Lied der Monate November und Dezember 2019

 

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns – Gotteslob Nr. 846

Jede und jeder von uns kennt das Gefühl der Sehnsucht – nach Gesundheit, nach einem erfüllten und glücklichen Leben oder das Sehnen nach Anerkennung, nach Freiheit und Geborgenheit. Sehnsucht ist eine starke Antriebskraft des Menschen, sie lässt uns immer wieder neue Aufbrüche wagen.

Von Birgit Espey

Um Gottes-Sehnsucht geht es in unserem neuen Monatslied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“. Von Augustinus wird diese Sehnsucht auch „heilige Unruhe“ genannt; sie ist etwas zutiefst Menschliches, wenngleich sie auch immer wieder überdeckt wird.
Das Original stammt von der britischen Komponistin Anne Quigley („There is a longing in our hearts”). Der evangelische Pastor Eugen Eckert, Gründer und Leiter der Musikgruppe Habakuk, übersetzte den englischen Text in freier Form ins Deutsche.
Im zweiten Teil des Refraintextes heißt es: „Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst“. Diese Worte erinnern an die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4). In ihrem Gespräch mit Jesus bringt sie ihre Sehnsüchte, Fragen und Zweifel mit. Und sie erlebt dabei, wie Jesus ihre Lebenssehnsucht aufgreift. Er spricht vom lebendigen Wasser, das den Durst und die Sehnsucht stillt.

Doch noch wichtiger als der biblische Bezug ist die Offenheit des Liedes. Vor allem in den Strophen entsteht ein offener Raum, in dem die Singenden ihre eigenen Erfahrungen mitschwingen lassen können. Frieden, Freiheit, Hoffnung, Einsicht, Beherztheit, Beistand, Heilung, Ganzsein und Zukunft.
Im jeweiligen zweiten Teil der Strophe kommt dann all das zur Sprache, was es oft schwer macht, die Sehnsucht wachzuhalten: Sorge, Schmerz, Ohnmacht, Furcht, Krankheit und Tod.
Der Beginn der 4. Strophe „Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir“ knüpft wieder an die Szene am Jakobsbrunnen an und sie endet mit der Hoffnung auf Gottes Nähe.
Zwei Textteile werden in allen vier Strophen wiederholt: Am Ende des ersten Teils „bitten wir“ und am Ende des zweiten „Sei da, sei uns nahe, Gott.“ Durch diese Text- und auch durch die Melodiewiederholungen wirkt das Lied eingängig und harmonisch. Kurze Pausen geben uns Zeit, dem Gesungenen nachzuspüren und „aufzuatmen“.
Die Melodie des Refrains – eine kleine Folge von gleichen Anfangstönen wirkt wie ein vorsichtiger Anlauf, geht es doch um etwas Lebenswichtiges, um das wir bitten. Um eine Sehnsucht nach Tiefe, die über alles Oberflächliche und Materielle hinausgeht und die Halt schenkt – besonders in Grenzsituationen.

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