Sie ist wieder da – die Madonna von Wannweil

Madonna von St. Michael - vor der Restaurierung
Madonna von St. Michael - vor der Restaurierung
Zwei Jahre war die knapp einen Meter hohe Madonna, die ein Wahrzeichen unserer Kirche ist und seit Bestehen des Gebäudes die linke Seite des Altarraums von St. Michael in Wannweil ziert, abwesend. Aufgrund ihres Alters und ihres Gesamtzustandes wurde eine Restaurierung dieses Kleinods notwendig.

Von Gerlinde Münch

Die Madonna und ihre Geschichte

In den 60er-Jahren kamen viele Donauschwaben aus Rumänien nach Wannweil, wovon die meisten katholisch waren. Sie wünschten sich sehr, dass auch in Wannweil eine katholische Kirche sein sollte. So wurde diese teilweise in Eigenleistung und mit Spenden erbaut. Was jetzt noch fehlte, war eine prägnante Heiligenfigur für den Altarraum. Das machte sich der damalige Pfarrer Durner zur Chefsache.

Der Kauf

Der Bruder des Seelsorgers fragte seinen damaligen Heimatpfarrer, wo man günstig eine Madonna kaufen könnte. Dieser empfahl eine Antiquitätenhandlung in München, wo Pfarrer Durner auch fündig wurde. Da die Gelder knapp waren, war der genannte Preis für ihn ein großer Schock. Als der Händler aber erfuhr, dass die Madonna für eine Kirche bestimmt sei, war er bereit, die Figur für 12 000 DM zu verkaufen. Der Kirchengemeinderat (KGR) stimmte dem Kauf aber nur unter der Bedingung zu, dass das Geld dafür separat aufgebracht wird und nicht aus dem großen Topf genommen wird. Durch Bettelpredigten in seiner Heimatgemeinde Ulm und seiner Vikarsgemeinde Heidenheim, sowie aus der eigenen Pfarrei, bekam Pfarrer Durner genügend Spenden zusammen. So fand die Madonnenfigur mit dem Jesuskind auf dem Arm, aus Holz geschnitzt, 98 cm hoch und 46 cm breit,  am  4. Dezember 1964 ihren Platz in der Wannweiler Kirche St. Michael.

Da leider keine Signatur des Künstlers oder der Künstlerin entdeckt werden konnte, kann nur spekuliert werden, wann sie gefertigt wurde und woher sie stammen könnte. Der Antiquitätenhändler aus München vermutete aufgrund der Farben, Formen und Ausführungen der Schnitzereien, dass sie im 16. Jahrhundert in Flandern hergestellt wurde.

Die Beauftragung

Bei einer Begehung der Wannweiler Kirche St. Michael stellten Kirchengemeinderät*innen fest, dass die Madonna stark beschädigt ist und dringendst überholt werden sollte. Nach einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass ein bereits länger bestehender Schaden aufgrund eines erheblichen Holzwurmbefalls, der jedoch nicht mehr aktiv war, bestand.

Im Oktober 2019 entschied sich der Kirchengemeinderat für die Restauration unserer Madonna. Beauftragt wurde der Wannweiler Malermeister Wendelin Weiß, der schon Erfahrung mit der Wiederherstellung von altertümlichen Figuren hatte. Nach einigen Widerständen von Gemeindemitgliedern, die der Meinung waren, dass das Restaurieren von einer diplomierten Fachkraft erledigt werden sollte, kam es in der Werkstatt des Handwerkers zu einem Ortstermin mit Frau Dr. Prange, der Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg. Diese befand Herrn Weiß als durchaus geeignet für die Aufgabe. So begann die Wiederherstellung der Madonna, die bis Dezember 2021 andauerte.

Bei einer öffentlichen Kirchenführung am 6. Juni 2019 bot Wolfgang Zieker, ein früheres Mitglied unserer Gemeinde, an, ein Bild der Madonna zu malen und dieses für die Zeit der Abwesenheit der Statue auf die Säule zu stellen, als „Stellvertreterin“ während der Restauration. Es wurde dann auch zwei Jahre zum Platzhalter für die fehlende Marienstatue, was nicht alle Kirchenmitglieder befürworteten.

Feststellung der Beschädigungen

Auszug aus der Bestandsaufnahme des Schadens durch Herrn Weiß:

  • Holz mit vielen Wurmstichen, teilweise mit Ausbrüchen
  • Vertikal zeichnet sich ein Riss ab
  • Auf dem Holz befindet sich Kreidegrund mit zum Teil starken Abplatzungen im Kopfbereich der Maria und dem Kind
  • Auf dem Kreidegrund befindet sich roter Bolus als Grund für die Vergoldung am Kleid und Umhang
  • Starke Beschädigungen durch den Wurmfraß am unteren Teil des Stuhls und der Basis
  • Das Gesicht des Kindes, sowie die rechte Hand und die beiden Arme stark beschädigt
  • Fehlende Teile am linken Auge und an beiden Händen der Madonna.
  • Die Ecken des Tisches sind stark angegriffen.
Kopf vom Jesuskind vor Restaurierung - Bild: Wendelin Weiß
Kopf vom Jesuskind vor Restaurierung - Bild: Wendelin Weiß

Restaurierungsmaßnahmen

Auszug aus dem Arbeitskatalog:

  • Oberfläche der Figur mit Reinigungslösung von Schmutz und Staub befreit
  • Lose Teile entfernt
  • Mürbes Holz mit Hasenleim gefestigt
  • Form der Fehlstellen abgenommen und mit Lindenholz nachgeschnitzt
  • Eingesetzte Fehlstellen mit Kreidegrund gestrichen und nach einem Zwischenschliff mit feinerem Kreidegrund mehrmals überarbeitet
  • Größere Wurmlöcher mit Kreidegrund geschlossen
  • Kreidegrund-Fehlstellen nachgearbeitet und bis Original-Ebene eingeschliffen
  • Anschießen des Goldes mit Netzmittel. 23 Karat Dukaten Doppelgold verwendet
  • Fehlstellen am Stuhl nachgearbeitet
  • Haare der Maria nachgearbeitet und Fehlstellen mit Goldbronce retuschiert
  • Entsprechende Farbtöne gemischt, um Fehlstellen zu überarbeiten an Mantel, Schuhen, Gesichtern, Augen und Mund
  • Am 13. Dezember 2021 – Aufstellung der Madonnenstatue in der Kirche mit fester Verankerung

Herr Weiß fühlt sich als langjähriges Kirchenmitglied, das den Kirchenbau miterlebte, mit St. Michael sehr verbunden. Daher hat er die Restaurierung der Figur in ehrenamtlicher Arbeit verrichtet und nur den Materialverbrauch in Rechnung gestellt. Ein großes und herzliches Dankeschön von unserer Kirchengemeinde an ihn, für die hervorragende Arbeit.

Am 18. Dezember wurde die Marienstatue bei einem feierlichen Gottesdienst in St. Michael wieder eingeführt. Alle, die die Gottesmutter nach der Wiederherstellung noch nicht gesehen haben, sind eingeladen, sie zu den Öffnungszeiten zu besuchen.

Und so erstrahlt die Madonna in neuem Glanze
Madonna und Jesuskind nach der Restauration - Bild: Wendelin Weiß
Madonna und Jesuskind nach der Restauration - Bild: Wendelin Weiß

2 Gedanken zu „Sie ist wieder da – die Madonna von Wannweil

  1. Liebe Gerlinde,
    lieber Herr Weiß,
    lieber Herr Zieker,

    herzlichen Dank für das Bild der Madonna während der Restaurierung der Marienstatue, für die monatelange kleinteilige fachmännische Restaurierung und diesen ausführlichen bebilderten Bericht über die Restaurierung unserer Madonna in Wannweil.
    Es ist schön, zu sehen, wie langjährig verbundene Gemeindemitglieder sich ehrenamtlich einbringen, um allen Besuchern der Kirche in Wannweil die Möglichkeit des Gebets zu Maria zu ermöglichen und uns diese näherzubringen.
    Tanja Kury-Rilling, Kirchengemeinderätin

  2. Der Wendel ist einfach ein toller Kerl. Ich habe ihn bei der Renovierung der Kirche in Kirchentellinsfurt näher kennen und schätzen gelernt. In der jetzigen, für die Katholische Kirche unglaublich schweren Zeit sind solche Männer ein Segen. Ich habe die restaurierte Madonna noch nicht besichtigt, werde dies aber so bald wie möglich nachholen.

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