Mut zur Demut

 

Ein echter Knaller, der Schluss des Evangeliums vom vergangenen Sonntag: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,14b). Schon zig-fach gehört, doch diesmal tat sich eine ganz neue Bedeutung auf. Denn mir schoss spontan ein Gedanke durch Kopf: „Kennen unsere Kirchenoberen diese Stelle?“
Dabei habe ich die derzeitige Diskussion im Hinterkopf: Als Folge des Missbrauchsskandals sind außer den Themen „Sexualmoral“ und „Frauenfrage“ zunehmend auch das Problem von Klerikalismus und Machtstrukturen im Blick. Jedenfalls stehen diese Themen auf der Agenda der Bewegung „Maria 2.0“ und des von den Bischöfen initiierten „synodalen Wegs“. Mal abgesehen davon, wieviel Hoffnung in diese Vorgänge investiert werden kann – die Geschichte der Kirche und ihr gegenwärtiges Erscheinungsbild geben ausreichend Anlass zur Skepsis.
Macht gilt als den Missbrauch begünstigender Faktor. Ein „hierarchisch-autoritäres System“ könne zu einer Haltung führen, „qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position“ innezuhaben und nicht geweihte Personen zu dominieren – so die „MHG-Studie“ über Auswirkungen und Voraussetzungen des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Bei Verantwortlichen könne ein solches Amtsverständnis dazu führen, dass priesterliche Täter eher „als Bedrohung des eigenen klerikalen Systems“ und nicht als Gefahr für Kinder und Jugendliche angesehen werden.
Die Folge eines solchen Amtsverständnisses sind bekannt: Vertuschung und unglaubwürdige Schuldbekenntnisse. Mir ist aber noch ein anderer Aspekt bedeutsam: Die Erfahrung des Schuldig-Werdens müsste doch Anlass sein, Abstand zu nehmen von Standesdenken, Prunk und autoritärem Diktat. Stattdessen wäre Bescheidenheit angebracht und die Bereitschaft zu einem Dialog, bei dem nicht im Vorhinein feststeht, welche Ergebnisse er nicht haben darf. Oder im besten Sinne: Demut. Seine Ursprünge hat der Begriff im althochdeutschen „diomuoti“, was in etwa ‚Gesinnung eines Dienenden‘ bedeutet. Aus christlicher Sicht ist die Haltung des Geschöpfes zum Schöpfer, des Unvollkommenen gegenüber der Vollkommenheit Gottes gemeint. Demut heißt, dies einzugestehen und entsprechend zu handeln. Doch dazu bedarf es einer gehörigen Portion Mut.

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