Nachtrag zum Vortrag im Themenforum: Leute aus Europa zu Gast – Pilgerherberge, Menschen und Episoden

Vortragsreihe im katholischen Gemeindezentrum St. Stephanus: „Leute aus Europa zu Gast – Pilgerherberge, Menschen und Episoden“

Von Josef Göppert

Am Dienstag, den 3. Dezember 2024, fand im katholischen Gemeindezentrum St. Stephanus in Kusterdingen der dritte Vortrag der Vortragsreihe 2024/2025 statt. Unter dem Titel „Leute aus Europa zu Gast – Pilgerherberge, Menschen und Episoden“ gewährte Rolf Seeger aus Rottenburg den Zuhörern faszinierende Einblicke als Betreiber einer Pilgerherberge. Die Veranstaltung begann um 19:30 Uhr mit einer herzlichen Begrüßung durch Josef Göppert im Namen des Kirchengemeinderates.

Rolf Seeger und seine Frau betreiben seit über zehn Jahren eine Pilgerherberge in ihrem Haus, das unweit der Pilgerwege Jakobusweg und Martinsweg liegt. Da sie selbst begeisterte Wanderer und Bergsteiger sind und ungenutzte Räume in ihrem Haus hatten, war die Entscheidung, diese Pilgern zur Verfügung zu stellen, für sie naheliegend. Seeger betonte, dass Pilgern weit mehr sei als nur Wandern. Es ist, wie Augustinus es formulierte, ein Sinnbild des Lebens als Pilgerweg.

Im Verlauf seines Vortrags erzählte Seeger von den zahlreichen Begegnungen, die ihn und seine Frau über die Jahre geprägt haben. Er berichtete von Jürgen, einem Pilger, der mit seinem kleinen Hund unterwegs war, um nicht allein den Weg nach Santiago de Compostela zu gehen. Auch von Steffen, einem Gast, der nach traumatischen Erlebnissen im Irakkrieg einen neuen Lebenssinn suchte und durch Europa wanderte. Beeindruckend war die Geschichte des Literaturprofessors, der eine historische Wanderung nacherlebte und Seeger abends eine private Lesung von Hölderlins Werken hielt.

Seeger beschrieb ebenso die Vielfalt seiner Gäste: Vom Investmentbanker, der durch das Pilgern Balance in seinem Leben sucht, bis hin zu einem Pilger, der sich unter falschem Namen als spanischer Priester ausgab, waren die Erlebnisse oft überraschend und manchmal humorvoll. Trotz dieser Vielfalt und manchmal ungewöhnlicher Situationen betonte Seeger, dass er keine Angst habe, Fremde in sein Haus zu lassen. Die Begegnungen seien geprägt von Vertrauen und gegenseitigem Respekt, und die Abende mit einem Glas Wein oder Wasser schafften schnell eine familiäre Atmosphäre.

Pilgern erfreut sich wachsender Beliebtheit, wie Seeger berichtete. Ob mehrmonatige Reisen oder kurze Tagespilgerwanderungen – die Sehnsucht, unterwegs zu sein und gleichzeitig inneren Frieden zu finden, verbindet Menschen aus allen Lebensbereichen. Mit etwa 60 Pilgern pro Jahr ist die Herberge des Ehepaars Seeger ein Ort der Begegnung und der Geschichten. Seeger zeigte auch seine Gästebücher, die viele Einträge und Botschaften der Dankbarkeit enthielten und bei den Zuhörenden großes Interesse weckten.

Nach dem Vortrag entwickelte sich eine Diskussion, bei der auch Anwesende über ihre persönlichen Pilgererfahrungen berichteten. Viele schätzen die Entspannung und spirituelle Dimension des Pilgerns, die in einem hektischen Alltag oft verloren gehen. Zum Abschluss bedankte sich Josef Göppert herzlich bei Rolf Seeger für den bewegenden und inspirierenden Vortrag und lud die Gäste ein, auch an den kommenden Vorträgen der Reihe teilzunehmen.

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