Ein schönes Patroziniumsfest 2023 in St. Michael in Wannweil mit etwas getrübter Freude

Der Kirchenchor hatte sich für den Festgottesdienst besondere Mühe gemacht und kraftvoll, trotz geringerer Sängerzahl zur festlichen Stimmung beigetragen. Besonders freuten wir uns, dass sich erstmals eine jugendliche Lektorin, die 7. Klässlerin Clara Schabel traute, sowohl die Lesung als auch die Fürbitten vorzutragen. Sie hat das gut und verständlich gemacht. Leider nahmen auffallend wenige Besucher teil. Außer dem Chor wurden 36 Teilnehmer gezählt.

Den Festsonntag rundete ein besonderes Kirchenkonzert im Format „Musik für die Seele“ ab. Sechs virtuose Künstlerinnen und Künstler – überwiegend aus dem Umfeld unserer Kirchengemeinde begeisterten fast 100 Zuhörer aus allen Kirchenorten und auch darüber hinaus mit Liedern, Klavier-, Flöten- und Orgelmusikstücken. Unter der Leitung und Mitwirkung von Dagmar Tumele (Klavier) hörten wir virtuose Musikdarbietungen aus der Zeit der Romantik (19. Jahrhundert). Die Musiker traten meist zu zweit auf und ergänzten sich gegenseitig. Carsten Engel (Gesang/Bariton und Orgel), Julien Flad (Gesang/Bass, Klavier), Klaviermusik mit Christina Stiegler, Orgelmusik mit Mihnea Mlak-Marginean und Julien Flad, sowie Stücke für Querflöte mit Roland Geiger. Mit einer Video-Übertragung des Orgelspiels auf eine zentrale Leinwand konnten die Zuhörer, ohne sich umdrehen zu müssen, die „Arbeit“ der Künstler am Instrument beobachten. Im Anschluss fand noch ein reger Gesprächsaustausch beim Dämmerschoppen statt.

Beim KirchenCafé nach dem Festgottesdienst und auch beim Dämmerschoppen nach dem abendlichen Kirchenkonzert wurde deutliche Enttäuschung über den mangelnden Gottesdienstbesuch geäußert und nach Ursachen gesucht. Mit dem Schwinden der „Gründergeneration“ aus der Zeit des Kirchenbaues vor 59 Jahren scheint wohl die Feier des Namenstages /Patrozinium der St. Michaelskirche bedeutungslos geworden. Als wichtige Faktoren wird aber auch der gesellschaftliche Bedeutungsverlust von Glaube und Religion in der Bevölkerung an sich ausgemacht. Auch der Rückzug von ehemals sehr Engagierten aus der Kirche wegen kaum veränderlichen Strukturen und Leitgedanken und letztlich dem Missbrauchsskandal trägt zur Situation bei. Rückzug „aus der Kirche“ bedeutet leider wohl auch der Rückzug aus der örtlichen Gemeinde.
Alex Bernhard

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