Firmung – warum jetzt? Das Interview

Die 18-jährige Valerie Lehmann hat sich dazu entschieden, sich firmen zu lassen. Den Wunsch dazu hatte sie im Juli 2016 beim Pfarramt geäußert. Seither ist sie einen Weg der Vorbereitung gegangen mit Gesprächen, Gottesdiensten und Nachdenken über verschiedene Themen von Glaube und Kirche. Nun ist es soweit. Am 5. Februar wird Valerie Lehmann in der St. Michaels-Kirche in Wannweil das Sakrament der Firmung empfangen.

Ein Interview von Eva Schlegel

Eva Schlegel Redaktion: Hallo Valerie, toll, dass du diesem Interview zugestimmt hast. Wir sind gespannt, was wir über dich und deinen Glauben erfahren.
Valerie Lehmann: Hallo. (lächelt)

Erzähl uns doch ein bisschen was über dich. Was machst du in deiner Freizeit? Du bist 18 Jahre alt, oder?
18 ½ (lächelt). Hmm, in meiner Freizeit? Das ist nicht so einfach. Ich hab sehr viel Leichtathletik gemacht, aber das geht nicht mehr, weil ich am Knie verletzt bin. Aber an die frische Luft zum Spazieren laufen, geh ich trotzdem noch. Wenn ich nur zu Hause rum sitze, krieg ich die Krise. Und ich lese viel.

„beim Krimifilme schauen, bin ich ein Angsthase“

Was liest du denn so?
Bücher. (lacht)

Haha. (lacht) Echte Bücher? Oder E-Book-Reader?
Nein, echte Bücher. Am liebsten Krimiromane von Nele Neuhaus, oder auch Harry Potter. Ich lese gern Krimis, aber beim Krimifilme schauen, bin ich ein Angsthase.

Valerie in der Natur
Valerie in der Natur

Du machst ja dieses Jahr Abi. Aber Religion ist nicht unter deinen Prüfungsfächern. Warum dann gerade jetzt der Wunsch, dich firmen zu lassen?
Puh, gute Frage. (überlegt) Religion ist ja nicht unbedingt mein Lieblingsfach in der Schule, aber das Eingebunden sein in die katholische Kirche ist mir wichtig. Ich hatte das Gefühl: Da fehlt noch was. Jetzt hab ich die Taufe und die Erstkommunion, da fehlt noch die Firmung, um komplett dazu zu gehören.

„Religion ist ja nicht unbedingt mein Lieblingsfach“

Würdest du die Entscheidung zur Firmung an einem bestimmten Ereignis festmachen?
Eigentlich nicht. Ich hab ja zweimal die Einladung von der Kirchengemeinde zur Firmung bekommen. Aber da habe ich mich noch nicht soweit gefühlt. Es gab keinen Grund für mich zur Firmung zu gehen. Meine Oma hat mich als ich so 15/16 war gefragt, ob ich mich eigentlich nicht firmen lassen will. Aber da war es für mich einfach nicht dran. Und jetzt so vor dem Abi, mit Blick auf die Zukunft, ist der Wunsch immer stärker geworden. Wenn schon denn schon, hab ich mir gedacht. Jetzt hast du Taufe und Erstkommunion, da fehlt nur noch die Firmung. Denn aller guten Dinge sind drei. 🙂

Die Zahl drei hat uns im letzten halben Jahr ja auch immer wieder beschäftigt, genau wie die Zahl vier und alle Zahlen, die daraus folgen. Wie würdest du das halbe Jahr beschreiben, in dem du dich jetzt auf die Firmung vorbereitet hast?
Ich hab mich mit Sachen beschäftigt, über die ich mir nie Gedanken gemacht hätte. Zum Beispiel hatte ich noch nie was von den 7 Gaben des Heiligen Geistes gehört. Oder über den Heiligen Geist hätte ich nie nachgedacht oder mir überlegt, was der für mich bedeuten könnte. Oder auch was Gott für mich bedeutet, als was ich ihn bezeichnen würde. Oder die Kirche, was sie mir bedeutet.

„Gott ist Liebe“

Wie würdest du sagen hat sich dein Gottesbild verändert oder gefestigt?
Ich hab mir über Gott überhaupt erstmal so richtig Gedanken gemacht. Wie ich ihn sehe. Habe jetzt ein klareres Gottesbild. Gott ist im Moment für mich die Liebe, ein Helfer und  der/die sagt „Ich-bin-da“. (Anm.: Valerie sollte aus 32 biblischen Gottesbegriffen drei Begriffe auswählen, die für sie zu Gott passen)

Und welche Bedeutung hat Kirche für dich? Man kann Kirche ja auch ganz unterschiedliche verstehen. Zum Beispiel als Institution, als Gebäude, …
Naja, also Kirche als Institution ist mir auch weiterhin ein bisschen suspekt. Kirche als Gemeinschaft ist etwas, wo man sich gut fühlen kann, weil viele in eine ähnliche Richtung glauben und man dazugehört.

„Ich bin jemand, der Dinge auch mal hinterfragt“

Würdest du sagen, dass du in eine ähnliche Richtung glaubst wie die anderen?
Das kann ich nicht genau sagen, weil ich mich ja nicht mit so vielen ausgetauscht habe. Und ich eher jemand bin, der den Glauben lockerer sieht und Dinge auch mal hinterfragt. Da kann ich mir vorstellen, dass ich mich mit dem ein oder anderen auch ganz schön in die Wolle kriegen könnte. Kirche als Gemeinschaft hängt aber auch vom Pfarrer ab. Wenn ich die Meinung teilen kann, die er in den Gottesdiensten mit auf den Weg gibt, dann fühle ich mich wohl.

Und ist das hier so?
Für mich schon. Es gibt bestimmt auch andere. Aber mir gefällt es, dass Pfarrer Begovic locker ist, auch mal andere Gedanken reinbringt und nicht mit strengen Richtlinien kommt. Er steht nicht mit erhobenem Zeigefinger vorne. Und das ist gut für mich. Für andere ist es vielleicht unangebracht.

Abends, wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel um mich stehn:
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zweie, die mich decken,
Zweie, die mich wecken,
Zweie, die mich weisen,
Zu Himmels Paradeisen.

Engelbert Humperdinck 1854-1921

Und wie ist das für dich mit der Kirche als Gebäude?
Das Gebäude Kirche ist für mich ein Ort zum Beten. Außerhalb der Kirche bete ich bewusst eigentlich nie. Da komme ich oft gar nicht auf den Gedanken. In der Kirche aber, werde ich daran erinnert zu beten. Außer bei meiner Oma, da haben wir vor dem Schlafen gehen immer das Gebet der 14 Englein gebetet. (Valerie sagt es auswendig vor) Wenn wir mit der Familie in die Kirche gehen, dann zünden wir immer Kerzen für meine Opas an, um an sie zu denken. Da hab ich mir schon oft überlegt, das könnte man doch auch zu Hause machen. Eine Kerze für die Opas anzünden. Oder in wie fern ist es besser eine Kerze in der Kirche für sie anzuzünden als zu Hause?!?

„Ist es besser eine Kerze in der Kirche anzuzünden?!“

Du hast gesagt, du hast dir vor diesem halben Jahr nicht so viele Gedanken über Glauben und so gemacht. Wie möchtest du, dass der Heilige Geist, der dir in der Firmung besonders zugesprochen wird in dein Leben hineinwirkt?
Ja, dass der Heilige Geist das verstärkt, was ich schon hab. Zum Beispiel Gelassenheit, aber ich von dem ein oder anderen noch ein bisschen mehr gebrauchen könnte, zum Beispiel Entscheidungskraft. Und dass er mich dabei begleitet.

Valerie, wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ohje, die Frage musste ich letzte Woche auch für die Abizeitung beantworten. Also, in 10 Jahren bin ich 28. Hmm, ist ganz schön schwierig. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Wo wir wieder beim Thema Entscheidung sind. (lächelt) Weil ich noch gar nicht weiß, was ich nach dem Abi machen will. Also, hoffentlich wohne ich in 10 Jahren in meinen eigenen vier Wänden, auf jeden Fall fertig mit dem Studium/der Ausbildung und in den Job eingestiegen. Vielleicht schon mit Familie, aber das weiß man ja nie. Kommt alles drauf an, wie lang ich mit dem Studium brauche.

Valerie und Eva
Valerie und Eva

Okay, letzte Frage: Was wünschst du dir, dass Gott in 10 Jahren für eine Rolle in deinem Leben spielt?
Unterstützung, Ratgebung, Entscheidungshilfe, beschützen.

Danke für das Interview!
Gerne! (lächelt)

3 Gedanken zu „Firmung – warum jetzt? Das Interview

  1. Liebe Valerie,
    auch ich habe mich über das Interview gefreut. Du bist sicher nicht allein in unserer Gemeinde, wenn dir die Institution ein bisschen suspekt ist, du Dinge hinterfragst, den Glauben lockerer siehst und froh bist, dass unser Pfarrer nicht mit erhobenem Zeigefinger dasteht. Diese Haltungen teile ich auch und finde,es tut gut, sich darüber auszutauschen und Glaube ganz unterschiedlich leben zu können. Zum Glück wird in unserer Gemeinde da viel angeboten und es besteht große Offenheit neuen Ideen gegenüber.
    Be mehr verschiedene Menschen sich einbringen, desto lebendiger und vielseitiger wird unsere Gemeinschaft!

  2. Danke Valerie und Eva,
    Ich war Ende 20 als ich anfing mich mit der Kirche zu beschäftigen. Ich finde es ist nie zu spät. Ich bin sehr dankbar darüber und es hat mir unheimlich viel geholfen.
    Viele Grüße
    Veran Z.

  3. Firmung -warum jetzt? Dieses Interview hat mich sehr beeindruckt.
    Vielen Dank an Valerie für ihre Offenheit im Gespräch mit Eva Schlegel.
    Alles Gute für den weiteren (Glaubens-)Weg!
    Liebe Grüße
    Birgit Espey

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