Wiedergabe des Leitartikels von Ute Boehme aus dem Gemeindemagazin zu Pfingsten 2023.
Glaube im Alltag
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, …“
Wir alle kennen es – es ist der Beginn des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Schnörkellos, unumwunden, klar.
Einerseits ungeheuer kraftvoll, andererseits auch ziemlich fordernd. Kein Bekenntnis, dem man so eben mal im Vorbeigehen ein „Like“ gibt, um dann wieder zur Tagesordnung überzugehen. Oder?
Der Moment, in dem wir die klare Entscheidung treffen, diesen Glauben zu unserer inneren Haltung werden zu lassen, hat Folgen. Für uns als Individuum und damit auch für unseren Umgang mit anderen.
Glaube ganz persönlich
„Ich glaube.“ Es sieht so aus, als sei das für immer weniger Menschen eine Option. Die Bibel als „Märchenbuch“. Und die Institution Kirche generell ein fragwürdiges Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Dennoch – die Fragen bleiben: Was trägt mich? Was hält mich? Wo sind meine Wurzeln? Was gibt mir Kraft? Welchen Sinn hat mein Leben? „Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut.“ (Matthäus 7, 24)
Glauben ermöglicht uns, unseren Alltag aus dem Vertrauen zu Gott zu leben. Wie kann das aussehen? Vielleicht kommen wir dem am ehesten auf die Spur, wenn wir darüber nachdenken: Wann waren wir Gott so richtig dankbar? In welcher Situation hat uns der Glaube schon geholfen, Schweres zu ertragen? Wie hilft uns unser Glaube, mit Ängstenund Zweifeln umzugehen? Wo hat uns der Glaube dabei geholfen, uns selbst zu verzeihen? Wann und wie beten wir? Glaube und seelische Widerstandskraft Momentan ist sehr viel von Resilienz die Rede, von seelischer Widerstandskraft in Krisenzeiten. Glaube kann sehr hilfreich dabei sein, wesentliche Resilienzfaktoren wie Akzeptanz, Optimismus und Zuversicht, Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung sowie insbesondere auch stabile soziale Beziehungen gut auszubilden. Glaube und Spiritualität als solche sind also Resilienzfaktoren. Der Bereich „Stabile soziale Beziehungen“, der für viele ohnehin nicht so ganz einfach ist, hat während der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen nochmals nachhaltig gelitten. Vereinzelung, Beziehungslosigkeit und zunehmende Vereinsamung sind die Folgen. Es fehlt die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft – und sei sie noch so klein …
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind … da bin ich mitten unter ihnen.“
(Matthäus 18, 20)
Niemand glaubt allein. Gemeinschaft ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen, wir sind soziale Wesen. Gemeinschaft mit Jesus und untereinander erleben wir im Gottesdienst. Natürlich nicht nur dort – auch in vielen anderen Bereichen unseres alltäglichen Lebens können wir die Gemeinschaft mit anderen und mit Jesus erleben.
Wir können uns unter diesem Aspekt fragen: Welche Rolle spielt unser Glaube im Umgang mit unseren Mitmenschen? Wie tolerant sind wir? Wie gehen wir mit Konflikten um? Schaffen wir es, zu verzeihen, wenn uns jemand Unrecht zugefügt hat? Wie steht es um die Würde jedes Menschen? Und nicht zuletzt – machen wir anderen Mut, stehen wir ihnen zur Seite oder schenken wir jemandem vielleicht einfach mal ein Lächeln? Im Austausch mit anderen erfahren wir Resonanz und im Idealfall auch Unterstützung.

Kommunikation und Wertschätzung
Gemeinschaft lebt von Kommunikation. Wertschätzend. Auf Augenhöhe. Ein ganz wichtiges Element wertschätzender Kommunikation ist – das wird gerne mal vergessen – das Zuhören. Sehr viele Menschen fühlen sich aktuell nicht gehört, wertgeschätzt, gewürdigt. Der Passus: „(Ich glaube an) … die heilige katholische Kirche“ ist für sie nicht mehr stimmig. Allein im Jahr 2021 verzeichnet die Statistik 359.338 Kirchenaustritte aus der katholischen Kirche in Deutschland, Tendenz in 2022 weiter steigend. Möglicherweise spielt für einige dieser Menschen die Verbindung zwischen dem Wort „Glauben“ und dem Begriff „Glaubwürdigkeit“ eine Rolle?
Und wie sieht es bei uns hier im Alltag in unserer Gemeinde aus?
Auch bei uns lösen Menschen ihre Verbindung zur Kirche. Der mit der Pandemie einhergehende unfreiwillige soziale Rückzug ist hier vermutlich höchstens der Beschleuniger dieser Entscheidung.
Fakt ist: Für immer weniger Menschen auch bei uns erscheint die Kirche nicht mehr attraktiv, nicht mehr relevant.
Glaube, Hoffnung und Liebe
War da denn nicht auch mal was mit „Da-Sein“ insbesondere für die Schwachen? Mit Wahrhaftigkeit, Nächstenliebe, Güte und Barmherzigkeit? Glaube,
Hoffnung und Liebe? Gott sei Dank gibt es das alles noch immer, auch wenn es momentan ein Stück weit aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wird.
Was also tun? Wie heißt es so schön: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg zum Propheten kommen.“
Vielleicht gelingt es, so ganz allmählich wieder zu überzeugen – Gemeindeleben als Option überhaupt wieder ins Bewusstsein zu rücken und ins Spiel zu bringen. Es könnte ein etwas längerer Weg werden, der aber – wie immer – mit dem ersten Schritt beginnt.
Angebote und Engagement
In unserer Gemeinde sind wir in der glücklichen Lage, dass es hier Menschen gibt, die sich mit ihrer Begeisterung, mit ihren Talenten, mit ihrer Tatkraft, Zeit und Energie für eine ganze Reihe vielfältiger Angebote, Gemeinschaft zu leben, einsetzen. Ein großes Anliegen des diesjährigen Pfingstbriefes ist es, Angebote und Möglichkeiten im Einzelnen vorzustellen und die Inhalte damit allen Gemeindemitgliedern zugänglich zu machen. Neue, für alle offene Angebote laden dazu ein, sich dem Gemeindeleben (wieder) anzunähern.
KirchenCafé, AusZeit, Pilgern …
Da ist die Idee des KirchenCafés , eines der vielen Angebote, das sich stetig steigender Beliebtheit erfreut: „Im KirchenCafé wollen wir uns Zeit nehmen für
unsere Gäste – Zeit vor allem zum Zuhören“, so Alex Bernhard, einer der Initiatoren. Nach dem Gottesdienst noch etwas verweilen, miteinander ins Gespräch kommen, so die Botschaft. Themen können sein: Aktuelles, was die Kirchengemeinde betrifft, Gott und die Welt, des Pfarrers Predigt.
Wer sich gerne an der frischen Luft bewegt, ist herzlich eingeladen zum Pilgern am Sonntag: „Von den Kirchen um die Dörfer“. Die Initiatoren dieses ökumenischen Projektes regen an, den Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes mal anders zu „be-gehen“.
Ein weiteres erfolgreiches ökumenisches Projekt ist beispielsweise die AusZeit am Sonntagabend – Entspannung für Herz und Seele. Konzipiert für Menschen, die kirchenfern sind oder solche, die gerne mehr Spiritualität bei den Gottesdiensten
erleben würden.
Und wer weiß – vielleicht ergibt sich durch neue, zwanglose Kontakte die Idee, doch mal im Kirchenchor mitzusingen, regelmäßig zu meditieren, sich in KAB oder Frauenkreis zu engagieren … oder … oder … oder …? Das ist nur eine kleine Auswahl, die Angebote sind vielfältig:
› Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung
(KAB)
› Der Frauenkreis
› Die Katholische junge Gemeinde (KjG)
› Die Kinderkirche
› Der Kirchenchor
› Die Kirchenmusik
› Das KirchenCafé
› Die christliche Meditation
› Die AusZeit am Sonntagabend
› Das Pilgern am Sonntag
› Der Ort für Trauer und Herzensanliegen
Viele dieser Angebote werden ab Seite 14 dieses Pfingstbriefes ausführlich vorgestellt. Darüber hinaus gibt es auch immer aktuelle Informationen auf der Website: www.christus-koenig.eu.
Mit unserem persönlichen Beitrag können wir die Welt nicht aus den Angeln heben. Und doch – Veränderung beginnt im Kleinen. Was daraus erwachsen kann, wird für mich persönlich beispielsweise eindrucksvoll in einer kleinen, gänzlich unspektakulären Ausstellung in der Leipziger Nikolaikirche gezeigt: Der Weg zur friedlichen Revolution im Herbst 1989.