Was neu beginnen heißt, erlebe ich gerade am eigenen Leibe. Nachdem ich fast ein Drittel meiner Lebenszeit als Geschäftsführerin der Diakoniestation Härten tätig war, befinde ich mich aktuell im Übergang zur Rente. Die Verantwortung habe ich abgegeben und baue meine Überstunden ab, nehme also frei.
Von Gabi Mötzung
In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren meine Tage, mein Leben, weitgehend von außen strukturiert. Neben meiner Arbeit bestimmten Kinderbetreuung, Fahrdienste und Wäscheberge den Alltag. Selbst die Urlaubszeiten waren durch die Abläufe in der Diakoniestation weitgehend festgelegt.
Nun bin ich frei und kann oder muss mich neu erfinden
Mein Neubeginn ist geplant und ich kann ihn mit Freude angehen. Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Neubeginn zwangsweise erfolgt. Ein Umzug, eine Krankheit, eine Kündigung oder andere Lebensveränderungen, die wir nicht selbst beeinflussen können, zwingen uns einen Neuanfang auf.
Neu beginnen heißt loslassen
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ so drückte es Hermann Hesse in dem bereits im Grußwort erwähnten Gedicht „Stufen“, aus. Hesse hat dieses Gedicht 1941 in politisch schwierigen Zeiten und nach langer Krankheit geschrieben. Spontan stellt sich die Frage, wie konnte Hermann Hesse in dieser Einfach mutig ans Werk gehen Vor etwas Neuem stehen Situation solche Hoffnung und Zuversicht in einem Neubeginn sehen? Ja, ein Neuanfang stellt uns vor Herausforderungen, aber er bietet uns auch viele Chancen. Neu zu beginnen
heißt loszulassen, um Platz für Neues zu schaffen. Durch Neubeginn lassen sich alte Zöpfe abschneiden, Gewohnheiten ablegen und neue Wege einschlagen. Für einen Neubeginn braucht es Mut zum Handeln, und der kann wachsen, wenn wir im Neubeginn einen Sinn sehen oder ein Ziel verfolgen.
Die Bibel ermutigt uns zu Neuanfängen
Nicht nur Pfingsten ist ein göttliches Angebot für einen Neuanfang. Die Bibel ist voll von Aufbrüchen und Neuanfängen. Aufbrüche in andere Länder und Städte, Neuanfänge nach Flucht und Vertreibung, aber auch Hoffnungsbilder einer neuen Welt, die von Gottes Geist gelenkt wird. Die Bibel ermutigt uns auch zu Neuanfängen. Diese haben nicht immer mit äußerlichen und innerlichen Veränderungen zu tun. Jesus hat die Menschen
immer zur Umkehr und damit zu einem Neuanfang aufgerufen!
Vielleicht ist es auch für uns an der Zeit, einen Neubeginn zu wagen – nicht perfekt, nicht fehlerfrei, sondern einfach mutig. So habe auch ich mich entschlossen, mich für meine Kirchengemeinde einzusetzen, die sich auf den Weg macht, eine neue Ausrichtung und neue Wege der Begegnungen zu finden und in diesem Gemeindebrief mitzuwirken.
Bietet uns nicht jeder Tag die Chance auf einen kleinen Neubeginn?