Alles ist plötzlich anders!

 

 

Wer hätte vor zwei Wochen gedacht, dass unser Alltag heute so aussieht? Das öffentliche Leben ist weitgehend gedrosselt, die Situation scheint gespenstisch: Leere Regale im Supermarkt, geschlossene Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, keine Kultur- und Sportveranstaltungen, Sitzungen fallen aus, Meetings werden abgesagt, Besuche unterlassen – das Normale ist einem unwirklichen Zustand gewichen, das Gewohnte auf den Kopf gestellt. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie führen zu mitunter abstrusen Paradoxien: Die Nähe zum Mitmenschen zeigt sich in der Distanz, Solidarität durch Vermeidung von Kontakten, menschliche Wärme durch Einhaltung eines Sicherheitsabstandes. Nichts ist mehr, wie es war.
Für die meisten von uns eine völlig neue Erfahrung. Und viele tun sich schwer, nicht mehr die Freiheit zu haben, das tun, wonach einem gerade ist, liebgewordene Freizeitaktivitäten zu unterlassen, auf Geselligkeit oder Partys verzichten, den Restaurantbesuch zu streichen. Andere entdecken Seiten des Lebens, die im Alltagstrubel und -stress untergegangen sind: Zeit für sich, für die Familie, endlich das zu tun, was zu kurz gekommen ist oder hintangestellt wurde.
Am schwersten fällt mir die Vorstellung, die Osterzeit ohne die feierlichen Gottesdienste, ohne die Zusammenkunft der Familie zu verbringen. Mir scheint, wir gehen infolge des „Shutdowns“ des gesellschaftlichen Lebens durch eine Fasten- und Karzeit völlig anderer Art.
Doch zeigen sich auch vielfältige Hoffnungsschimmer: Die Wertschätzung derer, die beinahe Übermenschliches leisten, um unsere Grundversorgung sicher zu stellen; die neu entdeckte Sensibilität für die Schutz- und Hilfsbedürftigkeit unserer Mitmenschen; die Phantasie, mit der Möglichkeiten entwickelt werden, bei aller Einschränkung Gemeinschaftsgefühl und Freude zu vermitteln; die Kreativität, Wege zu finden, um Menschen in Notsituationen zu unterstützen.
Es sind hoffnungsvolle Farbtupfer inmitten des grau-tristen Pandemie-Alltags. Ein neuartiges Ostern deutet sich an: menschlicher, gemeinschaftlicher, fürsorglicher, solidarischer.

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