Pfarrer Tomas Begovic nimmt nach 40 Jahren Abschied
Von Eva Schlegel
KIRCHENTELLINSFURT. Es riecht nach frischem Brot, Äpfeln und Spätsommerblumen. Ein goldener Erntealtar zieht die Blicke auf sich, doch im Mittelpunkt dieses Sonntags steht ein anderer Ertrag: vier Jahrzehnte Seelsorge, Wegbegleitung und menschliche Wärme. Als Pfarrer Tomas Begovic zum letzten Mal in offizieller Funktion vor seine Gemeinde tritt, ist die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Über 500 Menschen sind gekommen, um Auf Wiedersehen zu sagen – ein Abschied, der im Gedächtnis bleiben wird.
Wenn 50 Ministranten den Altarraum füllen
Schon beim Einzug wird spürbar, wie tief die Spuren sind, die Begovic in Kirchentellinsfurt, Kusterdingen und Wannweil hinterlassen hat. Ein schier endloser Zug aus mehr als 50 Ministrantinnen und Ministranten begleitet den Seelsorger an den Altar. Es ist ein Erntedankgottesdienst der ganz besonderen Art.
Die Emotionen im Raum sind greifbar, als Grundschulkinder das Theaterstück „Die kleine rote Henne“ aufführen – genau jenes Anspiel, das bereits bei Begovics allererstem Erntedankfest in den 1980er-Jahren zu sehen war. Ein Kreis schließt sich. Ein kurzes Interview über die Sakramente bringt auf den Punkt, was diesen Tag prägt: Kirche ist da, wo Menschen einander begleiten. Und Begovic war für Generationen dieser Wegbegleiter.
Auch musikalisch zieht die Gemeinde alle Register. Der Kirchenchor unter der Leitung von Sorin Cioinaru-Rainer, Solistin Brigitte Häberli, Matthias Buck an der Geige sowie ein vierköpfiges Organisten-Team verwandeln das Gotteshaus in einen Konzertsaal, getragen vom vielstimmigen Gesang der Gemeinde.
Stimmen, Lachen und Cevapcici auf der Wiese
Nach dem Segen verlagert sich das Geschehen ins Freie. Im eigens aufgebauten Festzelt auf der Wiese und im Gemeindezentrum mischt sich der Duft von Mähringer Häppchen und herzhaften Cevapcici mit dem von selbstgebackenem Kuchen. Überall wird erzählt, erinnert und gelacht.
Das anschließende bunte Programm spiegelt die Vielfalt der Gemeinde wider: Während Simon Madaus und Juan Remone musikalische Akzente setzen, sorgen humorvolle Beiträge aus der Ökumene und dem Kirchengemeinderat für Schmunzler. Sogar die Politik erweist dem beliebten Geistlichen die Ehre: Die Bürgermeister Bernd Haug, Dr. Christian Majer und Marc Roth sowie Dekanatsreferent Martin Hüttl finden persönliche Worte des Dankes. Für die herzerwärmenden Höhepunkte des Nachmittags sorgen die Kleinsten aus dem Kindergarten St. Michael und die Hip-Hop-Gruppe der KjG.
Drei Bilder für den Ruhestand
Als Tomas Begovic schließlich selbst das Mikrofon ergreift, wird es noch einmal stilweise im Zelt. Er hinterlässt seiner Gemeinde drei Bilder für die Zukunft:
„Ich sehe einen großen Tisch, an dem wir alle Platz haben – die Lebenden wie die Verstorbenen. Ich sehe den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind und weiter gehen. Und ich sehe einen bunten Blumenstrauß aus all den Menschen, die diese Gemeinde lebendig machen.“
Mit einer ruhigen, besinnlichen Dankandacht in der Kirche, musikalisch untermalt von Orgel und Geige, klingt der Tag langsam aus. Zurück bleibt das Gefühl eines unvergesslichen Festes – möglich gemacht durch unzählige helfende Hände im Hintergrund. Ein Abschied voller Dankbarkeit für 40 Jahre Dienst am Menschen.
















