine der zentralen Fragen unseres Lebens ein. „Es soll kein Abend der Erwachsenenbildung sein, sondern ein spiritueller Abend“, betonte Biesinger gleich zu Beginn. Sein Ziel: Die Zuhörenden zum Nachdenken anregen und gemeinsam mit ihnen Antworten auf diese existenzielle Frage finden.

von Josef Göppert

Prof. Biesinger führte die Anwesenden zunächst in den Ursprung dieser Frage ein: Sein eigener Sohn Benjamin hatte sie ihm im Alter von 13 Jahren gestellt, als der Großvater verstarb. Anstatt auf theologische Konzepte zurückzugreifen, wählte der Referent den persönlichen Zugang – aus seinen eigenen Erfahrungen, Erlebnissen und Begegnungen.

Mit großer Eindringlichkeit schilderte er Erlebnisse aus seiner Zeit als Seelsorger, darunter auch Begegnungen mit Menschen in kritischen Lebenssituationen. Besonders bewegend war seine persönliche Nahtoderfahrung, die sein Leben tief geprägt hat. Auch wenn diese Erfahrung keinen Beweis für Gott darstelle, so sei sie doch für ihn ein Einblick in das Geheimnis des Sterbens gewesen.
Der Tod, so zitierte er einen Mönch vom Berg Athos, sei wie eine Geburt in das ewige Leben. „Ich bin als Mensch mehr als mein Körper“, betonte er. Er sprach über seine Hoffnung: „Wir nehmen unsere Erfahrungen aus dem Leben mit in die Begegnung mit Gott.“

Die anschließende Diskussion zeigte, wie sehr das Thema die Anwesenden bewegte. Fragen wurden gestellt, Gedanken geteilt:
• Haben wir im Leben einen Auftrag?
• Sind wir füreinander Engel?
• Warum gibt es verschiedene Religionen, wenn es nur einen Gott gibt?

Besonders beeindruckend waren die Ideen, dass wir die Welt besser hinterlassen sollen, als wir sie vorgefunden haben – und dass unser Leben eine Vorbereitung auf das ewige Leben ist. Auch die kindliche Sicht auf Gott spielte eine Rolle: „Wir dürfen Kindern den Zugang zu Gott nicht verstellen.“

Biesinger zeigte sich sichtlich bewegt von den vielen Beiträgen und betonte, dass er selbst noch viele Fragen habe, die er Gott eines Tages stellen möchte – unter anderem: Warum hat Gott die Menschen nicht besser erschaffen?

Zum Abschluss dankte Josef Göppert dem Referenten für die vielen Impulse und den Anwesenden für die lebhafte und tiefgehende Diskussion. Viele der Gedanken und Fragen werden die Teilnehmenden sicherlich noch lange begleiten – in den Stunden, Tagen und vielleicht auch Jahren nach diesem besonderen Abend.

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