Resolution des Kirchengemeinderats zu Missständen in der Katholischen Kirche

 

Wir, die Mitglieder des Kirchengemeinderates Christus König des Friedens, Kirchentellinsfurt, Gesamtgemeinde Kusterdingen, Wannweil nehmen Stellung zur momentanen Situation der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und weltweit.

Jesus ist unser Vorbild:
In der Bibel lesen wir, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Jesus begegnete Frauen respektvoll und auf Augenhöhe, war barmherzig und nicht verurteilend. Er setzt sich für die Armen ein, kritisiert Pharisäer und übertritt Gebote zum Wohl der Menschen. Das Gesetz soll für die Menschen da sein und nicht die Menschen für das Gesetz.

Wir erleben in unserer Kirche oft Gegenteiliges.
Die Kirche schließt Menschen aus der Gemeinschaft und den Sakramenten aus. Sie hat oft Straftaten vertuscht, die Täter geschützt und tut sich immer noch schwer mit der Anerkennung der Opfer. Durch die Fixierung auf die Tradition und die Machthierarchien werden Frauen und Verheiratete zu den Weiheämtern nicht zugelassen und die Gläubigen oftmals für unmündig gehalten. Kirchliche Verlautbarungen zu Moral, Geschlechterrollen und Aufgabenteilung stehen manchmal in krassem Widerspruch zur Lehre und zur Lebenswelt der Gläubigen. Mangelnder Reformwillen bei Teilen der Kirchenleitung, mangelnder Mut zu konkreten Reformen und Schwerfälligkeit fügen der Kirche schweren Schaden zu. Dies macht viele Katholik*innen fassungslos. Die massive Zahl der Kirchenaustritte scheint nicht ernst genommen zu werden. Kirche verliert ihre Gestaltungskraft auf Menschen und Gesellschaft. Dabei sollte sie doch Beispiel geben und mit gutem Vorbild vorangehen.
Als aktive, engagierte Christen sind wir darüber bestürzt!

Wir wollen, dass Kirche lebt!
Die Glaubwürdigkeit von Kirche muss wiederhergestellt werden. In Demut muss wieder um Vertrauen geworben werden, damit nicht ständig noch mehr Menschen an der Kirche leiden und verzweifeln.
Der Christliche Glaube ist so wertvoll, gibt Trost und Halt. Kirche muss die Heimat für Christen und den christlichen Glauben bleiben. So viel Gutes entsteht auch daraus: Misereor Entwicklungshilfe, kirchliche Verbände, Telefonseelsorge, psychologische Beratungsstellen, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser. Wichtig ist auch der politische Einfluss des Papstes bei Friedensprozessen, für Barmherzigkeit gegenüber Geflüchteten, gegen kapitalistische Ausbeutung und für die Bewahrung der Schöpfung.
Wir sind dankbar und beten für alle, die sich für den Synodalen Prozess einsetzen, die in den vier Synodalforen um neue Regelungen ringen. Möge der Heilige Geist mit ihnen sein. Wir möchten die reformwilligen Bischöfe ermutigen. Die Basis hofft auf sie. Diese Chance muss genutzt werden! Deshalb solidarisieren wir uns mit den Reformbestrebungen.

Wir schließen uns den Forderungen der Initiative Maria 2.0 an.
Unsere Kirche soll gerecht, partizipativ, glaubwürdig, bunt, lebensnah, verantwortungsvoll und relevant sein Wir wollen, dass:
• Alle Menschen unabhängig vom Geschlecht Zugang zu den Weiheämtern bekommen.
• Niemand vom Segen ausgeschlossen wird.
• Das Pflichtzölibat abgeschafft wird.
• Die Sexualität von der Kirche als Wert zum Wohle des Menschen anerkannt wird.

Kirchentellinsfurt, den 14.04.2021, die Kirchengemeinderatsmitglieder

3 Gedanken zu „Resolution des Kirchengemeinderats zu Missständen in der Katholischen Kirche

  1. Danke, lieber Kirchengemeinderat. Ich unterstütze Eure Resolution ohne Einschränkung und bin stolz,
    Teil dieser Gemeinde sein zu dürfen, in welcher nach meiner Wahrnehmung der Geist der Achtsamkeit, des gegenseitigen Respekts und des Miteinanders auf Augenhöhe schon vielfach gelebte Realität sind.

  2. Ich schlisse mich an an die Stellung zur Situation der Kirche, und die Forderungen der Maria 2.0 Initiative. Es freut mich dass „unsere“ (auch wenn ich in Lima/Peru wohne) Pfarrei sich aussert in diesem Sinne.
    Eduardo Arens

  3. Sehr gut!! Was auch noch wichtig ist, sind sehr viele Priester, die laut einfordern, dass sie die Frauen, die zum Priesteramt berufen sind, als Kolleginnen unbedingt brauchen!

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