Was trennt uns noch am Tisch des Herrn?

Ökumene und Abendmahl

Die Erstveröffentlichung dieses Artikels war im Osterbrief der Evangelischen Kirche Kusterdingen zu lesen. Pfarrerin Susanne Fleischer fragte bei uns an, ob wir uns vorstellen könnten, solch einen Beitrag zum Gemeindebrief zu schreiben? Thema wäre, so schrieb sie, in etwa: „Was trennt uns noch am Tisch des Herrn? Ökumene und Abendmahl“. Nun beschäftigt uns das Thema ja auch schon mehrfach, so dass wir gleich zugesagt haben. Für uns ist das auch Ausdruck einer konstruktiven Ökumene.

Von Gerlinde Münch und Rainer Degen

Die Bereitschaft zum ökumenischen Miteinander ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Dies zeigt sich bei ökumenischen Gottesdiensten oder bei Kirchen- und Katholikentagen. Man geht offen miteinander um und genießt die Gemeinsamkeiten, die man zusammen leben kann und darf. Dabei werden aber nach wie vor Grenzen erfahren.

Der gemeinsame Kommunionempfang – noch ein Baustelle

„Ich werde nie vergessen, wie befremdend es für mich war, als ich 2004 beim Katholikentag den Eröffnungsgottesdienst auf dem Münsterplatz in Ulm erlebte und Frau Käßmann, die als Ehrengast mit auf der Tribüne saß, nicht zur Kommunion gehen konnte oder durfte“, so Gerlinde Münch. Ein Gefühl von Demütigung und Ausschließen aus der Gemeinschaft der Christen stellte sich ein. Auch der Ravensburger Kommunionstreit jüngst hat wieder gezeigt, dass es nach Zusagen wieder zu Rücknahmen kommen kann. Trotz vieler Ansätze scheiden sich nach wie vor die Geister beim Verständnis des Amtes, dies aber besonders beim Abendmahl und bei der Eucharistiefeier. Auch uns Katholiken ist es im Gegenzug ebenso nicht gestattet, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen.

„Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur“

Die Deutsche Bischofskonferenz hat zwischenzeitlich einen Mehrheitsbeschluss gefasst, welcher evangelischen Ehepartnern die Teilnahme am Abendmahl offiziell ermöglichen sollte. Damit wollten die Bischöfe eine landauf landab bereits geübte Praxis legitimieren und den Geistlichen in den Gemeinden Sicherheit geben. Das Credo: „Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur“.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart setzte das veröffentlichte Papier zum Kommunionsempfang in konfessionsverbindenden Ehen in Kraft. Die Voraussetzung zur Teilnahme an der Eucharistiefeier ist ein Gespräch mit dem zuständigen Pfarrer, der verdeutlicht, was Eucharistiefeier im katholischen Verständnis bedeutet– nämlich die Wandlung der Hostien in den Leib Christi und des Weines in das Blut Christi. Ja, das ist zwar kein einfacher Weg, aber es ist immerhin ein Weg.

Fazit: Es geht vorwärts, wenn auch nur in kleinen Schritten

Was trennt also vom gemeinsamen Mahl am Tisch des Herrn? Eigentlich nicht viel. Aus Sicht der Basis in unseren Kirchen ist die Realität nämlich schon einen Schritt weiter. Unter dem Radarschirm gibt es den gemeinsamen Kommunionempfang schon. Aber eben nicht offiziell. Gerade in diesem essentiellen Punkt des gemeinsamen Kommunionempfangs kommt man in der Kirchenführung beider Kirchen nicht so recht voran. Es fehlt wohl nach wie vor an einer Vision, was man am Ende wirklich will. Welche wie auch immer geartete Kircheneinheit soll denn am Ende eines solchen Prozesses stehen? Unterwirft sich die eine Fraktion der anderen? Oder reicht es uns, die Zahl der ökumenischen Gottesdienste zu verdoppeln aber ansonsten auf kontrolliertem, sicherem Abstand zu bleiben?
Wenn Jesus auf die Welt käme, würde er über den Streit bei Abendmahl und Eucharistiefeier in unserer Kirche bestimmt nicht erfreut sein. Denn am Ende glauben wir doch an denselben Gott und an denselben Jesus.

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