Elf, die es wissen müssen …

.. denn Sie sind seit 50 Jahren katholische Priester.

„Eine Kirche, die nicht nah an den Menschen ist, ist keine Kirche ( ….. )“  sagte Papst Franziskus in einem Interview, das er im Januar in Spanien gegeben hatte. Und weiter:  „Das Kennzeichen der Kirche ist ihre Nähe. Wir alle sind Kirche. Daher ist das Problem, das wir vermeiden sollten, diese Nähe zu brechen.“

Wie aber sieht die Gegenwart in unserer Kirche aus? Seit vielen Jahren werden neue Gemeindestrategien und Pastoralpläne entwickelt und die Seelsorgeeinheiten werden immer größer. Die Leitung obliegt nach wie vor den Priestern.

von Gerlinde Münch

Offener Brief zum Zustand der Kirche

Elf Priester des Kölner Weihejahrgangs 1967 schrieben in einem offenen Brief zum Zustand der Kirche und des Priesterberufs. „Wir brauchen jetzt ein Umdenken in der Pastoralplanung. Das bisherige System haben die Kirchenleitungen vor unseren Augen zusammenbrechen lassen. Großpfarreien sind in jeder Hinsicht eine Zumutung: Die zunehmende Anonymisierung und Vereinzelung in der Gesellschaft werden dann auch kirchlich noch gefördert, anstatt dem entgegen zu wirken. Kirche muss vor Ort zu finden und zu sprechen sein.“ Diese Priester waren während ihres Studiums begeistert von der Aufbruchsstimmung in der katholischen Kirche, die mit Papst Johannes XXIII und durch das 2. Vatikanische Konzil viel Hoffnung machte. In ihrem Brief schreiben sie weiter: „Leider nahmen später bei Kirchenmännern in Rom und auch im Kölner Bistum die Ängste zu. Eine Art von Bunkermentalität sollte den Glauben sichern. Und wer hat da gerufen: Fürchtet euch nicht?“ Sie teilen weiter mit: „Wir mussten lernen, mit manchen Enttäuschungen unseren Weg zu gehen. Dabei gaben uns die Gemeinden am Ort oft die Kraft, den Mut nicht zu verlieren.“

Aber auch die Gemeinden selbst müssen Änderungen gegenüber aufgeschlossen sein. Gemeinde sei kein Selbstzweck sondern orientiere sich an den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Menschen, die die Gemeinde mit Leben füllen. Dabei sollten mehr Kompetenzen von Seiten der Kirchenleitung an engagierte Laiinnen und Laien abgegeben werden.

"Unser christliches Gesicht zeigen ..."

Die elf Priester geben uns allen einen Appell mit auf den Weg.
Wir lassen in unserer Gesellschaft, in Kultur, Politik und Wirtschaft viel zu wenig merken von der Kraft, die von Jesus Christus ausgehen könnte. Viele Christen schweigen, anstatt offen und klar für ihren Glauben einzutreten. Zur Auseinandersetzung mit den Muslimen in unserem Land appellieren sie an uns, unser christliches Gesicht zu zeigen und den Dialog zu suchen, damit der Geist der Bibel dem Geist des Koran begegnet und dadurch eine konstruktive Auseinandersetzung erst möglich wird.

„… wenn draußen so viele Menschen auf das Evangelium warten.“

Die Beobachtungen der Kölner Priester sind auch in unserer Diözese nicht unbekannt: Leerer werdende Kirchen, kaum noch junge Menschen und Familien außerhalb der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, immer weniger aktive Teilnahme am Gemeindeleben. Dabei haben wir einen Schatz, den wir den Menschen nicht vorenthalten dürfen: „Wir können uns nicht auf unsere Pfarreien und Gemeinschaften zurückziehen, wenn draußen so viele Menschen auf das Evangelium warten,“ so Papst Franziskus. Es gilt also zu analysieren, wo es hakt, welche (geistlichen) Bedürfnisse die Menschen um uns herum haben und unsere Kirche so zu gestalten, dass sie für die Menschen als hilfreiche Gemeinschaft erfahren wird. Mit dem Ansatz „Kirche am Ort“ ist schon mal ein vielversprechender Anfang gemacht. Auch unsere Homepage ist etwas, wo die Gemeinde sich findet und spirituelle Impulse erhält.

Hier die Namen der elf Priester, die den offenen Brief verfassten: Wolfgang Bretschneider, Hans Otto Bussalb, Gerhard Dane, Franz Decker, Günter Fessler, Willi Hoffsümmer, Winfried Jansen, Fritz Reinery, Josef Ring, Josef Rottländer und Heinz Schmidt

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