Das ganze Leben?

 

„Da ist mein ganzes Leben drin!“ – so der entsetzte Ausruf eines Wirtschaftsanwalts in Roman Polanskis Film „Der Gott des Gemetzels“, als seine Frau voller Wut über seine ständigen Telefonate sein Smartphone in der Blumenvase versenkt. Das ganze Leben? Im Smartphone?
Während einer Chorprobenwoche im Kloster Bonlanden – ländliches Gebiet, Internetverbindung sehr lückenhaft – immer wieder dasselbe Bild: in den freien Minuten ballten sich die Chormitglieder an den wenigen Stellen auf dem Klostergelände, um mit ihrem Smartphone einen Netzzugang zu ergattern.
Es hat sich viel verändert in unserem Alltagsverhalten in Zeiten des Internets. Wir können jederzeit kommunizieren, uns informieren und unterhalten – und wir nutzen es auch. Viele alltägliche Verrichtungen sind ohne Wischen oder Klicken kaum mehr möglich.
Da fällt spürbar ins Gewicht, wenn im Urlaubsort der Internetzugang kaum oder nur eingeschränkt möglich ist. Es fehlt etwas – und dennoch: Plötzlich ist wieder Zeit für Anderes, für einen direkten Blick in die Realität um uns herum. Menschen, Städte, Landschaften werden mit unverstelltem Blick wahrgenommen. Und ich erinnere mich an die Zeit, in der die Begegnung mit der Umwelt auf unmittelbare Weise stattfand, ohne Ablenkung durch Pop-up-Meldungen oder Whatsapp-Nachrichten. Ein Leben im eigentlichen Sinn im „Hier und Jetzt“.
Mir wird immer bewusster: mein Leben ist mehr als in Mikrochips gespeicherte Daten. Und so kann ich immer mehr die Einschränkung des Gewohnten als Bereicherung erleben! Eine Urlaubserfahrung, von der ich gerne auch in meinem Alltag zehren möchte.

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