Christi Himmelfahrt: „Ein Impuls für’s Leben“

So die einleitenden Worte von Pfarrer Tomas Begovic beim traditionellen Zusammentreffen der Gemeinde auf dem Schloss Einsiedel an Christi Himmelfahrt. Christi Himmelfahrt bedeutet in unserem christlichen Glauben die Heimkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Gefeiert wird Christi Himmelfahrt stets am 40. Tag nach Ostern. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag. Wie jedes Jahr kamen auch in diesem Jahr zahlreiche Christen zu diesem speziellen Ort auf den Berg, um dieses Fest zu erleben und zu feiern.

von Rainer Degen

An diesem besonderen Tag hat Pfarrer Tomas Begovic wie wir finden eine bemerkenswerte Predigt gehalten. Zum einen hat er Christi Himmelfahrt in unser Leben gerückt. Auf der anderen Seite aber auch klare politische Stellung bezogen. Aus diesem Grund hier noch mal die Predigt zum Nachlesen.

Alles ist eine Frage der Perspektive

„Ja, alles ist eine Frage der Perspektive. Nehmen wir eine Blume. Der Bauer wird die Blume anschauen und sagen: Hübsch. Aber sie taugt nicht für mich. Ein Mädchen würde sagen: Mit der Blume möchte ich meiner Mama eine Freude bereiten. Und ein Dichter würde die Blume anschauen und an jemanden denken, den er liebt und sagen: Sie ist so schön wie diese Blume. Es kommt also darauf an, welche Perspektive ich habe, wie ich etwas sehe. Und so ist das auch mit dem was an Christi Himmelfahrt geschieht. Da ist auf der einen Seite die Perspektive Jesu und auf der anderen Seite die der Jünger. Die Perspektive Jesus, bevor er seine Jünger nun also nach 40 Tagen verlässt und bevor die Wolke ihn versteckt, schaut er auf seine Jünger und denkt sich irgendwas was dabei. Was genau wissen wir nicht, aber auf jeden Fall hören wir so wie die sind, wird’s nicht viel. Die brauchen einen guten, einen heiligen Geist, damit überhaupt etwas wird aus dem. Vielleicht. Wir wissen es nicht. Auf jeden Fall verlässt er seine Jünger segnend und betend für sie.“

Pfarrer Tomas Begovic: "Alles eine Frage der Perspektive"

Die Jünger: Sie tun nichts, Sie warten

„Und die Perspektive der Jünger? Das sehe ich eigentlich zweifach. Die Jünger stehen da und schauen –  so heißt es – unverwandt zum Himmel. Und dann kommt die zweite Perspektive durch die beiden Männer im weißen Gewand, die Engel. Was steht ihr herum und schaut zum Himmel? Macht euch auf den Weg. Bleiben wir bei dem Ersten: Sie stehen da und schauen unverwandt zum Himmel. Die Meinung der Jünger: Wir warten jetzt bis Jesus wiederkommt. Sie tun nichts. Sie warten einfach. Und irgendwann wird er kommen und dann wird alles gut. Diese Haltung: Wir tun nichts, wir warten. Die gab es nicht nur damals. Der Hintergrund ist: Wir wollen nichts wagen, wir wollen lieber Sicherheit. Wir wissen, dass die Menschen heute – und das zeigt sich bei vielen Wahlen – Sicherheit wollen. Sie interessieren sich weder für Bildungsprogramme, noch für neue Straßen, noch für irgendwas so sehr wie für die Sicherheit. Klar. Wenn man Manchester gestern denkt. Verständlich! Aber was ist dann das Ergebnis, wenn man zu sehr nach Sicherheit schaut? Das ist eben das Ergebnis. Das es bei den Wahlen dann solche Ergebnisse gibt wie Trump, LePen oder AfD oder was auch immer. Ist das der Weg?“

Musikalische Begleitung: Elena Hertkorn an der Querflöte, Martina Hertkorn und Axel Durm am Saxofon sowie Vittorio Albano am Piano (nicht im Bild).

Wir sollen in seine Fußstapfen treten, wir sollen nun auch seinen Weg gehen

„Wenn wir also nur Sicherheit wollen und nicht loslassen können, weil diejenigen, die unverwandt zum Himmel schauen, Jesus noch nicht losgelassen haben. Das müssen wir aber. Weil er uns nicht verlässt, sondern uns etwas überträgt. Wir sollen in seine Fußstapfen treten, wir sollen nun auch seinen Weg gehen. Das, was er, was seine Sendung war, sollen wir uns zu Eigen machen. Das ist die andere Perspektive. Was steht ihr da und schaut zum Himmel. Nicht nur die Perspektive nach oben. Geht hin. Dann kommt eben zu der Vertikalen die Horizontale, wie beim Kreuz wenn man das so nimmt. Aber eine ganz, ganz wichtige Sache, dass wir das, was Jesus angefangen hat, fortführen und nicht stehenbleiben. Die Erde ist uns anvertraut, wendet euch der Erde zu. Nicht nur aber auch. Wendet euch der Erde zu und schaut wo könnt ihr dazu beitragen, dass es etwas von dem gibt was Jesus das Reich Gottes genannt hat. Wo die Menschen Achtung voreinander haben, wo die Menschen Gerechtigkeit erfahren, wo die Menschen in Lieben miteinander umgehen. Das ist es, wo die Sendung Jesu sich verwirklicht.“

Das Einsiedelfest: Gut besucht vor historischer Kulisse

Uns schickt der Himmel

„Die Kirche hat sich das zu Eigen gemacht. Beim 2. Vatikanischen Konzil kommen beide Perspektiven sehr gut zum Ausdruck. Das Kontemplative und das Aktive. Zum einen: Lumen gentium. Das Licht der Völker. Das ist die Kirche. Und dann kommt da noch ein zweites Schreiben: Gaudeum et spes. Freude und Hoffnung. Angst und Sorge um die Menschen, die an den Rand gedrängt sind. Um die soll man sich kümmern. Wie gesagt: wir sollten beide Perspektiven im Auge behalten. Sowohl die wo man zum Himmel schaut, was wir vielleicht mit dem Gebet verbinden als auch wo wir auf unsere Wege schauen. Auf welchem Weg bin ich? Was tut sich in meinem Leben?
Der BDKJ hat eine Aktion ins Leben gerufen schon vor vielen Jahren unter dem Motto: „72 Stunden Aktion“ oder „Uns schickt der Himmel“. Und dann sucht man sich irgendein Projekt aus, etwas Soziales oder wo man etwas verschönern will. Es gibt verschiedene Möglichkeiten etwas zu tun. Dieser Gedanke „Uns schickt der Himmel“ ist einfach schön. Und es wäre schön, wenn wir das Fest Christi Himmelfahrt so erleben, dass wir am Ende das Gespür dafür bekommen oder die Bereitschaft dazu zu sagen: Ich will mein Leben auch so gestalten, dass die anderen spüren, dass der Himmel mich schickt. Wäre das Leben da nicht schöner, wenn wir das einander spüren lassen? Versuchen wir es zunächst hier bei unserem Einsiedelfest.

Amen.“

Weitere Bilder vom Einsiedelfest beim Reutlinger Generalanzeiger: hier klicken

3 Gedanken zu „Christi Himmelfahrt: „Ein Impuls für’s Leben“

  1. Ich lege keinen Wert darauf dass man mein Bild zeigt, aber zumindest mal erwägen dass auch Albano musikalisch mitgewirkt hat.

    1. Lieber Vittorio, guter Punkt und tut uns Leid. Nobody is perfect. Wir hatten kein adäquates Foto von der kompletten Combo. Habe die Bildunterschrift ergänzt. Hoffe das passt so. Beste Grüße Rainer Degen.

  2. Vielen Dank für den schönen Beitrag mit Bildern- gerade, wenn man bei so einem schönen Feiertagsgottesdienst nicht dabei sein konnte, hat man so das Gefühl doch ein wenig dabei gewesen zu sein und fühlt sich auch auf die Distanz der Kirchengemeinde nah.

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