Petrus und Paulus – zwei Heilige wie Feuer und Wasser

Das große Fest der beiden Apostel Peter und Paul feiern wir am 29. Juni. Die katholische Kirche verehrt Petrus als Fürsten über die ganze Kirche und Paulus als Lehrer aller Völker.
Der 29. Juni gilt auch als Festtag der Päpste und als Geburtsfest des christlichen Roms.

Von Angelika Schmitt und Eva Schlegel

Warum denken wir gerade am 29. Juni besonders an Petrus und Paulus?

Vermutlich im Jahre 258 wurden die Leichname der beiden am 29. Juni aus ihren ursprünglichen Gräbern in Rom geholt und gemeinsam in die Katakomben an der Via Appia übertragen. In diesem Jahr wurden nämlich die christlichen Begräbnisstätten durch Kaiser Valerian konfisziert und es drohte Gefahr, dass die Nicht-Christen versuchen würden, die Gräber zu entweihen. Dies rief eine derartige Begeisterung für die Apostel Petrus und Paulus hervor, dass das Datum der neuen Beisetzung das ursprüngliche Begräbnisdatum vergessen ließ, obwohl die Gebeine später vermutlich zurückgeführt wurden. Der 29. Juni wurde schließlich im ganzen Abend- und Morgenland als Gedächtnistag für Petrus und Paulus angenommen. (Vgl. Das große Buch der Heiligen, Geschichte u. Legende im Jahreslauf, Südwest Verlag München S. 394-395)

Kirchenfenster - hl. Petrus und hl. Paulus
Petrus und Paulus – nicht immer einig

Wer sich mit der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen genauer beschäftigt, wird feststellen, dass sich Petrus und Paulus in Glaubensfragen und bezüglich des Fortbestands der christlichen Glaubensgemeinschaft nicht immer einig waren. Petrus verlangte auch von den griechischen Christen, dass sie sich an alle jüdischen Gesetze halten sollten. Paulus hingegen sah das Christentum immer mehr abgekoppelt vom jüdischen Glauben. Sie gerieten des Öfteren wegen ihrer unterschiedlichen Anschauungsweisen aneinander. (Vgl. Apg 15 und Gal 2) Dennoch begegneten sie sich immer in Liebe und Freundschaft. Jeder war in seiner Art von Bedeutung für den Fortbestand und die Entwicklung des Christentums.

Heiliger Petrus mit dem Schlüssel

Petrus – wichtiger Jünger Jesu

Petrus, dessen ursprünglicher Name Simon lautet, war ein Jünger Jesu, über den das Neue Testament am ausführlichsten berichtet: Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus vom Fieber war eine der ersten Wundertaten Jesu (Mt 8,14f). Außerdem war Petrus der erste, der Jesus als Sohn Gottes bezeichnete. (Mt 14,28-32).
Simon wurde in Bethsaida am Nordufer des Sees Genezareth geboren und war von Beruf Fischer. Durch seinen älteren Bruder Andreas lernte er Jesus kennen und blieb für immer als sein Jünger bei ihm. (Mt 19,27) Welche Bedeutung er für Jesus und das Christentum bekommen sollte, wurde durch seine Umbenennung zu „Petrus“ (gr. petros = Fels, aram. Kephas; Mk 3,16). Eine nähere Erklärung zu dieser gab Jesus, als Petrus als einziger Jünger, erkannte, dass er Christus, der Sohn Gottes sei. Auf dieses Bekenntnis verhieß Jesus ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen (…) Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,16-19). Dadurch ernennt Jesus ihn zum ersten Papst des Gottesreiches auf Erden, zum obersten Lehrer, Priester und Hirten der Gesamtkirche. Obwohl Petrus in seiner Unzulänglichkeit als Mensch Jesus dreimal verleugnete, bekräftigte Christus seinen Auftrag an Petrus in dem er dreimal wiederholt: „Weide meine Schafe“ (Joh 21,15-17) Es ist beachtenswert, dass Petrus sofort nach der Himmelfahrt Christi als Wortführer der Jünger in Erscheinung tritt. Aus der Apostelgeschichte geht hervor, dass er „als erster kommt“ (Apg 2,14-36). Er leitet die Wahl des Apostel Matthias, er predigt nach der Sendung des hl. Geistes öffentlich als erster und bekehrt dreitausend Juden, er heilt einen Lahmgeborenen (Apg 9,32-35), er nimmt die ersten Heiden in die Kirche auf und er führte das erste Apostelkonzil in Jerusalem durch. Petrus missionierte in Palästina und Samaria sowie in Kleinasien. Nach alten übereinkommenden Überlieferungen wirkte er einige Zeit in Antiochien als Bischof. Er wurde von König Herodes in den Kerker geworfen und auf wundersame Weise durch einen Engel befreit (Apg 12,1-11) Geschichtlich belegt ist, dass Petrus sich viele Jahre als Vorsteher der christlichen Gemeinde in Rom aufhielt, auch wenn er oft außerhalb Roms wirkte. Er weihte in Rom die erste Kirche, nämlich das Haus des Pudentius, in dem die Christen sich versammelten. In Rom wurde er zusammen mit Paulus gefangen genommen und von den Wärtern, nachdem er sie bekehrte, von den Ketten befreit. Eine wunderbare Begegnung mit dem „Gekreuzigten“ vor den Toren der Stadt veranlasste ihn nach seiner Flucht wieder nach Rom zurückzukehren.

Heiligenbild von Petrus und Paulus
Tod und weitere Wirkkraft

Petrus starb der Legende nach den Märtyrertod im Jahre 67 unter Kaiser Nero zu der Zeit, als Nero nach dem Brand von Rom, die Christen verfolgen ließ. Petrus wurde mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, weil er sich für unwürdig hielt, den gleichen Tod wie sein Meister zu sterben. Papst Anaklet soll ein kleines Bethäuschen über dem Grab des hl. Petrus gebaut haben, an dessen Stelle unter Kaiser Konstantin dann eine große Basilika zu Ehren des Apostelfürsten errichtet wurde. Nach ihrem Verfall wurde Alt-Sankt-Peter im 16. Jahrhundert durch den heutigen Petersdom ersetzt. Die sogenannte „Navicella, das berühmte Mosaik von Giotto in der Vorhalle, stammt noch aus der alten Kirche. Es zeigt den Herrn auf dem Wasser wandeln und im Schiff- dem Sinnbild der Kirche, die staunenden Apostel. Ebenso die hoch verehrte Statue des Apostelfürsten, unter der sich das Grab Petri befindet, war bereits in der alten Basilika. Durch seinen in Rom erfolgten Märtyrertod hat Petrus sein „Cathedra“, den Apostolischen Stuhl, dauernd an Rom gebunden. Von Petrus sind uns zwei Briefe erhalten, die im Kanon der Hl. Schrift Aufnahme fanden. Der hl. Apostel Petrus wird meistens mit zwei Schlüsseln in der Hand – der eine aus Gold, der andere aus Silber („zu binden und zu lösen“) – dargestellt, in der anderen Hand hält er ein Buch; auch mit Hahn; mit verkehrtem Kreuz. Eine der schönsten Darstellungen aus dem Leben des hl. Petrus ist das Fresko des Perugino mit der Schlüsselübergabe in der Sixtinischen Kapelle.
Ein Teil der Ketten, mit denen er im Kerker gefesselt war, befindet sich in S. Pietro in Vincoli in Rom, der Hirtenstab wird je zur einer Hälfte in Köln und Trier aufbewahrt, ein Teil des Mantels in Prag verehrt, das Schwert, mit dem er Malchus das Ohr abhieb, in Konstantinopel, sein Hut in Namur.

Der hl. Petrus ist Patron der Brückenbauer, der Maurer, Steinhauer, der Fischer, Schiffer, Fischhändler, der Schlosser, Schmiede, Eisenhändler, der Tuchweber (Netzmacher) und vieler anderer Gewerbetreibender, aber auch der Beichtenden und Büßer (Reue) und Jungfrauen. Sein Beistand wird angerufen gegen Besessenheit, Fieber, Fußleiden, Schlangenbiss, Tollwut und gegen Diebe. Es gibt viele nach ihm benannte Ordensgemeinschaften und Vereine. Über fünfhundert Heilige tragen seinen Namen. (Vgl. Das große Buch der Heiligen, Geschichte u. Legende im Jahreslauf, Südwest Verlag München S. 394-395 und vgl. Handbuch der Heiligen Primusverlag S. 29-31)

Paulus in Kirche Wolfenbüttel

Vom Saulus zum Paulus

Paulus, dessen hebräischer Name Saulus war, wurde in Tarsus geboren. Das liegt in der heutigen Türkei und war damals eine bedeutende Handelsstadt. Saulus erlernte den Beruf des Zeltmachers, wie sein Vater und erbte von ihm auch das römische Bürgerrecht, das ihm später noch nützlich sein sollte.
Sein Vater war ein pharisäischer Jude und erzog seinen Sohn streng religiös. So wurde Saulus zu einem Verfechter des radikal jüdischen Glaubens und begann die Anhänger des neu entstandenen Christentums leidenschaftlich zu verfolgen. (Apg 8)
Die Apostelgeschichte berichtet vom sogenannten Damaskuserlebnis, das Saulus komplett umdenken ließ.
Er war unterwegs nach Damaskus, „um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.“ (Apg 9,2) als ihn plötzlich ein Licht umstrahlte und eine Stimme ihn fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Es stellte sich heraus, dass es die Stimme Jesu war, die zu Saulus sprach. Drei Tage war Saulus blind bis Hananias, ein Jünger Jesu, ihm die Hände auflegte und er wieder sehen könnte. Von nun an nannte Saulus sich bei den Griechen und Römern Paulus.
Paulus wurde ein überzeugter Anhänger Jesu und verkündete ihn überall als den Christus, als den Sohn Gottes. Das rief natürlich seine einstigen Freunde, die Pharisäer, auf den Plan, die vorhatten ihn zu töten. Mit Hilfe seiner neuen Freunde, den Christen, gelang es Paulus in einem Korb über die Mauern von Damaskus nach Jerusalem zu fliehen. Dort angekommen nahm sich Barnabas ihm an, da die anderen Christen nicht glaubten, dass Paulus wirklich einen Sinneswandel durchgemacht hatte. Durch Barnabas‘ Zeugnis aber, wurde Paulus in die christliche Gemeinde aufgenommen und konnte von ihrem Schutz profitieren.

Missionsreisen und Tod in Rom

Paulus nahm den Auftrag den Namen Jesu in der ganzen römischen Welt zu verkünden, sehr ernst. Und so machte er sich auf zu vielen Missionsreisen. Diese zu rekonstruieren ist nur mithilfe der Apostelgeschichte und vereinzelter Bemerkungen von Paulus in seinen Briefen möglich. „Paulus konzentriert sich bei seiner Mission auf die Großstädte und Provinzzentren. Dort wirkt er solange, bis die entstandene Gemeinde selbständig existieren kann. Zeitweise hält er sich länger an einem Ort auf, benutzt ihn gleichsam als Stützpunkt (Korinth, Ephesus). Auf diese Weise entsteht schnell ein Netzwerk von Gemeinden, die nun ihrerseits in die Umgebung wirken können. Den Kontakt zu den Gemeinden hält Paulus durch Briefe und seine Mitarbeiter. Auch die Gemeinden selbst schicken Boten zu Paulus, die dann teilweise länger bei ihm bleiben und ihn unterstützen.“ (http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-nt/geschichte-des-urchristentums/apostelkonzil-und-paulus/)
Als Paulus in Rom war, wurde er verhaftet. Dank seines römischen Bürgerrechts, blieb ihm eine Geißelung erspart (Apg 22) und er konnte im Gefängnis Briefe schreiben und weiter von Jesus berichten.
Man geht davon aus, dass er ca. 64 n. Chr. eines natürlichen Todes starb. Andere Legenden erzählen davon, dass er ca. 67 n. Chr. unter Kaiser Nero durch das Schwert den Tod fand und als Märtyrer starb.

Darstellung und Patronat
Paulus wird meistens mit einem Schwert dargestellt, das sowohl auf seine Tätigkeit der Christenverfolgung als auch auf seinen angeblichen Tod durch das Schwert hinweisen soll.
Eine alleinige Paulus-Verehrung gibt es nur selten. Meistens wird Paulus gemeinsam mit Petrus verehrt.
Der Hl. Paulus ist Patron von Malta, Rom, Umbrien, Kavala in Griechenland und Poznań/Posen in Polen; der Theologen und Seelsorger, Weber, Teppichweber, Zeltwirker, Korbmacher, Seiler, Sattler, Arbeiterinnen; der katholischen Presse; für Regen und Fruchtbarkeit der Felder; gegen Furcht und Angst, Ohrenleiden, Krämpfe, Schlangenbiss, Blitz und Hagel; Patron des Bistums Münster, der Bistümer Gliwice /Gleiwitz und Legnica/Liegnitz.
Ausführlichere Informationen zu Paulus unter: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Paulus.htm, http://www.katholisch.de/glaube/unsere-vorbilder/apostel-der-volker,
http://www.katholisch.de/glaube/unser-kirchenjahr/die-kirchensaulen,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.