Oktober – Warum?

Der Oktober ist in der katholischen Kirche der Rosenkranzmonat. Aber warum ausgerechnet der Oktober? Diese Tradition geht bis ins 16. Jahrhundert zurück als sich am 7. Oktober 1571 in der Meerenge von Lepanto eine übermächtige osmanische Flotte und die „Heilige Liga“ – eine Flotte, die aus verschiedenen europäischen Mächten bestand und von Papst Pius V. gegründet wurde – gegenüberstanden. Für die „Heilige Liga“ sah es nicht gut aus. Doch es war wie bei David gegen Goliath (1 Sam 17). Die „Heilige Liga“ gewann gegen die osmanische Flotte.

Die unerwartete Kraft des Rosenkranzes

Den unerwarteten Sieg schrieb man der Kraft des Rosenkrangebets zu. Denn verschiedene Rosenkranzbruderschaften hatten das Gebet währende der Schlacht gesprochen. Papst Pius V. ordnete für den ersten Jahrestag der Schlacht ein Rosenkranzfest zu Ehren der Gottesmutter Maria an. Hieraus würde dann im Laufe der Zeit der Rosenkranzmonat. Denn im Jahre 1884 verfügte Papst Leo XIII., dass den gesamten Oktober hindurch in allen katholischen Pfarrkirchen der Rosenkranz gebetet werden solle. Diese Vorschrift wurde erst 1958 aufgehoben, aber wird das Rosenkranzgebet in einigen Kirchen, so auch in Kirchentellinsfurt, im Oktobter täglich gepflegt.

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Rosenkranz – Worum geht’s?

Der Rosenkranz besteht aus 59 Perlen und einem Kreuz. In einer bestimmten Reihenfolge werden diese „abgegebet“.

  1. Beginn mit dem Kreuzzeichen „Im Namen des Vaters…“
  2. Beim Kreuz wird das Glaubensbekenntnis gesprochen „Ich glaube an Gott, den Vater, den …“
  3. Die nächste Perle steht einzeln, hier wird das „Ehre sei dem Vater“ und das „Vater unser“ gesprochen.
  4. Es folgen drei besondere Perlen, bei denen je ein „Gegrüßet seist du Maria“ gebetet wird. Wobei nach dem Wort „Jesus“ noch jeweils etwas eingefügt wird. Bei der ersten Perle „…Jesus, der in uns den Glauben mehre.“ Bei der zweiten Perle: „…Jesus, der in uns die Hoffnung stärke.“ Und bei der dritten Perle: „…Jesus, der in uns die Liebe entzünde.“ GLAUBE – HOFFNUNG – LIEBE (1 Kor 13,13)
  5. Bei jeder größeren bzw. einzel-stehenden Perle wird das „Ehre sei dem Vater…“ und das „Vater unser“ gebetet (insgesamt fünfmal)
  6. zwischen den einzel-stehenden Perlen sind immer 10 Perlen aneinander gereiht. Jede Perle steht für ein „Gegrüßet seist du Maria“ und jede 10er Gruppe steht für ein Gesätz (nicht Gesetz!). Ein Gesätz ist der immer gleiche Satz nach dem Wort „Jesus“. z.B. „Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.“ In einem Rosenkranz gibt es fünf Gesätze. Also jedes der fünf Gesätze wird 10mal wiederholt. Zu den verschiedenen Gesätzen gibt es hier mehr Info: https://www.katholisch.de/glaube/unsere-gebete/das-rosenkranzgebet
  7. Das Rosenkranzgebet schließt meisten mit dem „Ehre sei dem Vater“, dem „Vater unser“ und dem Kreuzzeichen ab. Je nach Gebetsgruppe kann der Schluss variieren.

Für Mathematiker

Ist man am Ende des Rosenkranzgebetes angekommen, ist ca. eine halbe Stunde vergangen. In dieser halben Stunde hat man ein Glaubensbekenntnis, sieben „Ehre sei dem Vater“, sieben „Vater unser“ und 53 „Gegrüßet seiest du Maria“ gebetet.

Rechnet man das nun auf den ganzen Rosenkranzmonat hoch und geht davon aus, dass man täglich einen Rosenkranz betet, kommt folgendes dabei heraus:

31 Tage = 31 Rosenkränze = 31 Glaubensbekenntnisse = 217 „Ehre sei dem Vater“ = 217 „Vater unser“ = 1643 „Gegrüßet seiest du Maria“ = 15 1/2 Stunden Gebet

Über 15 Stunden Gebet, um selbst ruhig zu werden, im Alltag inne zu halten, Gott zu loben und daran zu erinnern, was sein Sohn für uns getan hat. Über 15 Stunden, die helfen den Stress zu vergessen und ganz im Gebet zu versinken. Jeden Tag eine halbe Stunde, die nur Gott gehört. Am Anfang vielleicht noch ungewohnt, beim dritten Mal geht’s schon fast ohne nachzudenken!

7 Gedanken zu „Oktober – Warum?

  1. In meiner Geburtsgemeinde wird immer ein Rosenkranz gebetet, wenn jemand gestorben ist. Als meine Eltern starben hat mir das sehr geholfen. Das gemeinsame Beten mit anderen verbindet und die gleichen Texte immer wieder zu sprechen, hatte etwas beruhigendes und tröstendes an sich. Rosenkranz zu beten war für mich bis dahin nicht denkbar, da ich das nicht mehr als zeitgemäß empfand. In der Zwischenzeit sehe ich das nicht mehr so.

  2. Ich finde es sehr schade, dass die Tradition des Rosenkranzgebetes hierzulande mehr und mehr verschwindet. Dabei ist es eine uralte Meditationstechnik und meditieren ist doch heute so modern …

    Dank an Eva fuer den Beitrag.

  3. Danke Eva, für Deine Erklärung. Das macht mir die Sinnhaftigkeit dieser Gebetsform etwas duetlicher. Deine mathematische Schlussfolgerung „Jeden Tag eine halbe Stunde, die nur Gott gehört. Am Anfang vielleicht noch ungewohnt, beim dritten Mal geht’s schon fast ohne nachzudenken!“ erinnert mich an mein Unbehagen, das ich beim Rosenkranzgebet bereits als Kind und auch jetzt noch empfinde. Das „Nachdenken“ ist weitgehend ausgeschaltet. Mir kommt’s als „Geleiere“ vor, wobei ich überzeugt bin, dass die anderen Anwesenden (das sind zumeist Frauen, oder irre ich?) das ganz anders empfinden. Mich würde interessieren, wie das andere sehen.

    1. Man braucht vielleicht ein gewisses Alter, um den Rosenkranz zu beten. Für mich ist es Meditation und die Besinnung auf unsere Glaubensinhalte. Frauen können sich wahrscheinlich leichter mit der Mutter Jesu identifizieren und einfühlen …z.B. im freudenreichen Rosenkranz „den du o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast“.
      Rosemarie

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