Leben teilen – das war der 102. Katholikentag

Der 102. Katholikentag hat am Sonntag, 29. Mai geendet. Die Tage in Stuttgart hinterlassen unterschiedliche Gefühle und Eindrücke bei Veranstaltern, Besucher*innen, Gastegebern und Journalisten. Bei der Abschluss-Pressekonferenz in Stuttgart zogen die Veranstalter eine vorläufige postitive Bilanz. Journalist*innen sehen auch Kritisches am 102. Katholikentag und Gemeindemitglieder aus der Kirchengemeinde Christus König des Friedens ziehen ein je eigenes Fazit aus den Tagen in Stuttgart.

von Eva Schlegel

Eröffnung des 102. Deutschen Katholikentags. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Diözese Rottenburg-Stuttgart / Caroline Czaplik

Britta Baas, Pressesprecherin des ZdK und der Katholikentage schreibt in ihrem Artikel auf der Homepage der Diözese Rottenburg-Stuttgart:

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter und die gastgebende Diözese Rottenburg-Stuttgart haben am Samstagmittag eine positive Bilanz des 102. Deutschen Katholikentags in Stuttgart gezogen. Das Großereignis sei ein „Herantasten an Wiederbegegnung und ein Befreiungsgefühl nach langer Zeit des beeinträchtigten Lebens“ gewesen, vor allem aber ein „Spiegel des Ist-Zustandes der Gesellschaft und der Kirche“, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp.
Man habe es mit einer Gesellschaft auf der Suche nach ihrem gemeinsamen Zentrum zu tun und mit einer Kirche, die herausgefordert sei durch ihre eigene Krise in einer Zeitwende. (Vgl. der ganze Artikel unter www.drs.de)

Der Eröffnungsgottesdienst an Christi Himmelfahrt - der Martinsmantel Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Tobias Döpker

Felix Neumann schreibt auf katholisch.de:

Zahlen von Veranstaltungen wie Gespräche mit Teilnehmern und Mitwirkenden ließen eine gewisse Kluft zwischen Katholikentag „von oben“ und „von unten“ offenbar werden: Katholikentag „von oben“ das heißt große Podien zu großen Themen mit großen Namen und dem Anspruch auf Weltdeutung. Konterkariert wurde dieser Anspruch nicht nur durch die vor Samstag nur sehr mäßige Füllung der großen Hallen, sondern auch durch die Abwesenheit von Politprominenz: Der Kanzler erschien pflichtschuldig, aber nur kurz, CDU-Spitzenpolitiker vermisste man trotz vieler Anfragen ganz. Katholikentag „von unten“ heißt Spiritualität und Praxis. Gerade aus dem Familien- und Regenbogenzentrum hörte man von Organisatoren wie von Teilnehmenden begeisterte Berichte: Werkstätten zu Themen wie Paarkommunikation waren gut besucht und teils sogar – wie zu besten Zeiten – überfüllt, die Taizé-Gebetsnacht wieder ein Erfolg, Neues Geistliches Liedgut und Kirchenkabarett zogen Massen an: Schon ästhetisch zeigt sich an diesen Beobachtungen die Kluft zwischen dem intellektuell-politischen Katholikentag „von oben“ und dem Geschmack und den Bedürfnissen der breiten Mitte der Basis. (Vgl. der ganze Artikel unter www.katholisch.de)

Der große Abschlussgottesdienst am Sonntag Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Die Erfahrungen einiger Kirchengemeindemitglieder, die auf dem Katholikentag waren:

„Zunächst möchte ich die gute Stimmung der Teilnehmer, mit denen wir in Kontakt waren,
hervorheben. Interessant waren die attraktiven Stände der deutschen Bistümer im Stadtgarten.
Eindrücklich die Busrundfahrt zu den Stätten jüdischen Lebens in Stuttgart.“ (Johannes, 63)

„Für mich war der Katholikentag eine gute Möglichkeit viele alte Freunde und Bekannte zu treffen. So habe ich keinen Programmpunkt wahrgenommen, aber viele tolle Begegnungen gehabt. Sogar meine Eltern kamen, um die Katholikentagsluft zu schnuppern. Unsere Kinder hatten besonders viel Freunde am Zirkuszelt der Salesianer und dem Kinderprogramm an der Hohen Straße. So waren am Ende des Tages alle zufrieden. Es war ein sehr schöner Tag.“ (Martin, 42)

„Der Workshop „Beten mit Händen“ am Freitagnachmittag entpuppte sich als Einblick in die „Atelierkirche“ und ließ mich staunen: So viel Kreativität, Spiel und Kunst im Kirchenraum. Wunderbar! Das Konzert der „Alten Bekannten“ am Freitagabend auf dem Schlossplatz machte sehr gute Laune und viel Spaß! :)“ (Birgit, 51)

„Es war wie ein großes Klassentreffen. Nach so langer Zeit wieder mal viele Bekannte zu treffen, die in Kirchens unterwegs sind. Aufsaugen, dass alles, was in den letzten beiden Jahren meistens digital war auch „real“ ist, wie #OutInChurch oder der Synodale Weg.“ (Eva, 34)

„Auf dem Kirchentag habe ich zahlreiche Impulse für Vielfalt, Aufbruch und Erneuerung erlebt und habe die Hoffnung in mir, dass diese Projekte von all diesen engagierten Menschen auch wirklich zu einem Umdenken und einer Erneuerung der Kirche führen. “ (Julia, 48)

„Das Wetter war super und wir haben die Stände vor dem Schloss besucht. Die Veranstalter haben mit sehr viel Mühe, interessant gestaltete Informationen rüber gebracht. Die Stimmung war recht fröhlich, allerdings waren erstaunlich wenig Menschen unterwegs. So kennt man die Katholikentage eigentlich nicht. Später waren wir beim Mozart-Requiem auf moderne Art. Das war unser HighLight. Das Mozart-Requiem wurde im Original von einem Chor gesungen und zwischendrinn rezitierte ein Schauspieler und die Musiker haben mit ihren Instrumenten die Stimmung wiedergegeben. Das war Gänsehaut-Feeling. Abends besuchten wir noch einen Beitrag des Teams von „Andere Zeiten“. Sie zeigten schauspielerisch und mit einem kleinen Film, Beispiele zum Leitwort des Katholikentags, „leben teilen“.“ (Gerlinde, 66)

Freund*innen treffen auf dem Katholikentag. Die Stimmung aufsaugen. Im Hintergrund SingerSongWriter Johannes Fuchs.

Zusammenfassend

Trotz geringerer Teilnehmendenzahl, die vermutlich verschiedene Gründe hat, nicht zu letzt die schlechte Publicity, die die katholische Kirche in den letzten Jahren zunehmend genießt, war der 102. Katholikentag für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit denen ich Kontakt hatte, ein gelungenes Erlebnis. Nichts desto trotz muss die Art und Weise solch eines großen Events auf den Prüfstand.

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