Unsere Reihe: Katholische Kirche in der Welt – heute Eindrücke aus Uganda

Ursula Heinemann hat Uganda schon mehrfach besucht und bereist. Des Weiteren engagiert sie sich an maßgeblicher Stelle im Weltnotwerk der KAB (Katholische Arbeitnehmer Bewegung). In diesem Beitrag schildert sie lebhaft und hautnah Eindrücke aus diesem Land.

Von Ursula Heinemann

Pilgern in Uganda

Schon immer war  Pilgern mit Mühen und Strapazen versehen, schon immer büßten die Sünder für ihre schweren Vergehen und baten um Sühne auf ihrem Pilgerweg. Schon immer war das so. Aber ich ahnte nicht, was auf mich zukam als es in Gulu, gelegen im Norden Ugandas, hieß: Pilgerfahrt nach Paimol, Abfahrt um 4.30 Uhr! (War ja schon Sühne genug…!). Frühstück um 9.00 Uhr an der Märtyrerkirche der Seligen Märtyrer David Okelo und Gildo Irwa, junge Katechisten und Märtyrer, die als jugendliche Missionare 1918 in Paimol getötet worden sind. Anschließend waren Messe und Mittagessen geplant, danach Heimfahrt mit erwarteter Rückkehr gegen 20.00 Uhr. Dieses Programm las sich für eine Rheinländerin wie die mehr oder weniger gemütliche Fahrt nach Kevelaer oder Maria Laach.

Aber es kam anders – oder wer ein rechter Sünder ist, muss Buße tun…

Pünktlich um 5.00 Uhr war der Bus am Hotel und lud unsere Kleingruppe als letzte Pilger ein. Der Reisebus mit 60 Plätzen war dicht besetzt. Auf wagemutigen Pisten ging die Fahrt zunächst Richtung Kitgum. Der Busfahrer bewältigte die Holperpiste mit seinem schwerfälligen Fahrzeug mit Bravour. Kitgum erreichten wir gegen 9.00 Uhr. Eigentlich war das doch die Frühstückszeit in Paimol. Was soll´s? Jeder kann sich mal um einige Viertelstunden vertun. Gegen 10.00 Uhr wagte ich die Frage an meine ugandische Freundin, wie weit es noch sei, und es kam immer wieder – inzwischen Stunde um Stunde – die Antwort: „Far away, oh, so far away!“
Die Straßen wurden immer abenteuerlicher, da wir nun auch noch auf einer einspurigen Straße fuhren, die im Bau war.
Fantastisch die Landschaft mit ihren sich uns immer mehr nähernden Bergformationen. In flachen Ebenen erheben sich gigantische Tafelberge wie aus dem Nichts.
Und der Bus fährt und umrundet das nächste Schlagloch und fährt. Es wird 11.00 Uhr – „oh, far away“ – es wird 12.00 Uhr – „oh far away“. Und dann sind wir in Kalongo – nein nicht an unserem Ziel – es sind jetzt nur noch 1,5 Stunden bis dorthin, aber mal wieder in einer kleinen Stadt.
Der Busstopp am Krankenhaus, an dessen Kiosk wir wenigstens ein Getränk kaufen konnten und die Toilette des Pfarrhauses benutzen durften, war schon ein Lichtblick. Es gab niemanden, der sich ohne Rückenschmerzen nach etwa 20 Minuten Pause wieder in den Bus setzte.

Kinder und Jugendliche in Uganda

Der Bus fährt sich auf einem Acker fest, in der Nacht geht das Benzin aus

Und erneut ging die Fahrt weiter, die Straßenverhältnisse waren weiterhin unvorstellbar schlecht. Wieder versuchte der Busfahrer den tiefsten Löchern aus dem Weg zu gehen und fuhr sich dabei im Feld fest. Nichts ging mehr und mit jedem Versuch mehr, grub sich der Bus immer tiefer in das Feld! Was tun? Alle steigen aus – und ganz geschlechtsspezifisch gehen die Frauen auf der Straße weiter, während die Männer erst mit Schieben und später dann mit Hilfe von Bauern den Bus ausgruben und Bretter unterlegten.

Es war gegen 13.30 Uhr als wir dann zum „Frühstück“ an dem Platz der beiden Märtyrer waren. Ein kleiner Spaziergang zur Andachtskapelle und die Predigt des Katechten über das Leben und Wirken der beiden Märtyrer David Okelo und Gildo Irwa, sowie deren tragischen Tod stimmten auf den nun folgenden Gottesdienst ein.
Schon nach dem Gottesdienst beobachteten wir das Aufziehen dunkler, schwerer Regenwolken und der Busfahrer drängte auf eine schnelle Abfahrt, weil die Straßen nach Regen so gut wie gar nicht mehr befahrbar sind.Schnell noch zu Mittag essen und schon sitzen alle wieder nach 2 Stunden Pause um 15.30 Uhr im Bus. Zurück umgingen wir die Strecke mit der Baustelle und waren guter Hoffnung, dass wir spätestens um 22.00 Uhr wieder in Gulu sind. Es wurde dunkel, die tiefdunkle Nacht kam und – eine Lampe des Armaturenbrettes leuchtete rot. „No problem“ sagte meine ugandische Freundin.
Kein wirklich „großes Problem“ ? Wir hatten ca. 70 km vor Gulu kein Benzin mehr. Mitten im Busch, der in der Dunkelheit den Tieren und anderen „dunklen“ Gestalten gehört.
Das hieß etwa 2 Stunden warten auf einen Benzinkanister. Es war Mitternacht, als wir das Hotel erreichten – staubig, müde, hungrig – aber uns ganz gewiss, dass wir für Vieles in unserem Leben an diesem Tag genug Abbitte getan hatten.

Kirche auf dem Land

Priesterweihe in der Diözese Gulu

An einem Sonntagmorgen waren wir zu einer Priesterweihe eingeladen. Der Erzbischof weiht den Priesteramtskandidaten jeweils in seiner Heimatpfarrei, um die Gemeinden stärker in die Weihehandlung einzubinden. Der Gottesdienstplatz vor der kleinen Dorfkirche war festlich geschmückt, es waren sicherlich um die 2000 Personen zum Gottesdienst angereist. Ein traditionell gekleideter Krieger – im weltlichen Beruf ein Polizist – sorgte für Ordnung auf dem Festplatz. Feierlich, begleitet von vielen sehr festlich gekleideten Mädchen und unter dem Schutz des Kriegers zog der Priesterkandidat zusammen mit dem Erzbischof Odama und weiteren Priestern ein. Beeindruckend war der nicht endende Gabengang zur Gabenbereitung, bei dem die Gäste neben Brot und Wein auch die Lebensmittel für das im Anschluss zu kochende Essen zum Altar brachten. Auch Tiere wie Hühner und Ziegen wurden zum Altar gebracht. Aus all dem wurde später das Essen für die Gäste zubereitet. Erst am späten Nachmittag wurde dann zu Tisch gebeten. Zuerst durften die Ehrengäste, später dann die Gemeindemitglieder sich am Buffet bedienen. Da die Kinder zum Schluss dran kamen, trübte der Anblick der vielen hungrigen Kinder vor der Küche, die leider kein Essen mehr bekamen, da es nicht für alle reichte, die Festfreude!

Kirche in Uganda ist lebendig und faszinierend

Katholische Kirche in Uganda feiert mit ekstatischen Gesängen und Gebeten ihren Glauben – das ist faszinierend und reißt uns Deutsche mit, da wir in einem mehr meditativen und stillen Glaubensleben zuhause sind.

Die Autorin: 

Ursula Heinemann, Mitglied unserer Kirchengemeinde, Schulleiterin der Realschule Raichberg in Stuttgart, engagiert sich im Weltnotwerk der KAB.

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