Über den Tellerrand geschaut – Ökumenisches aus Trochtelfingen (Teil 2)

Im Evangelium wurde das Bild von der Kirche als Leib Christi wieder aufgegriffen: Jesus als der wahre Weinstock, Gott als der Winzer, die Gläubigen als die Reben. Nur, wenn die Reben am Weinstock bleiben, können sie Frucht bringen, getrennt vom Weinstock können sie nichts vollbringen.

von Tanja Kury-Rilling

In der abwechselnd gehaltenen Dialogpredigt betonten Pfarrer Drescher und Pfarrer Roßbach ausgehend von der langen und oft belastenden Kirchengeschichte den gemeinsamen Willen zur Versöhnung und zum neuen Aufbruch.

Der Weg heraus aus dem, was trennt

Es gebe einen Weg heraus aus den Trennungen, es gebe Wege zur Überwindung der Trennungen. Der Schlüssel hierfür sei Christus, symbolisiert durch das aufgerichtete Kreuz. Dieser führe die Gläubigen zusammen. Das Reformationsgedenken solle ein neuer Anfang sein für einen Weg, der die Kirchen nicht mehr voneinander trenne, sondern zusammenführe. Deswegen sei ein Tag der Freude. Mitten in der Sommerzeit erführen wir Versöhnung und Freude über das gemeinsame Tragen des Namens Jesu Christi. Zugleich betonten sie die Aufgabe der Kirche, das Kreuz Christi zu verkünden, in dem unser Heil sei, und diese frohe Botschaft allen Menschen kundzutun. Dies könnten wir nur gemeinsam tun. Wunsch sei, sagen zu können: „Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander.“ So feiere man mit dem Christusfest den, um den allein es dem katholischen Theologieprofessor Martin Luther selbst gegangen sei: Christus. Die Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Zeugen Jesu Christi zu sein in dieser Welt, in der viele Menschen vom Evangelium nichts mehr wissen. Zu leben, wovon man spreche, zur Überwindung von Gewalt, für Wege der Versöhnung zwischen Menschen. Es wurde die provokante Frage aufgeworfen, ob etwas fehle, wenn Christus nicht verkündet werde in dieser Gesellschaft. Die klare Antwort lautet: „Ja!“ Die wesentliche Botschaft des Evangeliums sei die Verkündung eines Gottes, der sich in unendlicher Liebe verschenke und uns Wege der Heilung und Versöhnung zeige. Das Reformationsjahr sei eine Chance, Jesus Christus wieder neu in unserer Gesellschaft zur Sprache zu bringen. So wurden alle aufgefordert, sich gemeinsam zu verpflichten, die Kraft der Liebe Gottes im Leben zu bezeugen und selbst auszustrahlen, dann könnten wir die Gesellschaft erneuern. Es werde von den Kirchen erwartet, dass sie Hoffnung geben, und so sei dieser Tag ein Tag der Freude und der Hoffnung.

Ganz im Zeichen der gemeinsamen Wurzeln wurde sodann das Glaubensbekenntnis von Nicäa aus dem Jahre 325 nach Christus gebetet.

„Vom Konflikt zur Gemeinschaft“

Anschließend wurden die Gottesdienstbesucher aufgefordert, alles zu tun, dass die christliche Gemeinschaft wachsen kann. Hierzu wurden die folgenden fünf Imperative aus dem Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ [Studiendokument des Lutherischen Weltbunds und des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. Es wurde am 17. Juni 2013 während der Ratstagung des Lutherischen Weltbunds in Genf von Kardinal Kurt Koch und Generalsekretär Martin Junge der Öffentlichkeit vorgestellt.] verlesen als Leitlinien und jeweils eine Kerze entzündet.

Die fünf Imperative aus dem Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“

1. Katholiken und Evangelische sollen immer von der Perspektive der Einheit und nicht von der Perspektive der Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was sie gemeinsam haben, auch wenn es viel leichter ist, die Unterschiede zu sehen und zu erfahren.

2. Evangelische und Katholiken müssen sich selbst ständig durch die Begegnung mit dem Anderen und durch das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen.

3. Katholiken und Evangelische sollen sich erneut dazu verpflichten, die sichtbare Einheit zu suchen, sie sollen gemeinsam erarbeiten, welche konkreten Schritte das bedeutet, und sie sollen immer neu nach diesem Ziel streben.

4. Evangelische und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit wiederentdecken.

5. Katholiken und Evangelische sollen in der Verkündigung und im Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen.

Die kath. Kirchengemeinde Trochtelfingen verfügt über mehrere Kapellen, hier die Burgkapelle - 1724 eingeweiht

In den Fürbitten trugen katholische und evangelische Christen die Bitte nach Barmherzigkeit, Frieden, Gerechtigkeit, Schutz von Mensch und Schöpfung, Erbarmen, Versöhnung, Einheit in der Verschiedenheit und Gemeinschaft vor. Anschließend wurde das „Vater unser“ gebetet als das Gebet, das uns Jesus zu beten gelehrt hat und das keine Unterschiede zwischen evangelischen und katholischen Christen kennt.

Beschlossen wurde der Gottesdienst mit Dank an Gott und dem gemeinsamen Segen. Nicht fehlen durfte auch der Dank an die vielen Helfer, die diesen Gottesdienst und die ökumenische Kirchenhockete erst möglich gemacht haben.

Musikalisch begleitet und umrahmt wurde der Gottesdienst von der Stadtkapelle Trochtelfingen unter der Leitung ihres Dirigenten Christian Folberth, die neben der Begleitung der gemeinsam gesungenen Lieder auch mit stimmungsvollen Stücken und einfühlsamen Soli einen würdevollen musikalischen Rahmen bot.

Anschließend spielte die Stadtkapelle auch zum Frühschoppen auf. Die zahlreichen Gottesdienstbesucher und weitere Besucher konnten sich bei dem vielfältigen Mittagessensangebot stärken, das von Spanferkel mit Salat und Backhausbrot über Flamm-Lachs vom Rittervolk Trochtelfingen und eigens für dieses Fest kreierter Luther-Wurst bis zu den Klassikern Wurst und Pommes reichte. Ebenso waren mittelalterliche Lutherliköre sowie Kaffee und eine Fülle verschiedenster Kuchen im Angebot. Ferner wurden extra für diesen Tag im Backhaus in Steinhilben holzofenfrische Christus-Brotlaibe gebacken, die anschließend noch ofenwarm auf dem Christusfest erworben werden konnten, um mit dem Erlös weitere Projekte der ökumenischen Zusammenarbeit zu unterstützen.

Das Rittervolk Trochtelfingen zeigte einen Einblick in das mittelalterliche Leben zur Zeit Martin Luthers und für Kinder gab es diverse Angebote des Kinderkirchenteams. Nachmittags boten die Jugendkapellen aus dem ganzen Stadtgebiet musikalische Unterhaltung und es gab reichlich Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch. Die gut gefüllten Bänke zeigten, dass dieses Angebot gerne und rege genutzt wurde.

Auch weitere Kunst und Kultur durfte nicht fehlen: In der Christuskirche war ein großformatiges Gemälde des Steinhilber Malers und Künstlers Johann Hölz mit dem Titel „Franziskus-Martin-Kahn“ ausgestellt: Papst Franziskus und Martin Luther reichen sich die Hand. Was für ein großartiges Bild für gelebte Ökumene und die Einheit der Christen.

Kunst und Kultur in der Christuskirche: Großformatiges Gemälde des Steinhilber Malers und Künstlers Johann Hölz mit dem Titel „Franziskus-Martin-Kahn“

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