„Erwarten“ – eine der vier geistlichen Haltungen

Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten

In den Gottesdiensten vom 16. und 17. Dezember begrüßten Kirchengemeinderatsmitglieder die Gottesdienstbesucherinnen und -Besucher und machten auf den von der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Jahr 2015 angestoßenen Prozess unter dem Leitsatz „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ aufmerksam. Mit diesem Projekt wird auch das Motto des aktuellen KGR „Offene Kirche – aktive Gemeinde“ weiter unterstützt. Unserem KGR ist es deshalb ein Anliegen, die Gemeinde nicht nur zu informieren, sondern aktiv einzubeziehen. Dass dieser Prozess nicht durch den Pfarrer und den Kirchengemeinderat allein getragen werden kann, ist eine wichtige Erkenntnis.

von Tanja Kury-Rilling und Gerlinde Münch

Die vier Grundhaltungen

In einer ersten Phase der Orientierung geht es um die Wahrnehmung von vier geistlichen Haltungen (Grundhaltungen):

vertrauen,
lassen,
erwarten,
wertschätzen.

Diese Haltungen werden Ihnen in den nächsten Monaten in verschiedenen Gottesdiensten vorgestellt. Für den 3. Adventssonntag, wo die Geburt Jesu kurz bevor steht, wurde deshalb die geistliche Haltung „Erwarten“ zum Thema des Gottesdienstes gewählt.

Und damit das Ganze aus dem Vortrag nicht nur graue Theorie bleibe, baten die Kirchengemeinderäte darum, dass die Gottesdienstbesucherinnen und -Besucher auf Zetteln nach dem Gottesdienst folgende Fragen beantworten:

Wie können wir in unserer Kirchengemeinde die geistliche Haltung „Erwarten“ mit Leben füllen?

Was erwarten Sie

-von sich selbst als Christ

-von Ihrer Kirchengemeinde

-vom Pfarrer, KGR, sonstigen Personen in der Kirchengemeinde

von der Diözese?

-gerne auch von der katholischen Kirche allgemein, wenngleich da unsere Möglichkeiten als KGR zur Umsetzung ggfs. nur gering sind

Gerne können Sie auch im Nachhinein noch Ihre Fragen an uns weiterreichen, indem Sie zum Beispiel den ausgefüllten Umfragezettel in den Briefkasten im Pfarramt werfen oder einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben.

Nur wer fragt bekommt Antworten
Auf was warten wir eigentlich?

Fürbitten

1. Für alle, die selbst ein Kind erwarten.
Schenke ihnen Mitmenschen, die sie auf diesem Weg begleiten und unterstützen.
Steh ihnen bei, damit sie sich im Vertrauen auf Dich auf die Geburt ihres Kindes freuen können.

2. Für alle, die es kaum erwarten können, bis sich ihr persönlicher Herzenswunsch erfüllt.
Schenke ihnen Geduld und ein offenes Herz, damit sie darüber nicht ihre Mitmenschen und deren Bedürfnisse aus den Augen zu verlieren.
Steh ihnen bei, wenn sich ihr Herzenswunsch nicht erfüllen sollte.

3. Für alle, die die an sie gestellten Erwartungen nicht oder nicht immer erfüllen können.
Gib ihnen Kraft und Zuversicht und schenke ihnen Mitmenschen, die ihnen zeigen, dass sie dennoch liebenswerte Menschen sind.
Steh ihnen bei, damit sie sich hiervon nicht entmutigen lassen.

4. Für alle, die keine Erwartungen mehr haben, weil sie schon zu oft vom Leben enttäuscht wurden.
Schenke ihnen Menschen, die ihnen die Hoffnung und den Glauben an das Leben wiedergeben.
Steh ihnen bei, damit sie das Leben wieder freudig leben können.

5. Für unsere Verstorbenen.
Schenke ihnen das ewige Leben in Deiner Herrlichkeit.
Steh ihren Angehörigen bei, damit sie sich in Dankbarkeit an die schönen Augenblicke mit ihren Lieben erinnern.

Zwei Gebete zum Thema Erwarten
Warten

Adventlich leben
Die Routine durchbrechen,
auf-horchen-
auf-hören,
nicht schon die eigene Antwort parat haben,
nicht schon das Ja-aber auf den Lippen
mehr – sehen
dahinter-schauen
sehen was los ist.
Neugierig bleiben
Hilflosigkeit zulassen
nicht gleich Bescheid wissen
nicht nur alte Maßstäbe anlegen
berührbar bleiben
präsent sein
für IHN – ÜBERALL
(Margret Schäfer-Krebs)

 

Er-Warten

Warten ist Mist
ist oft anstrengend
das ist in der Welt so
und mit Gott so

Wo bist du, Herr?
Oft ersehne ich Dich und finde Dich nicht
Warten ist so mühselig
Wo bleibst du?

Advent und Fastenzeit
Vorbereitungszeiten
Wüstenzeiten
Wartezeiten sind manchmal so lange…

aber dann erzählt mir Weihnachten davon
dass das Warten nicht ewig dauert
und Ostern
dass das Warten ein erfüllendes Ende haben wird
und Pfingsten
dass schon jetzt manchmal ein Funke der Erfüllung in meinem Leben
aufleuchtet
und DU einfach da bist

Warten ist Mist
aber es lohnt sich
besonders
wenn man DICH erwartet
(Wolfgang Metz)

 

2 Gedanken zu „„Erwarten“ – eine der vier geistlichen Haltungen

  1. Ich bin froh und dankbar dafür, dass diese Themen direkt in unsere Gottesdienste einfließen. So bekommen unsere Überlegungen eine „Erdung“. So werden die Gedanken vervielfältigt, in die Gemeinde hinein. Eine gute Idee ist die Rückmeldemöglichkeit für Gottesdienstbesuchende. Hier rege ich an, die Rückmeldemöglichkeit nicht auf spontane Äußerungen zu begrenzen. Manche möchten ihre Gedanken erst mal sammeln und können diese nicht so schnell zu Papier bringen. Deshalb sollte auf die Rückmeldemöglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt nochmals hingewiesen werden und vielleicht die „Urnen“ dekorativ auffällig noch einige Zeit in den Kirchen aufgestellt bleiben.

  2. Liebe Heidrun, danke für Deinen Kommentar. Wir, das Redaktionsteam, freuen uns immer riesig, wenn von unseren Leserinnen und Lesern Reaktionen auf unsere Artikel kommen.
    Da ich mich nicht mit fremden Blumen schmücken möchte, muss ich richtigstellen, dass die meisten Texte in diesem Artikel von Tanja Kury-Rilling stammen. Sie hat sich auch die Fragen und die Fürbitten ausgedacht und die Gebete ausgewählt. Gerne hätten wir auch noch über die Predigt von Tomas geschrieben, aber da die Zeit sehr knapp war und unser Pfarrer gerade Hochsaison hat, konnten wir seinen Predigttext nicht bekommen.

  3. Solche Gebete, Gedanken, Gedichte bereichern mich sehr. Es sind für mich Übersetzungen des Glaubens ins Heute. Liebe Gerlinde, danke dafür!
    Manchmal sprechen mich auch die Beiträge des “spiritletters“ der christlichen, ökumenischen Zeitung “Publik Forum“ sehr an. Die kann ich allen nur empfehlen.

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