Adveniat 2016: Bedrohte Schöpfung – bedrohte Völker

Bild: Adveniat In: Pfarrbriefservice.de

Am ersten Adventssonntag, den 27. November 2016, fand im Münchener Dom der Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Weihnachtsaktion von Adveniat statt. Anwesend waren Gäste und Musik aus Lateinamerika.

von Rainer Degen

Bischof Kräutler aus Brasilien nahm kein Blatt vor den Mund: „Nationale und internationale Interessen diktieren die brutalste Vorgangsweise aller Zeiten mit verheerenden Folgen für Amazonien und die Welt. Wer profitiert an diesem Weltskandal, der wie ein Krebsgeschwür immer mehr Metastasen treibt?“ Dabei nennt er die Verantwortlichen beim Namen, es handelt sich um multinationale Konzerne. Er spricht uns in Europa direkt an, sich einzumischen. Denn die Zukunft der Erde werde auch am Amazonas entscheiden. Die bedrohte Schöpfung steht also im Mittelpunkt. in der Enzyklika Laudato si hat Papst Franziskus uns den Auftrag gegeben, „unser gemeinsames Haus zu schützen“ und „die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen“. Damit meint er, dass soziale und ökologische Verantwortung sich nicht trennen lässt.

Definition und Historie von Adveniat

Die Aktion Adveniat (Adveniat regnum tuum „Dein Reich komme“) ist das Hilfenetzwerk der katholischen Kirche Deutschlands für Lateinamerika. 1961 beschloss die Deutsche Bischofskonferenz, erstmals zum Weihnachtsfest eine besondere Kollekte „für die seelsorglichen Bedürfnisse in Lateinamerika“ zu machen. Begründet durch die vielen Notlagen der Menschen in Lateinamerika entschied die Deutsche Bischofskonferenz, in den folgenden Jahren diese Weihnachtskollekte zu wiederholen. 1969 wurde beschlossen, die Kollekte für Lateinamerika zu einer jährlich wiederkehrenden Aktion der katholischen Kirche Deutschland zu machen. Der Name: Bischöfliche Aktion Adveniat.

Was leistet Adveniat?

Adveniat fördert zur Zeit jährlich rund 2000 Projekte. Die im Geschäftsjahr 2014/2015 zugeflossenen Spenden summieren sich laut Geschäftsbericht auf stattliche  46.110.971,76 € (Gesamtertrag aus Spendenverbrauch des Geschäftsjahres 53.047.300,83€). Adveniat ist damit die europaweit größte Hilfsaktion für Lateinamerika. Seit der Gründung im Jahre 1961 haben die Menschen Adveniat mehr als 2,1 Milliarden Euro anvertraut. Der Fokus der Spendenverwendung liegt bei den Armen, Benachteiligten und Minderheiten. Initiiert und angestoßen werden die Projekte von den Priestern, Ordensleuten und auch von Laien vor Ort, die enge Kontakte zu den Menschen in den Elendsvierteln und auf dem Land pflegen.

Transparenz

Adveniat veröffentlicht jedes Jahr einen umfassenden Geschäftsbericht. Enthalten sind diverse Zahlen, die Einblick in die Finanzen geben. Das ist positiv zu bewerten. Beispielsweise erfährt der Leser die Summe der Ausgaben für Gehälter. das sind zum einen die Mitarbeiter in Deutschland aber auch Mitarbeiter vor Ort, die durch Durchführung der Projekte koordinieren. Der Anteil der Gehälter für die Mitarbeiter liegt bei ca. 10 % vom Spendenaufkommen. Das dürfte kein allzu schlechter Wert sein.
DZI Spendensiegel 2016: Ja.

Typische Projekte

(Quelle: Projektseite der Adveniat Webseite)

1.) Gut gerüstet ins Leben: Argentinien, Bildung

Für die Schule nicht mit Geld, sondern mit Agrarprodukten bezahlen – eine Seltenheit, die jedoch im argentinischen Andendorf Cafayate möglich gemacht wird. Dank der Unterstützung von Augustinnerinnen können so die Familien ihren Töchtern trotz Armut Bildung mit auf den Weg geben.

2. Die katholische Stimme Boliviens: Kommunikation und Medien

Viele Radiosender in Bolivien sind parteipolitisch gefärbt. Nicht so „Radio Juan XXIII“: der katholische Rundfunk will nicht politisch überzeugen, sondern den Menschen die Möglichkeit zur eigenen Mitgestaltung und Engagement geben.

3. Die Würde der Frau bewahren: Dominikanische Republik, Bildung

Spirituelle Begleitung, Aufklärung und Perspektiven für die Zukunft – für ehemalige Prostituierte in der Dominikanischen Republik sind diese Schritte die Basis für eine bessere Zukunft. Adveniat unterstützt deshalb die Arbeit jener Ordensschwestern, die sich der Betroffenen annehmen.

4. Einsatz für die am Rande: Kolumbien, Indigene

Condoto im Bezirk Chocó: dieser Teil Kolumbiens ist Heimat von nur wenigen Menschen. Neben einigen Indigenen leben dort auch eine Gruppe afrikanischstämmiger Kolumbianer. Eine Laien-Gruppe aus Medellín macht sich zweimal im Jahr auf den Weg dorthin. Das Ziel: Grundversorgung ermöglichen.

Fazit

Hier noch mal Kardinal Reinhard Marx beim Eröffnungsgottesdienst für die diesjährige Adveniat-Aktion in seiner Predigt: „Die Güter der Erde gehören uns allen, müssen allen zugutekommen und für alle bewahrt werden. Daran halten wir fest, auch in einer Zeit, in der Abgrenzung und das Nationale stärker zu werden scheinen“. Adveniat schafft ein Stück Gerechtigkeit.

(Adveniat Webseite)

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