Einer geht noch …! Literaturgottesdienste in Reutlingen

Jedes Jahr im Februar ist in der Katharinenkirche in Reutlingen Literaturgottesdienst angesagt. Dort finden sich hunderte von Menschen an vier Sonntagen ein, um  Ausschnitte aus besonderen Büchern zu hören und deren Interpretation zu lauschen. 

Katharinenkirche mit Blick zum Altar

„Spuren des Wortes IX“

Die Überschrift signalisiert uns schon, dass die Literaturgottesdienste zum neunten mal in Folge stattfanden. Die Pfarrerin, Frau Ursula Heller, ist verantwortlich für dieses wunderbare Event. Eingeladen sind als Sprecher Schauspieler vom Theater Reutlingen Die Tonne und Referentinnen und Referenten, die die Texte interpretieren.

Von Gerlinde Münch

Untermalt werden die Vorträge durch musikalische Einlagen. Insgesamt dauert jeder Gottesdienst zwei Stunden. Und da zwischendurch auch die Besucherinnen und Besucher moderne Kirchenlieder singen dürfen, ist es keine Minute langweilig. Von solch gefüllten Kirchen können viele Pfarrer nur träumen. Anscheinend wurde hier ein Nerv der Zeit getroffen.

Nun zur Literatur

  1. Literaturgottesdienst

    Am 3. Februar 2019 um 11:15 Uhr wurde das Buch „Wir werden erwartet“ von Ulla Hahn vorgestellt.

    Dabei geht es um einen autobiografisch geprägten Romanzyklus, der die 1968er Jahre lebendig werden lässt. Hilla Halm wurde 1945 als Arbeiterkind in der Nähe von Köln geboren und studierte Germanistik. Die Welt der Worte bedeuten ihr sehr viel. Mit Hugo trifft sie einen Mann, der sie liebt und es scheint ihnen die Welt offen zu stehen. Doch plötzlich steht sie allein da. Nach langer Zeit der Trauer zieht sie nach Hamburg und versucht für eine friedlichere und gerechtere Welt zu kämpfen und schließt sich der DKP an.

    Interpretation: Gemeindepfarrerin i.R. Sibylle Biermann-Rau
    Orgel: Werner Walz

  2.  Literaturgottesdienst

    Am 10. Februar 2019 wurde das Buch „Café Mandelplatz“ von Christina Brudereck vorgestellt.

    Es geht um die junge Frau Miriam, Mirma genannt, die mit ihren Eltern vor dem Nationalsozialismus in Deutschland nach Johannesburg in Südafrika geflohen ist. Dort lebt sie 1960 in ihrem Café Mandelplatz. Ihr Mann Ezer und ihre zuverlässige Mitarbeiterin Zanele unterstützen sie bei der Arbeit.
    Der Roman erzählt von der Auseinandersetzung zwischen Müttern und Töchtern, von Liebe, die Grenzen von Hautfarbe und Kultur überwindet und von der grausamen Apartheidpolitik in einem zerrissenen Land. Dort arbeitet Mirma im Untergrund und widersetzt sich der Willkür und Ungerechtigkeit.

    Interpredation: Pfarrerin Kornelia Schauf, die 10 Jahre Pfarrerin in Südafrika war
    Musik: Orgel – Werner Walz, Klezmermusik – Hans Hebart, Ursula Heller und Matthias Kircher

  3. Literaturgottesdienst

    Am 17. Februar 2019 wurde das Buch „Das Feld“  von Robert Seethaler vorgestellt.

    Der Roman beginnt auf einem Friedhof, wo ein alter Mann jeden Tag auf einer Bank sitzt und überlegt was die Toten ihm erzählen würden, wenn sie mit ihm sprechen könnten. Auf dem Weg nach Hause beginnen die Toten dann zu reden. Es sind Menschen, wie sie in einem Dorf wiederzufinden sind. Gemüsehändler, Lehrer, Schuhverkäufer, Metzger, Bäcker, die von ihrem Leben erzählen. Es entstehen skurrile Situationen, die nicht selten komisch erscheinen, aber trotzdem nicht lächerlich wirken. Und manchmal unterhalten sich die Personen auch miteinander.

    Interpretation: Christoph Zügel, Pfarrer in der Mauritiuskirche Betzingen
    Orgel: Werner Walz

  4. Literaturgottesdienst

    Am 24. Februar wurde der Jugendroman „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren vorgestellt.

    Dieses Buch erzählt aus der Perspektive des kleinen Karl Löwe, von den Abenteuern, die er mit seinem älteren Bruder Jonathan in einem fantastischen Land namens Nangijala erlebt. Karl ist sehr krank und wird bald sterben. Damit er die Angst vor dem Tod verliert, erzählt ihm sein älterer Bruder, Jonathan, Geschichten aus einer Traumwelt. Dort erleben die Brüder Abenteuer und retten die Menschen vor dem gefürchteten Herrscher Tengil. Dies ist eine Mutmachgeschichte und ein Trostbuch, das von einer großen brüderlichen Liebe erzählt.

    Interpretin: Pfarrerin Ursula Heller, Katharinenkirche seit 1997
    Musik: Orgel – Veit Erdmann, Flöte – Birgit Lauw-Zenker

Literaturgottesdienst im März

Eigentlich fällt dieser Termin total aus dem Rahmen. Bisher gab es die Literaturgottesdienste nur im Februar. Aber da die Nachfrage so groß war, entschied sich die Kirchengemeinde der Katharinenkirche, noch einen Literaturgottesdienst nachzulegen.

Und so wurde am 17. März 2019 die Geschichte von „Hananias und Saphira“, geschrieben von Christa Hagmeyer, vorgelesen.

In der Apostelgeschichte von Lukas wird erzählt, dass sich ein Ehepaar nicht dem ungeschriebenen Gesetz unterwerfen wollte, auf Güter zu verzichten. Als Petrus sie der Lüge bezichtigte, fielen sie vor den Augen der Gemeinde tot um.
Was hat diese Geschichte nun mit der heutigen Zeit zu tun. Für Christa Hagmeyer ist sie ein Beispiel für den Zusammenhang von Utopien, Zwängen und Sozialkontrolle, von Macht, Hörigkeit und Eigennutz.

Sprechende: Christa Hagmeyer und Dieter Groß
Liturgie: Pfarrerin Ursula Heller
Musik: Orgel – Veit Erdmann, Flöte – Birgit Lauw-Zenker

Literaturgottesdienste 2020?

Ursula Heller hat versprochen, dass es auch nächstes Jahr wieder Literaturgottesdienste geben wird. Darauf können wir uns schon sehr freuen. Es ist jedes mal wieder ein Erlebnis, in der wunderschön gestalteten Kirche zu sitzen und der Literatur zu lauschen. Wenn auch Sie gerne an diesen Gottesdiensten teilnehmen wollen, schauen Sie im Februar 2020 in unseren Veranstaltungskalender. Dort werden Sie die Termine erfahren.

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