Das neue Lied für die Osterzeit 2019

Die ersten beiden Worte bringen das „Andere Lied“ zur Osterzeit auf einen Nenner: „Jesus lebt“! Kürzer lässt sich die christliche Osterbotschaft nicht formulieren. Und die zweite Satzhälfte zeigt die Bedeutung für uns auf: „… mit ihm auch ich!“

Von Thomas Münch

Alle weiteren Worte variieren diese „Kurzformel des österlichen Glaubens“, die poetisch eingespannt ist in „Jesus“ und „ich“. Dahinter stehen Bibelworte wie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ (Hiob 19,25) oder Jesu Verheißung in den Abschiedsreden des Johannes-evangeliums „ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Joh 14,19b).

Aus dem Gotteslob, Nr. 336

Der Dichter dieses Liedes, Christian Fürchtegott Gellert, stammt aus einem protestantischen Pfarrhaus im sächsischen Erzgebirge und lebte von 1715–1769. Nach seinem Theologiestudium lehrte er als Professor in Leipzig über Philosophie, Dichtkunst, Beredsamkeit und Moral. Gellert entfaltete darüber hinaus mit seinen Fabeln eine große Wirkung als populärer Schriftsteller. Sein bekanntestes Gedicht ist wohl „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“, das Ludwig van Beethoven als Klavierlied vertonte.
Der Botschaft „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ entspricht von Anfang an ein Klang. Es ist der Quartsprung f-b mit signalhaftem Rhythmus und der Betonung auf „lebt“, der sich durch das gesamte Lied zieht: Er erklingt nochmals im zweiten sowie im vierten/fünften Takt. Die Worte „Er verklärt mich in sein Licht“ (Takt 9/10) sind von der Quart gleichsam gerahmt, und der vorletzte Takt schließlich beschreibt nochmals das gleiche wichtige Intervall, nun aber vom oberen Ton ausgehend.
Die Melodie stammt von Albert Höfer, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Priester und Musiker im Bistum Augsburg gewirkt hat. Das Gesangbuch „Laudate“, an dem er maßgeblich mitgewirkt hat, war bis zum „Gotteslob“ von 1975 in Gebrauch.
Das Lied entfaltet Bilder von Jesus: Er ist der von Gott Auferweckte (1), ist der Herrscher der Welt (2), der Überwinder allen Leidens (3) und der Tröster in der Todesnot (4). In jedes dieser Bilder sind die Betrachter gleichsam mit hineingemalt. Der Glaubende hofft auf seine Auferstehung und Verklärung (1), er nimmt teil an Christi Herrschaft (2), hält unverbrüchlich zu Jesus (3) und ruft Jesus im Leben wie im Tod als Tröster an (4).
Zweimal wechselt Gellert von der Aussage zur direkten Anrede. Gleich die zweite Zeile: „Tod, wo sind nun deine Schrecken?“ ist inspiriert vom ersten Korintherbrief: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,54). Dieser Triumph über den Tod taucht auch in Georg Friedrich Händels „Messias“ und beinahe triumphierend im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms auf.
Wichtiger noch wirkt das Stoßgebet am Schluss des Liedes: „Herr, Herr, meine Zuversicht!“, das die Schlusszeile jeder Strophe „dies ist meine Zuversicht“ intensiviert.

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