Die Geschichte des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat begann eigentlich bei uns. In den Jahren 1946/1947 verhungerten, erfroren oder durch Krankheiten verloren die Menschen hier ihr Leben. Man spricht von über Hunderttausend Menschen. In dieser Zeit sammelte die lutherische und die katholische Kirche Südamerikas für die hungernden Kinder und alten Menschen in Deutschland. Das wurde nicht vergessen.
Von Rainer Degen
So entstand Adveniat
Der Kölner Erzbischof Kardinal Josef Frings und sein Generalvikar Joseph Teusch reagierten mit einer Initiative zugunsten der Kirche in Lateinamerika und gewannen einen Dritten dafür: den Bischof des jungen Bistums Essen, Bischof Franz Hengsbach. Er schlug am 30. August 1961 der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eine „besondere Kollekte“ für Lateinamerika vor, die zu Weihnachten in allen Kirchen der Bundesrepublik und Westberlins gehalten werden sollte. So erläutert auf der Seite von Adveniat.
Der Erfolg dieser ersten Kollekte bewirkte, dass die Bischöfe auch in den Folgejahren zu Weihnachten die Lateinamerika-Kollekte ansetzten. 1969 machten die Bischöfe es dann offiziell. Aus den zunächst einzelnen Kollekten war damit ein weiteres weltkirchliches Werk entstanden: Adveniat.
Die Verwendung der Spenden
Zur Verwendung der Spenden hat Adveniat 5 Schwerpunkte definiert. Hier eine Zusammenfassung aus dem Jahresbericht 2023/24 in der Darstellung von Adveniat.
- Ganzheitliche Entwicklung: Bildung ist hier der Schwerpunkt und oft der wichtigste Weg aus Armut und Gewalt. Es geht darum, jungen Menschen Zukunftsperspektiven zu eröffnen, in Form von Stipendien und Ausbildungshilfen, der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern, Priestern und Laien.
- Gemeinde und Kirche: die Kirchen erbringen Arbeit direkt bei den Menschen besonders bei akuter Armut. Beispielsweise fördert Adveniat aber auch Katechesekurse, die laufende Arbeit von Kirchen- und Basisgemeinden, kirchliche Rundfunk- und Fernsehdienste sowie Überbrückungshilfen für Diözesen.
- Soziales und Gesundheit: Viele Gesundheitssysteme sind marode und gerade in entlegenen Gebieten ist die Gesundheitsversorgung oft schwierig. Einrichtung von Gesundheitsstationen, fehlende Medikamente und Impfungen, Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Hygieneartikel.
- Frieden, Menschenrechte und Umwelt: Adveniat stärkt Frauen in ihren Rechten, unterstützt in Kolumbien den Friedensprozess und im Amazonasgebiet das kirchliche Netzwerk Repam. Indigene Völker und traditionelle Gemeinschaften sollen nicht nur gehört werden und mitbestimmen, sondern ihre Zukunft selbst gestalten.
- Nothilfe: Mit Projekten im Bereich der Nothilfe hilft Adveniat ganz konkret, ihr Überleben zu sichern, indem zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung oder
Medikamente über die Adveniat-Partnerorganisationen zur Verfügung gestellt werden.
Erträge aus Spenden und bewilligte Mittel
Aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung per 30.09.2024 geht hervor, dass die Summe der Erträge knapp 46 Mio. Euro betrug. Die größten Einnahmeposten sind da Einzelspenden mit 16,4 Mio €, die Weihnachtskollekte mit 14,4 Mio €. Erlöse aus Wertpapieren 2,8 Mio. €. Zur Erklärung: in der Bilanz findet sich auf der Aktivseite ein Wertpapieranlagevermögen von stolzen 52,7 Mio. Euro.
Von den im Geschäftsjahr 2023/2024 erzielten Erträgen von 45,7 Mio. € flossen 31,8 Mio. € als bewilligte Mittel in die Projektarbeit (siehe Grafik), das eigentliche Kerngeschäft. Ca. ein Drittel nämlich 13,9 Mio. € verblieben als Aufwand in der Organisation. Darin der größte Posten der Personalaufwand mit 5,5 Mio. € und 3,9 Mio. € „Sonstige betriebliche Aufwendungen“.

Alles nachzulesen auf der Webseite von Adveniat.
Die diesjährige Adveniat Aktion
„Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ – so lautet das Motto der diesjährigen Weihnachtsaktion von Adveniat.
Es soll um die Rettung der Regenwälder des Amazonas gehen. Bekanntermaßen sind dort die größten CO2-Speicher der Erde. Große Artenvielfalt und die größten Wasserreserven des Planeten sind hier zu finden.
Mit den Spenden organisiert Adveniat jährlich ca. 1000 Projekte. Die Professionalität der Organisation zeigt sich darin, dass man sich die Mühe macht, über die zahlreichen Projekte zu informieren. Da können sich andere Spendenorganisationen noch Anregungen holen.

Um eine Spende wird in den Weihnachtsgottesdiensten gebeten.