Der ungläubige Thomas

In einem ZEIT Magazin stand folgender Text, der mir gefiel und der mich immer wieder zum Nachdenken anregt: „Aufgeklärte Christen und liberale Muslime wissen, dass der Glaube kein Zustand ist, sondern ein Prozess. Darum ist der Zweifel auch nicht das Gegenteil des Glaubens, sondern sein integraler Bestandteil: Der Zweifel ist Bewegungsform des Glaubens, der Glaube ist der Fluchtpunkt des Zweifels.“

„Integral“ – so verstehe ich – betrifft den Kern meines Glaubens, wobei der Zweifel einen entscheidenden Beitrag leistet, der wesentlich ist. Fluchtpunkt heißt hier vielleicht: Meine Augen, meine Gedanken wandern mit bis zum Horizont, zu einem Ziel, zu einem Endpunkt.

Sehr konkret zeigt dies die Bibelstelle, wo die Zweifel des „ungläubigen“ Thomas an der Auferstehung Jesu geschildert werden: Ungläubig, weil er nicht ein direkter Augenzeuge war – und später doch überzeugt durch den direkten Kontakt mit dem Auferstandenen, durch das Sehen und Berühren.

Und weil wir heute in einer Welt leben, wo sich nicht nur scheinbar immer mehr für die einfache, aber leider falsche Lösung entscheiden. Wo Verschwörungstheorien über Fakten siegen und die Verunsicherung zunimmt, wünsche ich mir auch oft eine sich ähnlich zeigende Szene wie im Johannesevangelium, die die Dinge endgültig klärt und ich meinen Weg gehen kann…auch hin zum nächsten Zweifel.

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