Gemeinsamer Empfang des Abendmahls in Ravensburg gescheitert

„Seien Sie Bischof nicht Fürst“. So zu lesen auf einem Plakat beim Protestmarsch in Ravensburg. Der Protestmarsch ist eine Antwort auf den Widerruf der sogenannten „Ravensburger Erklärung“. Nach einem Gespräch mit Bischof Gebhard Fürst nahm der Ravensburger Pfarrer Hermann Riedle Mitte Oktober die schriftliche Vereinbarung mit den evangelischen Christen zurück.

Von Rainer Degen

Worum es geht

Wir haben in diesem Jahr schon einige Male über den Kommunionempfang von evangelischen Christen bei unseren Gottesdiensten geschrieben und über Entscheidungen der Kirche dazu berichtet. Siehe dazu die Beiträge Neues beim Kommunionempfang in konfessionsverbindenden EhenFür nicht-katholische Ehepartner gibt es weiterhin keine Kommunion.  Die Deutsche Bischofskonferenz hatte ja einen Mehrheitsbeschluss gefasst, welcher evangelischen Ehepartnern die Teilnahme am Abendmahl offiziell ermöglichen sollte. Damit wollten die Bischöfe eine landauf landab bereits geübte Praxis legitimieren und den Geistlichen in den Gemeinden Sicherheit geben. Das Credo: „Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur“.

Die Ravensburger Erklärung hatte zum Inhalt, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam zu Kommunion und Abendmahl gehen können. Also doch, in beide Richtungen.

Und nun der Widerruf von höchster Stelle und daraus folgend Proteste

Diese Ravensburger Erklärung hat nun der Ravensburger Pfarrer Hermann Riedle Mitte Oktober zurückgerufen und zwar nach einem Gespräch mit Bischof Gebhardt Fürst. Das hat zu einem Sturm der Entrüstung geführt und viele empfinden das als Rückschritt, sowohl Katholiken als auch Protestanten. In einem Online Voting, das nicht repräsentativ ist aber eine Trend zeigt, sprachen sich 83% der Leser von Schwäbische.de für die Ravensburger Erklärung aus.

Hier nun die Stellungnahme der Katholischen Kirche Ravensburg im Originalwortlaut:

Die Ravensburger Erklärung zur Teilnahme an Abendmahl und Kommunion von Christen der evangelischen und katholischen Kirche. Die Aktion von Trennen zum Teilen am 8.Oktober 2017 hat deutlich gemacht, dass die ökumenische Zusammenarbeit besonders im Jahr des Reformationsjubiläums vielen Christen ein wichtiges Anliegen ist, auch und gerade in Ravensburg mit seiner über 450-jährigen Geschichte der Parität.

Mit der Ravensburger Erklärung wollten wir deutlich machen, dass die Teilnahme an Kommunion bzw. Abendmahl Christen der verschiedenen Konfessionen ein Anliegen und geistliches Bedürfnis ist. Mit dieser Erklärung haben wir eine Erwartung erzeugt, die wir leider so nicht erfüllen können. In einem Gespräch zwischen Bischof Fürst und Pfarrer Riedle im November 2017 hat Bischof Fürst die Rechtsgrundlage der katholischen Kirche dargelegt, die eine Zulassung eines evangelischen Christen nur im Einzelfall vorsieht. Eine offene Einladung an alle ist (noch) nicht möglich.

Dazu gibt es eine aktuelle Entwicklung, die allerdings auf konfessionsverbindende Ehen beschränkt ist. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich vom 19. bis 22. Februar 2018 mit dem Thema konfessionsverbindende Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie beschäftigt. Sie hat dazu eine Erklärung abgegeben: „Die konfessionsverbindenden Ehepaare und Familien liegen uns sehr am Herzen. Wir unterstreichen, dass Eucharistiegemeinschaft und Kirchengemeinschaft zusammengehören. Wir ringen um eine geistliche Hilfe für die Gewissensentscheidung in seelsorglich begleiteten Einzelfällen für konfessionsverbindende Ehepaare, die ein ernsthaftes geistliches Bedürfnis haben, die Eucharistie zu empfangen. Durch Taufe, den Glauben und das Sakrament der Ehe sind sie miteinander engstens verbunden und teilen ihr ganzes Leben. Für uns Bischöfe geht es hier um die Frage des Kommunionempfangs für den evangelischen Ehepartner einer konfessionsverbindenden Ehe. Es ist uns wichtig, dass wir im ökumenischen Suchen zu einem vertieften Verständnis und einer noch größeren Einheit der Christen unterwegs sind, und fühlen uns verpflichtet, hier mutig voranzuschreiten.“

Wir bedauern, dass wir in der Seelsorgeeinheit Ravensburg Mitte daher leider auch weiterhin keine offene Einladung an nichtkatholische Christen zur Kommunion aussprechen können. Die evangelische Stadtkirche wird an ihrer Praxis festhalten, offen alle Mitfeiernden zum Abendmahl einzuladen.

Wir werden, sobald es eine neue Entwicklung gibt, darüber berichten.

Weitere Infos zum Thema:

Bericht schwäbische.de zum Widerruf der Ravensburger Erklärung

Bischofsschreiben Orientierungshilfe zum Thema konfessionsverbindende Ehen

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