Die Suche nach Frieden im Heiligen Land – Vortrag im Themenforum

Kusterdingen – Am Donnerstag, den 15. Januar 2026, lud das Themenforum im Katholischen Gemeindezentrum St. Stephanus zu einem informativen Vortrag unter dem Titel „EinBlick Nahost – Kann es noch Frieden geben im Heiligen Land?“ ein. Ute Augustyniak-Dürr und Dr. Georg Dürr teilten mit den zahlreich erschienenen Zuhörern ihre umfassenden Erfahrungen und Erkenntnisse aus ihrer Zeit in Israel und Palästina (2004-2010), wo Dr. Dürr eine christliche Schule leitete und Frau Augustyniak-Dürr interreligiöse Projekte begleitete.

Historisches

Der Abend begann mit einem historischen Überblick, der die besondere Bedeutung des Heiligen Landes für Judentum, Christentum und Islam hervorhob. Das Land war stets umkämpft und Heimat verschiedener Reiche, von den israelitischen Königreichen über die Römer und Byzantiner bis zum Osmanischen Reich. Die Referenten zeigten auf, wie die Westmächte nach dem Ersten Weltkrieg mit widersprüchlichen Versprechen an Juden und Palästinenser den Grundstein für den heutigen Konflikt legten. Der UNO-Teilungsplan von 1947, der ohne Beteiligung der lokalen Bevölkerung beschlossen wurde, und die darauffolgende Staatsgründung Israels führten zum Krieg von 1948 und der „Nakba“, der Vertreibung von über einer Million Palästinensern. Diese Ereignisse haben tiefe Traumata in beiden Völkern hinterlassen, die bis heute wirken und durch die jüngsten Eskalationen reaktiviert wurden.

Erfahrungen

Ein zentraler Punkt des Vortrags waren die persönlichen Einblicke des Ehepaars Dürr. Ihre Arbeit an der Talita Kumi Schule, in der christliche und muslimische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden, demonstrierte das Potenzial für ein friedliches Miteinander. Sie erzählten von ihren Söhnen, von denen einer in einem israelischen Kindergarten und der andere in einer arabischen Schule betreut wurde, und wie sie selbst zwischen den israelischen und palästinensischen Welten pendelten.

Trotz der allgegenwärtigen Spannungen und des Siedlungsbaus auf palästinensischem Gebiet, der Dörfer einkesselt und die Infrastruktur erschwert, berichteten die Dürrs auch von beeindruckenden Friedensinitiativen:
Der christliche Weinbauer: Ein Projekt mit einem Weinbauern, der trotz Landnahme durch Siedler mit der Botschaft „We refuse to be enemies“ für friedliche Koexistenz eintritt und unerwartet Unterstützung von einer amerikanischen jüdischen Organisation erhielt. Erfolgreiche Schulabsolventen: Ehemalige Schülerinnen der Talita Kumi, die in Deutschland studierten und heute wichtige Positionen im Karitas Babyhospital, als Tourismusministerin oder als Friedensaktivistinnen in Palästina innehaben.
Das Schulbuchprojekt: Ein Versuch von israelischen und palästinensischen Geschichtslehrern, ein gemeinsames Geschichtsbuch zu erstellen, das letztlich in einem Buch mit zwei nebeneinander gestellten Geschichten und einer Freifläche für eigene Gedanken mündete – ein starkes Symbol für die Notwendigkeit, die Identität des anderen anzuerkennen. Der Parents Circle: Eine Gruppe von Israelis und Palästinensern, die durch den Verlust von Angehörigen im Konflikt miteinander verbunden sind und sich gemeinsam für Gewaltlosigkeit einsetzen.

Politik

Die Referenten thematisierten auch die politischen Herausforderungen, darunter die unterschiedlichen Vorstellungen über eine Zwei- oder Einstaatlösung, das ungelöste Flüchtlingsproblem und die kritische Ressourcensituation (Wasser, Erdgas). Sie wiesen auf die tiefe Spaltung in der israelischen Gesellschaft hin, die zwischen dem Wunsch nach einem liberalen und einem streng religiösen Staat ringt.

Am Ende des Abends stand die Botschaft: „An Eye for an Eye Makes the whole world blind“ (Gandhi). Die Hoffnung, auch wenn sie oft schwer zu finden ist („No Hope / Know Hope“), müsse bewahrt werden. Ein von Kindern gemaltes Bild, das eine Kirche, Moschee und Synagoge friedlich unter dem gleichen Sternenhimmel in Jerusalem zeigt, fasste die Sehnsucht nach einem Zusammenleben in Freiheit, Sicherheit und Würde zusammen.

Der Vortrag bot den Anwesenden eine seltene und differenzierte Perspektive auf einen der komplexesten Konflikte unserer Zeit und machte deutlich, dass trotz aller Widrigkeiten der Glaube an einen möglichen Frieden nicht aufgegeben werden darf.

Ein Gedanke zu „Die Suche nach Frieden im Heiligen Land – Vortrag im Themenforum

  1. Ich finde ein wirklich umfassendes Friedenskonzept ist die „Peace Mainstreaming“ Strategie von Franz Jedlicka: dort spielt auch die Förderung einer friedlichen Männlichkeit eine Rolle (und ein Verbot der Prügelstrafe in der Kindererziehung)

    Monika

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