Ökumene im Reformationsjahr

500 Jahre Luther und nun?!

Am 31. Oktober wurde in allen evangelischen Kirchen Deutschlands das Reformationsjubiläum gefeiert im Gedenken an 500 Jahre Luther.

Von Gerlinde Münch

Die Annäherung zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche ist in allen Orten spürbar. Das Wort Ökumene, das aus dem Altgriechischen kommt, heißt wortwörtlich übersetzt „das Bewohnte“.  Im Neuen Testament wird das Wort Ökumene auch als Synonym für den ganzen Erdkreis verwendet. Damit wird eine Bewegung im Christentum bezeichnet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die verschiedenen Konfessionen weltweit zu einigen und eine Zusammenarbeit zu fördern. Diese Bewegung begann schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm Gestalt an in den institutionellen Einrichtungen des Ökumenischen Rats der Kirchen und den lokalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK).

Ökumene vor Ort

Auch in unserem Kirchengemeinderat (KGR) wird Ökumene sehr ernst genommen. Bei der konstituierenden ersten KGR-Sitzung wurde dafür ein Ökumene-Ausschuss gebildet, der folgende Vision entwickelt hat:

  • Wir wollen den gemeinsamen christlichen Glauben leben: Ökumenische Gottesdienste, Kinderbibeltage, Weltgebetstag der Frauen
  • Wir wollen eine gegenseitige Wahrnehmung und Wertschätzung erfahren: Familiennachmittage, Jugendtreffen, Altennachmittage
  • Die Zusammengehörigkeit im christlichen Glauben soll vertieft werden: Herausforderungen bei den Themen Asyl und Flüchtlinge

Und dann gibt es noch den ökumenischen Arbeitskreis Echaz/Härten (ÖA), in dem alle christlichen Gemeinden aus Kirchentellinsfurt, Kusterdingen und Wannweil mit Abgesandten vertreten sind.

Was ist der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch?

Die 10jährige Vivian aus der St. Heinrich Schule in Osnabrück, bringt es mit ganz einfachen Worten auf den Punkt:

„Eins vorweg: Katholische und evangelische Gläubige sind alle Christen: Menschen, die durch die Taufe ganz eng mit Gott und Christus verbunden sind. Sie glauben gemeinsam an Gott, der uns liebt, und deshalb Jesus Christus als seinen Sohn auf die Erde geschickt hat. Für alle Christen ist es wichtig, so zu leben, wie Jesus es vorgemacht hat. Deswegen finden sie zum Beispiel Frieden, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sehr wichtig.
Früher gehörten bei uns alle Christen einer einzigen Kirche an. Aber vor ungefähr 500 Jahren gab es einen Mönch namens Martin Luther. Dem gefiel nicht alles, was damals in der Kirche passierte – zum Beispiel, dass reiche Menschen besser behandelt wurden als arme und dass es die Bibel nur auf Latein gab. Das konnten nämlich nur sehr wenige Menschen lesen. Dagegen hat er protestiert. Viele Leute haben genau so gedacht wie er – die haben auch protestiert. Deswegen nennt man evangelische Christen auch „Protestanten“.

Am Ende wurden neben der katholischen Kirche mehrere Kirchen gegründet: die Kirchen der Reformation. „Katholisch“ und „evangelisch“ – das sind also Bezeichnungen für unterschiedliche Richtungen innerhalb der christlichen Religion. Diese verschiedenen Richtungen nennt man auch Konfessionen, auf deutsch: Bekenntnisse.
Neben vielen Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Konfessionen auch leicht erkennbare Unterschiede. Zum Beispiel: Evangelische Christen haben keinen Papst. Bei den evangelischen Christen dürfen auch Frauen Pfarrer werden und die Pfarrer dürfen heiraten  – beides geht bei den Katholiken nicht.

Einen Knackpunkt gibt es auch bei der Eucharistiefeier, die evangelisch meist „Abendmahl“ genannt wird. Dies ist für katholische und die meisten evangelischen Christen der wichtigste Gottesdienst. Katholiken glauben, dass dabei Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden: Sie werden zu Zeichen dafür, dass Jesus Christus wirklich in der Feier des Gottesdienstes anwesend ist. Zumindest für manche Protestanten aber sind Brot und Wein beim Abendmahl eher ein Symbol für Jesu Liebe zu uns – er hat uns so sehr geliebt, dass er für uns am Kreuz gestorben ist.
Weil sie sich in den meisten Glaubensfragen einig sind, versuchen viele Katholiken und Protestanten, ihre Religion gemeinsam zu leben. Dieses Miteinander nennt man „Ökumene“. Das ist Griechisch und bedeutet: „die ganze bewohnte Erde“. Damit wollen Christen zeigen: eigentlich gehören wir alle zusammen.“ (ReliKi.de)

Eucharistiefeier und Abendmahl

Auch in unseren Gemeinden ist es spürbar, dass die Kirchen sich annähern. Und das ist auch gut so. Schwierigkeiten gibt es immer noch beim gemeinsamen Abendmahl oder der Eucharistiefeier. Ein erstes Signal und wichtiges Hoffnungszeichen wäre die offizielle Zulassung von Menschen, die in konfessionsverbundenen Ehen leben, zu Eucharistie und Abendmahl.
Die KirchenVolksBewegung „Wir sind Kirche“ sagt dazu: „Bei allem sonstigen anerkennenswerten gemeinsamen Tun darf die Frage der Mahlgemeinschaft im Gottesdienst nicht ausgeblendet werden. Solange es keine Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl gebe, kann auch nicht von versöhnter Verschiedenheit gesprochen werden.
Die KirchenVolksBewegung fordert deshalb erneut die deutschen Bischöfe auf, sich endlich geschlossen in Rom für eine Lösung der Abendmahlsfrage in der Ökumene einzusetzen. Von Theologen und Theologinnen ist das längst geklärt, für viele Christinnen und Christen heute schon zur Selbstverständlichkeit geworden.“ Die Entscheidung und Verantwortung dazu liegt bei der deutschen Bischofskonferenz.

Das diesjährige Ökumenische Fest in Bochum am 16. September stand unter dem Leitwort „Wie im Himmel, so auf Erden“. Diese Vater-unser-Bitte entspricht der ganzen Verkündigung Jesu. Doch es ist wohl nicht vorstellbar, dass beim himmlischen Hochzeitsmahl, dem Zeichen der Gemeinschaft mit Gott, getrennte Tische für Katholische und Evangelische aufgestellt wurden. Veranstalter waren die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

In diesem Sinne – bleiben wir dran! Es hat sich schon viel getan und es wird sich noch viel tun. Wir sind auf einem guten Weg.

Zitat von Papst Johannes XXIII:
„Das, was uns verbindet ist viel stärker als das, was uns trennt.“

6 Gedanken zu „Ökumene im Reformationsjahr

  1. Lieber Herr Zieker,
    mit einem evangelischen Ehemann, den ich kirchlich heiraten wollte und habe, und der mit einem evangelischen Pfarrer befreundet ist, ist das mit dem Vermeiden von ökumenischen Veranstaltungen schwierig. Das hätte ja zum Ergebnis, dass jeder Partner seiner eigenen Wege gehen müsste und sich das Gemeinsame der Ehe allein auf das Weltlich-Rechtliche beschränken würde. Von daher wird schon in der Familie verschiedenkonfessioneller Partner, die es auch in unserer Kirchengemeinde viele gibt, Ökumene quasi „zwangsläufig“ gelebt. Wäre ich in einer evangelischen Region aufgewachsen, wäre ich vermutlich evangelisch. Für mich bedeutet Ökumene daher, mit meinem Mann gemeinsam meinen (und seinen) Glauben leben zu können. Das bedeutet ja nicht, alles Eigene aufzugeben, sondern neben dem Eigenen gelegentlich auch das Gemeinsame mit anderen christlichen Religionen zu feiern.

  2. Grüß Gott Herr Zieker,

    als jemand, der den barocken oberschwäbischen Katholizismus mit der Muttermilch eingesogen hat, ist mir eine solche Haltung, andere Konfessionen zu ignorieren, durchaus nicht unbekannt.
    Im Laufe von 60 Lebensjahren und entsprechender kirchlich-gesellschaftlicher Entwicklungen habe ich jedoch einiges lernen und erfahren dürfen:
    – Martin Luther war zeitlebens katholisch. Auch nach seiner Exkommunikation 1521 zielte er nicht auf eine Kirchenspaltung, sondern eine Erneuerung der kath. Kirche. Dass es zu Kirchenspaltung kam, liegt an vielen kirchlichen und weltlichen Faktoren.
    – Die Vielfalt der christlichen Kirche wird auch katholischerseits seit dem II. Vatikanischen Konzil als Bereicherung empfunden: Das gesamte Spektrum der christlichen Kirchen ist Ausdruck des Reichtums des christlichen Glaubens. Daher wird zunehmend auch das Gemeinsame dieser Konfessionen betont – s. Papst Johannes XXIII:
    „Das, was uns verbindet ist viel stärker als das, was uns trennt.“
    – Das Miteinander in der Ökumene ist Ausdruck dieses Gemeinsamen; der theologische Diskurs unterschiedlicher Auffassungen bietet auch die Chance für die einzelnen Kirchen, voneinander zu lernen und sich weiter zu entwickeln – was im Übrigen die letzten 50 Jahre durchaus geschehen ist.
    – Ökumenische Beziehungen können – richtig verstanden – nicht zum Ziel haben, den anderen zu „verändern“ (z.B: „evangelisch“ zu machen). Erst wenn ich mir meines eigenen Glaubens bewusst bin, kann ich mich konstruktiv und angstfrei mit den Erfahrungen und Auffassungen anderer auseinandersetzen und bin offen für Weiterentwicklung.

    Heute bin froh darüber, dass ich als Katholik viele anregende und freundschaftliche ökumenische Kontakte haben darf.

  3. Gedanken zur Ökumene,
    mein christliche Gesinnung gehört nur der katholischen Kirche und nicht irgend einer anderen Konfession, aus diesem Grund meide ich strikt Ökumenische Veranstaltungen. Vor 500 Jahren hat Martin Luther sich von dem katholischen Glauben abgewandt und eine neue Religionsgemeinschaft erschaffen. Nun werden wir Katholiken durch Ökumene Verbindungen zum Umdenken angehalten, was auch zu einer Verminderung einer katholischen Gemeinde führen könnte.

  4. Hallo Herr Bauer,
    ich stimme mit Ihnen überein, dass in der katholischen Kirche einiges im Argen liegt. Ich ärgere mich oft über Langsamkeit, Unflexibilität, Welltfremdheit, Regelüberhöhung über Menschlichkeit/ Barmherzigkeit der katholischen Führung in Rom und anderswo.
    Trotzdem halte ich den Artikel keinesfalls für Geschwafel. Man kann sich auf die Fehler fokussieren und mit guten Gründen der Kirche den Rücken kehren. Aber wer bleibt dann und wie entwickelt sich Kirche – auch vor Ort – dann? Oder aber man bleibt, nimmt auch das Positive in den Blick, versucht es weiter zu entwickeln und Kirche lokal zu verändern. Es gibt im Dorf und auf Diözesanebene viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Und man kann z.B. Papst Franziskus mit seinem “neuen“, urjesuanischen menschenfreundlicheren Schwerpunkt gegenüber den machtorientierten, konservativen Hardlinern in der Kurie durch die eigene Unterschrift stärken.
    Siehe http://www.pro-pope-francis.com

  5. Ökumene ist sicherlich noch ausbaufähig. Wie im Artikel beschrieben wäre eine gemeinsame Eucharistiefeier, ein gemeinsames Abendmahl ein wichtiger Schritt zu noch mehr gemeinsamem „Bewohnen der Erde“. Ich fürchte aber, da sind noch dicke Bretter auf Ebene der Führungsgremien der Kirchen zu bohren. Darüber sollte man dennoch nicht resignieren, sondern auch das leben und schätzen, was jetzt schon möglich ist. Natürlich dürfen wir uns trotzdem wünschen und hoffen, dass es immer wieder einen Schritt weitergeht in der Ökumene!

  6. Was nutzt das Geschwafel von Ökumene, wenn beispielsweise ein evangelischer Christ bei einer katholischen Taufe nicht als Taufpate, sondern nur als Taufzeuge zugelassen wird. Hängt das damit zusammen, dass die evangelische(n) Kirche(n) von der katholischen Kirche nicht als Kirche, sondern nur als kirchliche Gemeinschaft gesehen werden? Dies sollte vorrangig geschehen.
    Abgesehen davon liegt bei der katholischen Kirche so einiges im Argen, zum Beispiel die Behandlung von konfessionsverschiedenen Ehen.

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