Pfarrer Begovic bei den Weggentaler KaffeeGesprächen

Was hat es mit den KaffeeGesprächen auf sich?

Es handelt sich dabei um geistliche Impulse aus der karmelitischen Spiritualität, die in regelmäßigen Abständen, meist einmal im Monat, im Kloster Weggental in Rottenburg stattfinden. Termine entnehmen Sie bitte unserem Veranstaltungskalender.

Von Gerlinde Münch

Wer sind sie – die Karmeliten? Wo finden sich ihre Wurzeln und was sind prägende Personen dieser Spiritualität?
Das neue Projekt „Weggentaler KaffeeGespräche“ lädt ein, in Kurzen Impulsen, Gespräch und Gebet diese Kostbarkeiten der karmelitischen Spiritualität kennenzulernen und davon etwas gemeinsam im Alltag zu erleben.

Der Ablauf ist immer derselbe:
16:00 Uhr Ankommen bei Kaffee und Tee im Franziskussaal
16:30 Uhr Geislicher Impuls und Gespräch
17:45 Uhr Vespergebet

Am 5. Dezember referierte unser Pfarrer Begovic über Johannes vom Kreuz. In seinem Vortrag begeisterte er die Zuhörerinnen und Zuhörer, indem er über das Leben von Johannes vom Kreuz erzählte. In einem Auszug aus „Die Nacht der Sinne“ wies er auf wesentliche Aussagen dieses Mystikers hin.

Inhalte zum Vortrag von Pfarrer Begovic:

Lebenslauf von Johannes vom Kreuz – Juan de la Cruz

Geboren im Jahre 1542 in Fontiveros (Avila), Spanien, verlor Juan de Yepes bereits zwei Jahre nach der Geburt seinen Vater Gonzalo. Da seine Eltern eine nicht standesgemäße Heirat eingegangen waren (Gonzalo war adelig, Catalina Álvarez bürgerlich, Seidenweberin), hatte die Mutter von den wohlhabenden Verwandten (Prälat, Arzt etc.) des Vaters keine Hilfe zu erwarten, so dass ihren drei Kindern (Francisco 1530, Luis zw. ´31 und ´41, Juan 1542) Not und Armut nicht erspart blieben. Diese beiden Umstände – die Liebesheirat der Eltern und die Erfahrung von Leid und Not prägten Johannes vom Kreuz nachhaltig. In den Jahren 1559-1563 versucht er sich in verschiedenen Ausbildungssparten: Studien, Schreiner, Schneider, Bildhauer, Maler. Am erfolgreichsten erweist er sich im Bereich der Studien, die er bei den Jesuiten in Medina del Campo absolvierte, wobei er sich als Krankenpfleger im Spital dieser Stadt verdingte. 1567 lernte er Teresa von Ávila kennen. Johannes, der zuvor erwogen hatte, zu den Kartäusern überzutreten, erkannte in der von der heiligen Teresa reformierten Lebensweise im Karmel auch seinen Weg und ließ sich von Teresa unterweisen, da die Karmeliten sich nicht mehr an die Strenge der ursprünglichen Ordensregel hielten.
1568 wurde Johannes zum Priester geweiht, Er nahm den Ordensnamen Johannes vom Kreuz an und gründete mit zwei Mitbrüdern das Kloster der Unbeschuhten Karmeliten in Duruelo

Im sich rasch ausbreitenden Orden der Unbeschuhten Karmeliten wurde Johannes vom Kreuz zunächst Rektor des Studienkollegs in Alcalá de Henares, dann Visitator im Noviziatskonvent und Beichtvater im Kloster der Menschwerdung in Avila. Wegen Rivalitäten mit dem Stammorden wurde Johannes vom Kreuz am 2. Dez. 1577 entführt und im Ordensgefängnis des Klosters in Toledo eingekerkert, wo er misshandelt und gedemütigt wurde. Diese Zeit wurde für ihn zur eigentlichen Mitte seiner Gotteserfahrung und der daraus entstammenden visionär-mystischen Dichtung.

Nach mehreren Monaten konnte Johannes vom Kreuz in das abgelegene Kloster Calvario fliehen. Als er wieder zu Kräften gekommen war, schickte ihn Teresa zu weiteren Neugründungen nach Andalusien. 1582 wurde er zum Prior des Klosters in Granada gewählt. Darüber hinaus wirkte er in verschiedenen Klöstern der Unbeschuhten Karmelitinnen und auch außerhalb des Ordens als Beichtvater und geistiger Begleiter. 1588 wurde er Prior des zentralen Klosters der Unbeschuhten Karmeliten in Segovia. Sein Werdegang nahm jedoch eine unerwartete Wendung beim Generalkapitel des Ordens 1591 in Madrid. Überraschend aller Ämter enthoben (Was ist Wahrheit, wer war im Recht – die Mehrheit? Ganz sicher nicht! Von denen ist nichts geblieben!), wurde er ein Opfer von Richtungsstreitigkeiten im jungen Orden. 1591 starb Johannes vom Kreuz im Kloster in Úbeda an Wundbrand (Erysipel).
Am 25. Januar 1675 wurde Johannes vom Kreuz von Papst Clemens X. selig gesprochen, am 27. Dezember 1726 erfolgte durch Benedikt XIII. die Heiligsprechung. Am 24. August 1926 wurde er durch Pius XI. zum Kirchenlehrer erhoben.

„Die Dunkle Nacht des Geistes“

In die dunkle Nacht beginnen die Seelen dann einzutreten, wenn Gott sie aus dem Zustand der Anfänger, die noch der diskursiven Betrachtung obliegen, herausführt und sie allmählich in den Zustand der Fortschreitenden versetzt, der Beschaulichen nämlich. Wenn sie diesen Zustand durchschritten haben, gelangen sie in den Zustand der Vollkommenen, der göttlichen Einigung der Seele mit Gott. Um nun aber besser das Wesen der Nacht zu verstehen, durch die die Seele hindurch muss, und weshalb Gott sie in diese versetzt, ist es angebracht, zunächst ein paar Eigenheiten der Anfänger zu betrachten – was in aller Kürze geschehen soll, ihnen aber nützlich sein wird, damit sie, die Schwächen ihres Zustands erkennend, sich aufraffen und danach verlangen, von Gott in diese Nacht versetzt zu werden, in der man erstarkt, in Tugend gefestigt wird und zum Verkosten der unschätzbaren Wonnen der Gottesliebe gelangt. Wenn wir hier ein wenig verweilen, so doch nicht länger als es zum Übergang in die Behandlung der dunklen Nacht unerlässlich ist.
Wenn eine Seele sich mit Entschiedenheit dem Dienst Gottes zuwendet, pflegt Gott sie zumeist geistlich zu umsorgen wie eine liebende Mutter ihr zartes Kind: sie wärmt es an ihrer Brust, nährt es mit süßer Milch, trägt es auf ihren Armen und herzt es. Im Maße es aber heranwächst, entzieht ihm die Mutter diese Art ihrer Pflege, entzieht ihm ihre Zärtlichkeit, bestreicht die süße Brust mit Bitterem, lässt es von den Armen herab, um es auf eigenen Füßen stehen zu lassen, damit es die Art des Säuglings ablege und sich Wesentlicherem zuwende. Nicht anders verhält sich die Gnade Gottes, diese liebende Mutter, sobald eine Seele zu neuem Eifer im Dienste Gottes wiedergeboren wird. In allen göttlichen Dingen lässt sie die Seele mühelos wohlschmeckende geistliche Milch und vielen Trost in geistlichen Übungen finden; Gott reicht ihr, wie einem zarten Kind, die Brust seiner zärtlichen Liebe.
So findet diese es wonnig, lange Zeiten, ja ganze Nächte im Gebet zu verbringen, Bußübungen sind ihr ein Vergnügen, Fasten eine Freude, Sakramentenempfang und Gespräche über Gott ein Trost. Obschon nun solche sehr entschieden und beharrlich und mit großer Sorgfalt alle diese Dinge verwenden, so legen sie dabei doch, geistlich gesprochen, mancherlei Schwäche und Unvollkommenheit an den Tag. Denn da sie in ihren geistlichen Übungen vom Maß des erhaltenen Trostes und Geschmackes bestimmt werden, somit für den harten Kampf um die Tugend noch unerprobt sind, begehen sie in ihrem Tun vielerlei Fehler. Denn schließlich wirkt jeder Mensch gemäß dem Habitus an Vollkommenheit, den er sich erworben hat. Da jene aber noch keine Gelegenheit hatten, sich einen festen Habitus zu erwerben, können sie nicht anders denn kindlich und schwächlich handeln.

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