Unsere Reihe: Katholische Kirche in der Welt – heute in Mexiko

In loser Reihenfolge bringen wir unter der Rubrik „Katholische Kirche in der Welt“ etwas Information und Hintergründiges über die Art und Weise wie es bei den katholischen Kirchen in der Welt zugeht.

Die Kirchen in Mexiko: Ein Glaube zwischen Frömmigkeit und Fiesta

von César Rivera

Der Glaube ist beim Mexikaner in fast allen Teilen seines Lebens präsent, von wie man sich gegenseitig begegnet bis wie man mit Widrigkeiten umgeht. Um das deutlicher zu machen, möchte ich über meine Erfahrungen als Ehrenamtlicher während der Karwoche (Heilige Woche bei uns) berichten. Dort habe ich den Glauben der anderen erlebt und meinen tiefer verstanden. In der Karwoche wird in Mexiko der Glaube besonders zusammen gelebt und gefeiert.

Palmsonntagsprozession

Palmsonntag – zwischen Prozession und Raketen

Wir haben uns am Samstag vor Palmsonntag in der Hauptkirche getroffen, um die Kirche fertig zu dekorieren. Sie wird mit vielen Blumen geschmückt und auch mit vielen Plakaten, wo Sprüche drauf stehen wie: „Hosanna dem Sohne Davids!“, „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“, „Hosanna in der Höhe!“. Am Palmsonntag-Morgen fangen die Leute schon gegen 7 Uhr an zur Kirche zu kommen. Wir nutzen die Möglichkeit aus, um Palmen zu verkaufen. Diese Palmen wurden von den Gruppen in der Gemeinde gebastelt (Ministranten, Jugendliche, Kommunionspender, Katecheten, etc…). Die Prozession fängt dann erst um 8 Uhr in einer der Kapellen an. Die Prozession ist ganz besonders für uns, weil Jesus und seine Jünger von Jungs aus der Jugendgruppe gespielt werden. Die Leute singen Lobgesänge und freuen sich mit vielen Raketen und Feuerwerken. Wenn alle in der Hauptkirche sind, fangen wir an zu singen: „Que viva mi Cristo que viva mir rey. Viva Cristo Rey! Viva!“ (Es lebe der Christus, es lebe der König, es lebe Christus König!) Damit fängt der Gottesdienst an und es wird ein sehr fröhliches Fest, da die Glaubenden sich für Christus, den König freuen.

Montag, Dienstag, Mittwoch – die stillen Tage

An diesen Tagen gibt es die Möglichkeit sich ab 8.30 Uhr in der Hauptkirche zu treffen, um das Morgenlob zusammen zu beten. Der Pfarrer nutzt diese Tage, um die Familien zu besuchen. Mit Hilfe von vielen Ehrenamtlichen und Seminaristen verteilt er den Segen in der ganzen Gemeinde. Die Kinder nehmen auch an diesen Tagen teil (von allem die Kinder, die sich für die Erstkommunion vorbereiten). Sie treffen sich nachmittags und lernen mit Hilfe von unterschiedlichen Aktivitäten, wie basteln, malen, Geschichten hören, etc., was jeder Tag bedeutet. Dabei begleiten sie Katecheten und Nonnen.

Gemeinsames Essen an Gründonnerstag

Gründonnerstag – zwischen Krankensalbung und Familienausflug

Der Gründonnerstag fängt für viele Gemeindemitglieder mit der Chrisam-Messe in der Kathedrale der Diözese an. In dieser Messe wird das Salböl für jede Gemeinde in der Diözese gesegnet. Es wird am gleichen Tag in der sogenannte Kranken-Messe benützt. Dort werden viele kranke Leute der Gemeinde mit dem Öl gesalbt. Diese Messe war für mich immer sehr beeindrucken, da ich viele Leute, die in Not waren gesehen habe. Diese Leute haben kaum die Möglichkeit sonntags in die Messe zu gehen, weil sie sehr krank sind. Deshalb ist diese Messe für sie sehr wichtig, weil sie daran glauben die Gesundheit wieder zu bekommen. Nach dem Gottesdienst konnten wir mit den Kranken und ihren Familien zusammen das Essen und das Trinken teilen. Dazu brachte jeder von zuhause etwas mit.

Schauspiel und Fußwaschung

Später am Tag versammeln sich die Jugendlichen, die Jesus und seine Jünger spielen,  in einer der Kapellen. Sie spielen vor der Gemeinde das letzte Abendmahl. Danach laufen sie zur Hauptkirche und dort wird die Fußwaschung Messe gefeiert. In der Messe fragt der Pfarrer wer freiwillig in den Altarraum kommen will, damit seine Füße gewaschen werden, meistens trauen sich nicht viele, weil sie denken, dass ihnen diese Ehre nicht gebührt. Die Jugendlichen spielen Jesus auf dem Ölberg, den Verrat Judas und die Verhaftung Jesu vor.

Sieben Kirchen an einem Tag

In vielen Gemeinden ist es üblich an Gründonnerstag sieben verschiedene Kirchen zu besuchen und dort um Verzeihung der Sünden zu beten. Dieser Besuch der verschiedenen Kirchen entwickelt sich dann meist zu einem vergnüglichen Familienausflug, da vor den Kirchen neben Kerzen und Heiligenfiguren dann auch allerlei Leckereien verkauft werden. Diese Schlemmereien haben für viele Mexikaner oft einen gleich hohen Stellenwert, wie die religiösen Handlungen – denn für uns Mexikaner ist die „Fiesta“, das Feiern ein wichtiger Lebensbestandteil.

Karfreitag – zwischen Stille und Verehrung

Die Gemeinde versammelt sich um 8 Uhr morgens, um nach der Verurteilung loszulaufen. Die Jugendgruppe ist zuständig für die ersten 12 Stationen des Kreuzweges. Die ganze Strecke wird in ca. 4 Stunden gelaufen und an jeder Station wird gebetet und Texte, die zum Nachdenken anregen, vorgetragen. Fast am Ende des Weges sind es schon mehr als 500 Gläubige. Alle sind Personen aus unserer Gemeinde! Die letzte Station, bei der es um Jesu Tod geht, wird in der Kirche vorgespielt und dann gibt es eine ca. 5 minütige Stille. Direkt danach fängt eine kleine Andacht über die letzten Worte Jesu am Kreuz an.
Am Karfreitagabend treffen wir uns wieder, um das Heilige Kreuz zu verehren und gleich danach laufen wir in einer sogenannten Stilleprozession von Kapelle zu Kapelle.  Die Leute aus der Gemeinde tragen häufig dunkle Kleidung, um ihre Trauer zu zeigen und um zu zeigen, dass sie auch die Jungfrau Maria in ihrem Schmerz wegen des Todes ihres Sohnes begleiten. Diese Prozession ist auch für uns, die Gemeindemitglieder: wir sind zusammen im Leiden, in Schwierigkeiten, in der Verzweiflung, wir sind nicht allein genauso wie die Jünger, die zusammen geblieben sind. Es wird zusammen mit dem Schlag einer Trommel gelaufen, mit Fackeln und niemand redet. Wir kommen in der Kirche an und beten zusammen den Rosenkranz.

Kreuzigung - zum Glück nur Schauspiel

Ostern – zwischen Wasserschlacht, Jahrmarkt und Osterkerzen

Ich liebe dieses Fest, es ist mein Lieblingsfest. Wir fangen schon mittags an alles vorzubereiten: Die Lektoren und die Psalmsänger üben ein letztes Mal, die Jugendgruppe bastelt das Grab Jesu, die Ministranten üben, die Chöre machen eine letzte Probe und langsam merken wir alle die Freude von Ostern.

Wasserschlacht – zwischen Spaß und Tauferinnerung

Eine ganz besondere Tradition bei uns an diesem Tag ist die „Wasserschlacht“, die unter Freunden oder in der Familie gefeiert wird. Wir nehmen Wasser und schütten es uns gegenseitig über den Kopf. Wir bewerfen uns mit Wasserbomben und versuchen den anderen mit Wasserpistolen nass zu machen. Sogar die Leute, die auf der Straße sind, bekommen etwas davon ab, auch wenn sie es überhaupt nicht wollen. Es ist eine Tradition, die uns an unsere Taufe erinnert und sie reinigt uns für Ostern.

Osternacht – zwischen Messe und Schauspiel

Die Oster-Messe fängt abends um halb neun an, aber die Gläubigen in den anderen Kapellen haben schon früher angefangen und laufen mit ihren eigenen Osterkerzen zur Hauptkirche. Wenn es Zeit ist das Oster-Feuer anzuzünden, kommt das Feuer von Himmel. Das heißt, vor dem Gottesdienst wurde ein Seil mit Spiritus getränkt und an das Kirchendach gehängt. Das Seil wird vom Dach aus angezündet und entflammt den Holzstapel mit dem es verbunden ist. Die gewöhnlichen Rituale, wie die Lesungen, Psalmen, Gebete,… finden statt und in dem Moment, wenn das Gloria einsetzt, wird das Grab, das die Jugend gebastelt hat, erleuchtet. In der Mitte ist Jesus (der Junge, der ihn spielt), der auferstanden ist. Gleich danach fangen Jubellieder an und die ganze Gemeinde singt voll von Freude. Am Ende des Gottesdienstes gibt es immer viele Feuerwerke und in den meisten Gemeinden wird der Judas (Teufel) verbrannt. Der Judas ist eine Pappmaché Figur, die an Seilen aufgeknöpft über den Straßen und Plätzen hängt. Sie hat entweder das Gesicht des Teufels, eines ziemlich unpopulären Politikers oder eines anderen ungeliebten Zeitgenossen.
Die Mitglieder der Gemeinde treffen sich auf dem Jahrmarkt, wo es richtig viel Essen gibt und viele Fahrgeschäfte für die Kinder.

Der Teufel wird verbrannt

„Ein Leben ohne Fiesta ist kein Leben.“

Die Karwoche ist eine besondere Zeit in Mexiko. Sie ist das  beste Beispiel zu sehen wie der Glaube und das Leben für uns sind. Ein Glauben zwischen Frömmigkeit und Fiesta. Der Glaube gibt uns Kraft sogar in den dunkelsten Momenten Gott zu spüren. Gott ist aber auch beim Feiern da. Wir Mexikaner sagen: „Ein Leben ohne Fiesta ist kein Leben.“

Der Autor: César Rivera, Student der Religionspädagogik in Freiburg. Sein Heimatland ist Mexiko.

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