Der Synodale Weg: Startbahn oder Sackgasse?

Am 30. Januar treffen sich die 230 Vertreter des Synodalen Weges in Frankfurt am Main zur ersten Vollversammlung, um über die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland zu beraten. Start war am 1. Dezember 2019, zum ersten Advent und zu Beginn des neuen Kirchenjahres. Die Deutsche Bischofskonferenz sagt dazu: „In den Mittelpunkt stellen wir die Frage nach Gott und dem Weg, den er heute mit den Menschen gehen will. Wir sehen, dass es für viele Menschen die Kirche selbst ist, die das Bild Gottes verdunkelt. Wir setzen auf die Kraft des Heiligen Geistes, die Kirche zu erneuern, so dass sie Jesus Christus als Licht der Welt glaubwürdig bezeugen kann.“

Von Rainer Degen

Was ist ein Synodaler Weg überhaupt?

Wörtlich übersetzt bedeutet synodal „die Synode betreffend“. Alles klar? Nein. Also müssen wir uns fragen, was eine Synode ist. Der Begriff Synode findet sich in verschiedenen Kirchen. In der Regel ist damit ein Gremium gemeint, das die Gesamtheit der Kirchenmitglieder repräsentieren soll. Die Zusammensetzung sieht also sowohl Geistliche als auch Laien vor. Es besteht aus ernannten oder gewählten Laien und Geistlichen. Der synodale Weg ist ein Reformdialog unter Mitgliedern der Kirche für die gesamte Kirche.

Wie setzen sich die Teilnehmer zusammen?

Die Synodalversammlung besteht aus rund 230 Mitgliedern. Diesem Gremium gehören unter anderem die derzeit 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz an sowie 69 Teilnehmer aus den Reihen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken – 31 Frauen und 38 Männer. Auch weitere Gremien wie beispielsweise die Deutsche Ordensobernkonferenz, die diözesanen Priesterräte, die Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat, die Geistlichen Gemeinschaften und die Konferenz der Generalvikare entsenden Teilnehmer. Dem Gremium gehören ca. 2/3 Männer an und 1/3 davon sind Frauen.

Wie lange dauert der Synodale Weg?

Für den Synodalen Weg ist eine Frist von zwei Jahren angedacht. Eine exakte Dauer ist nicht vorgegeben, um flexibel und offen zu sein für das gemeinsame Bemühen um Antworten auf die Herausforderungen, die mit der Auswertung der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie) deutlich wurden.

Was sind die Themen des synodalen Wegs?

In den kommenden zwei Jahren diskutieren die 230 Teilnehmer*innen in vier Foren

  • über die Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche. Am 28. Januar 2010 kamen die ersten Fälle von Missbrauch in der Kirche im Canisius-Kolleg ans Licht. Eine Entschädigung der Opfer steht nach nun über 10 Jahren bis heute aus,
  • über die Gewaltenteilung und den Umgang mit Macht in der Kirche, die ja als struktureller Begünstigunger des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen vom Forscherteam der Missbrauch Studie gesehen wurde,
  • über Sexualmoral und in diesem Zusammenhang auch über das Zölibat und
  • über den Zugang von Frauen zu Dienst und Ämtern in der Kirche.

Das letzte Forum zum Zugang von Frauen zu Ämtern in der Kirche ist nachträglich dazugekommen. Hier darf vermutet werden, dass die Bewegung Maria 2.0 mitentscheidend war, dass dieses vierte Forum Eingang in den synodalen Weg gefunden hat. Meine Kollegin Gerlinde Münch, die ja die Bewegung Maria 2.0 stark unterstützt, ist davon nicht gerade begeistert: „Ich befürchte, dass es sich beim Synodalen Weg um eine Alibi-Funktion handelt, die zeigen will, dass etwas getan wird. Allerdings sind die Beteiligten des Synodalen Wegs nicht weisungsbefugt und somit wird wieder mal viel geredet, aber nichts umgesetzt.“

Der Synodale Weg: Startbahn oder Sackgasse?

Was spricht für einen synodalen Weg zum jetzigen Zeitpunkt?

Die fortschreitende Säkularisierung in den Kirchen, die immer leerer werdenden Kirchenräume und jüngst der Missbrauchsskandal sprechen eine eindeutige Sprache. Soll die Kirche weiterhin für viele ein stabiler Anker, ein essentieller Bestandteil des Lebens sein, dann ist das Miteinanderreden und Zuhören sicher eine erste mögliche – und notwendige! – Startbahn zur Veränderung. Besonders steht jetzt eine adäquate Entschädigung der Missbrauchsopfer an vorderster Stelle. Denn klar ist: die Kirche hat nicht zuletzt durch den Missbrauchsskandal ihre Glaubwürdigkeit als moralische und ethische Instanz in der Öffentlichkeit verloren. Es gilt das verspielte Vertrauen wieder zurückzugewinnen und dem Bedürfnis der Menschen nach Spiritualität Rechnung zu tragen.

Gibt es Kritik am Synodalen Weg? Am Ende wieder in der Sackgasse?

Vorbehalte gibt es von einer Minderheit der Bischöfe, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Die letztendliche Entscheidungsgewalt stünde allein den Bischöfen zu. Auch darf man skeptisch sein, ob der Diskurs eines Gremiums mit 230 Teilnehmern zu eindeutigen Ergebnissen führt. Und: wie verpflichtend Beschlüsse denn am Ende sind  oder ob es lediglich für unverbindliche Empfehlungen reicht, also wirkungslos verpuffen. Gerade Themen wie „Frauen und Ämter“ könnten nicht in Deutschland entschieden werden, heißt es. Besonders schroff wendet sich die Katholische Jugendbewegung (KJB) gegen den synodalen Weg. Dort ist man der Auffassung, dass es eine „gleichberechtigte Teilhabe von Laien und Geweihten an Leitung von Kirche“ nicht geben könne, weil die Kirche hierarchisch aufgebaut sei.

Auf der Startseite unserer Diözese zum synodalen Weg der Vers:

Zeige mir, HERR, deine Wege,
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich;
denn Du bist der Gott meines Heiles.
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
(Ps 25, 4-5)

 

Weitere Informationen über den Synodalen Weg hier

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Ein Gedanke zu „Der Synodale Weg: Startbahn oder Sackgasse?

  1. Ich empfehle allen, die der syndale Weg interessiert, den liveticker auf katholisch.de. Der link zu dieser website befindet sich als button am Ende dieser homepage.
    Dort wird differenziert berichtet. Übrigens auch über andere interessante Themen, wie beispielsweise eine alternative Formulierung der Vaterunserbitte „führe uns nicht in Versuchung“. Wie die Franzosen haben nun auch die Italiener sie geändert in „überlass uns nicht der Versuchung“.
    Ein Grundproblem unserer Kirche ist der Umgang mit Macht. Durch Machtmissbrauch – besonders auch sexuellen – hat die Kirche sehr viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren. Macht kann positiv oder negativ ausgelebt werden. Mächtige bedürfen der Anregungen, der Kritik, der Einmischung. Subsidarität muss gelebt und eingefordert werden. Dazu ist der synodale Weg ein wichtiger Schritt. Klar besteht die Gefahr, dass nicht viel dabei herauskommt. Als Kathiliken/Innen sollten wir ihn aber hoffnungsvoll und natürlich auch kritisch begleiten. Gut ist meiner Meinung nach, dass „Ewiggestrige“ dadurch immer mehr unter Druck geraten.

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