Das andere Lied im März – Wacht auf, ihr Christen

Wachet auf! Der Ruf kommt uns bekannt vor, er erinnert uns an das bekannte Lied, das wir im Advent gesungen haben und das von der freudigen Erwartung von Jesu Kommen singt. Und nun wird der selbe Ruf in der Fastenzeit gesungen. Gotteslob 779.

Von Michael Steibli

Doch das „Wachet auf!“ des Liedes, das wir heute singen, scheint in eine ganz andere Richtung zu gehen. Zunächst ruft es uns auf, uns aus unserer Trägheit zu erheben und unserem Heiland in ein neues Leben zu folgen. Eine schöne Verheißung, die Fastenzeit, eine Gnadenzeit, heißt es da. Aber dann kommt etwas, das uns zurückschrecken lässt, ja regelrecht verstört. „Er trägt sein Kreuz in Schmerz und Schmach, kommt folgen wir ihm willig nach“.

Das kommt, zumal in der heutigen Zeit, nicht gut. In Schmerz und Schmach sollen wir Jesus folgen und nicht nur das: „willig“ sollen wir das tun. Das geht uns vielleicht schwer über die Lippen. Manch einer fühlt sich vielleicht sogar daran erinnert, was so schwer an unserem Glauben scheint. Der Schmerz, das Leiden, das weckt düstere Gefühle. Wie sollen wir das verstehen?

Und während wir noch überlegen, gibt uns das der Text sofort das nächste Rätsel auf: „dann wird die Trauer schwinden“ heißt es da. Jesus folgen in Schmerz und Schmach, dann wird die Trauer schwinden? Ist das der Weg in das „neue Leben“, von dem in der ersten Strophe die Rede war?

Weg des Heils und der Befreiung

Wir wollen es nicht, aber Leid und Tod sind in der Welt allgegenwärtig. Das würden wir gerne auszublenden und wir schaffen uns eine Kultur, in der Leid und Tod uns möglichst nicht treffen sollen. Aber das ist nicht nur eine Illusion, sondern entkoppelt das Leid von dem Weg des Heils und der Befreiung, das es eigentlich ist. Das Leid, so lehrt uns die Bibel, entsteht durch die Trennung des Menschen von Gott. Wir erinnern uns an die Schöpfungsgeschichte: Adam und Eva, verführt von der Schlange, essen vom verbotenen Baum der Erkenntnis und werden von Gott getrennt.

Durch Leid und Tod zum Heil gelangen

Leid und Tod kommen in die Welt. Wir können ihm nicht ausweichen, aber wir können das Leid überwinden, oder sogar durch Leid und Tod erst zum Heil gelangen. Wie Jesus, der uns vorausgegangen ist, in ein neues Leben, wie es in der ersten Strophe heißt.
Durch Leid und Tod zum Heil? Das ist ein großes Geheimnis, das wir nie zur Gänze begreifen können. Aber wir müssen es auch nicht begreifen, wir können es annehmen, ohne daran zu verzweifeln, im Gegenteil. Wir können es als Weg der Befreiung begreifen. Und das Lied erweist sich als echter Mutmacher. Was hast du Angst? „Er geht ja mit, bleibt immer da. Er selber trägt nach Golgotha all unsere Last und Sünde“. Hier wird unser Last gekreuzigt und wir werden frei. Das ist das neue Leben, nicht die Hülle aus Last und Sünde.

Das wäre schön. Und wie geht das? Die dritte Strophe kommt zunächst scheinbar mit erhobenem Zeigefinger daher. Wer nicht auf Jesus hört, darf sich nicht sein Jünger nennen. Aber wir sind es schon gewohnt. Das ist es nicht, was uns der Text sagen will. Zu Christus uns bekennen ist die Aufforderung, der wir uns voll Vertrauen und Hingabe anschließen können.
Die Melodie ist einfach, klar und unterstreicht, dass das schwere Thema leicht ist und am Ende des scheinbar schweren Weges die Freiheit und Heiterkeit unseres Heils wartet, in der „alle Trauer schwindet“.
Wacht auf ihr Christen, seid bereit in dieser heil‘gen Gnadenzeit!

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