Maria 2.0 – so geht´s weiter

 

Seit Jahren rumort es in den Reihen der Frauen in der katholischen Kirche, die sich mit ihrer von Männern dominierten Kirche nicht mehr abfinden wollen. Gerade Frauen, die aus dem innersten Kreis unserer Kirche kommen und meist in ehrenamtliche Aufgaben eingebunden sind, wollen ihre Kirche verändern. Angestoßen wurde der Prozess Maria 2.0 von Frauen aus Münster. In der Zwischenzeit beteiligen sich bundesweit viele Menschen, die den Neuerungsprozess voranbringen wollen.

Von Gerlinde Münch

Elisabeth Kötter, eine der Initiatorinnen,  hat am Freitag, den 25.10.2019, dem Nuntius des Papstes, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, in der Botschaft des Vatikans in Berlin einen Brief für Papst Franziskus mit insgesamt über 42.000 Unterschriften übergeben.

Was ist das Anliegen dieser Frauen?

Sie erwarten, dass es in der römisch-katholischen Kirche eine echte Erneuerung gibt. Dazu gehört:

–        kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder   vertuscht haben
–        die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden
–        in einem Staat, in dem Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert ist, den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche
–        die Aufhebung des Pflichtzölibats
–        eine kirchliche Sexualmoral, die an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausgerichtet ist

Ein Adventskranz der anderen Art

Auch in unserer Gemeinde soll in diesem Jahr auf die Missstände in der katholischen Kirche hingewiesen werden. Damit es ganz offensichtlich wird, dass die Hälfte der Mitglieder der katholischen Kirche Frauen sind, werden dieses Jahr die Adventskränze in allen drei Kirchen etwas anders gestaltet sein. Sie werden zur einen Hälfte rote Kerzen mit roten Schleifen und zur anderen weiße Kerzen mit weißen Schleifen haben. Da weiße Kleidung ein Markenzeichen für die Frauen von Maria 2.0 ist, stehen die weißen Kerzen für die Hälfte der Katholiken, nämlich den Katholikinnen.
Damit wollen wir ausdrücken, dass wir uns nicht mehr mit Reden zufriedengeben, um dann doch wieder vertröstet zu werden, weil Rom oder einer der deutschen konservativen Bischöfe eine Gesetzesänderung für unmöglich erachtet.
Ganz dringlich sehen wir das Diakonat der Frauen. Obwohl unser Bischof, Gebhard Fürst, schon vor langer Zeit versprach, sich dafür einzusetzen, tut sich auch in diese Richtung nichts.

Das läuft in Reutlingen

Am Sonntag, dem 1. Dezember (erster Advent), treffen sich Frauen um 18 Uhr am Christbaum auf dem Marktplatz in Reutlingen. Aufgerufen dazu hat die Katholische Fraueninitiative Maria 2.0 Reutlingen. Während das Lied „Wachet auf“ gesunden wird, geht es in einer Prozession in die Citykirche zu einer kleinen Andacht. Zum Abschluss gibt es die Möglichkeit, sich in eine Liste einzutragen, wenn das Interesse besteht, über weitere Aktionen informiert zu werden. Außerdem haben Sie bei Punsch und Knabbereien die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Es lohnt sich also in jedem Fall zu kommen!

2 Gedanken zu „Maria 2.0 – so geht´s weiter

  1. Ich unterstütze Maria 2.0 aus ganzem Herzen! Ich finde es einen Jammer, wie Kirche ihre Glaubwürdigkeit verspielt, dem von Jesus Vorgelebten z.T nicht konsequent folgt…
    – Liebe zu und Schutz von Kindern
    – Wertschätzung von Frauen über das gesellschaftlich Übliche hinaus, bis hin zum Erscheinen als Auferstandenem und dem Verkündigungsauftrag zuerst an eine Frau
    – „gebt dem König/ Staat, was des Königs ist“, das gilt für Steuern aber meiner Ansicht nach auch für die staatliche Aufgabe der Strafverfolgung.
    – und zum Argument “ Tradition“: Jesus hat alle Traditionen, die hohle Regeln und Gesetze waren und nicht den Menschen dienten angeprangert und übertreten!
    Ich hoffe auf den Heiligen Geist und den Mut und die Beharrlichkeit derer, die etwas verändern wollen.

  2. Kirchliche Nachrichten
    Mit Freude habe ich Ihre Ausführungen „Anliegen dieser Frauen“ gelesen. Diese Forderungen finden meine ungeteilte Zustimmung. Es darf nicht sein, dass die kath. Kirche Strafvereitelung betreibt. Mit welchem Gebot schützt die Kirche Amtspersonen, die Täter sind.
    Die Öffnung der Kirche für Frauen in allen Ämtern geht viel zu langsam voran. Wenn nicht Druck aus den Gemeinden kommt, wird es noch viel zu lange dauern. Die staatliche Gleichstellung der Frau ist ein gutes Argument.
    Danke für Ihre regelmäßigen Informationen und erfolgreiches Handeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.