Soll man bei solch´ stürmischem Wetter und Regenschauern überhaupt sein Zuhause verlassen? – Das werden sich nicht wenige der ca. 100 Konzertgäste an diesem Sonntagabend gefragt haben. Aber kaum, dass die Besucher St. Michael in Wannweil betraten, umfing sie die Wärme und Ruhe dieser Kirche und man durfte ein Konzertprogramm mit Werken von Johann Sebastian BACH erleben, das Dagmar TUMELE mit großem Einfühlungsvermögen und mit vortrefflichen Künstlerinnen und Künstlern zusammengestellt und zudem aktiv mitgestaltet hat:
Mihnea MKLAK-MÄRGINEAN und Tobias MISERRE führten mit leisen, beruhigenden Orgelwerken in diesen Konzertabend ein. Dagmar TUMELE begleitete im folgenden Abschnitt „Geistliche Lieder“ den Bariton Carsten ENGEL bei seinem beeindruckenden Gesangsvortag und anschließend unter dem Thema „Barocke Flötenkunst“ Roland GEIGER bei seinem virtuosen Querflötenspiel. Dieses veranlasste einen Zuschauer zum Kommentar: „Das muss ein Profi sein“… – Ein „highlight“ in mehrfacher Hinsicht war der Beitrag von Jan STEEB (Bass) und Kristina STIEGLER (Klavier): Mit technisch anspruchsvollen Rezitativen und Arien aus der Matthäus-Passion trat dieses Paar erstmals musikalisch gemeinsam in einem öffentlichen Konzert auf! Beeindruckend war der Vortrag von drei großen Bach-Orgelwerken durch Julien FLAD, die er selbst zuvor in einer wertvollen Stückeinführung erläuterte.
Pfarrer Tomas BEGOVIÇ steuerte einfühlsam das auf Leo TOLSTOI zurückgehende Märchen vom todkranken König bei, zu dessen Heilung man für viel Gold das Hemd von einem besonders glücklichen Menschen zu beschaffen versuchte. Dieser glückliche Mensch aber war so arm, dass er nicht einmal ein Hemd besaß. – Tomas richte die Frage an die Teilnehmenden, ob nicht die Musik als ein solches Hemd dienen könnte…
Langanhaltender, begeisterter Applaus belohnte die Künstlerinnen für deren hervorragende Beiträge und bescherte eine beachtliche Spendensumme für die geplante neue Orgel in der St. Stephanus-Kirche in Kusterdingen.
Es bleibt zu hoffen, dass Dagmar TUMELE auch künftig zu weiteren Konzerten dieser Qualität in die Kirche einladen wird.
Prof. Dr. Ulrich Schiefer