Thomas Frings – ein Pfarrer auf neuen Wegen, Teil 2

Kirche in aller Munde

Nachdem schon im ersten Artikel zu diesem Thema dargelegt wurde, was für Pfarrer Frings in unserer Kirche so schwer zu ertragen ist, erfahren Sie nun, wie er sich eine veränderte und bessere Kirche vorstellt. Mit seinen Äußerungen hat er einen Nerv getroffen, was sich durch viele Mails, Interviews und Artikel äußerte. Weihbischof Zekorn (Münster) kommentierte das mal so: „Kirche war in aller Munde. Ohne Skandal und ohne Häme. Das haben wir lange nicht gehabt.“

von Gerlinde Münch

Stellenwert von Glaube und Kirche

Den Kern des Problems sieht Frings in der Volkskirche, die über lange Zeit wunderbar funktionierte. Aber jetzt hat sich die Gesellschaft verändert und auch Kirche muss sich diesem Umstand zuwenden. Der Priestermangel und der Schwund an Kirchenmitgliedern ist nur ein minimaler Teil der Misere, viel schlimmer empfindet Frings, welchen geringen Stellenwert die verbliebenen Christen ihrem Glauben einräumen. In seinem Buch „Aus, Amen, Ende?“ beschreibt er sein Ideal einer Entscheidungsgemeinde, wo überzeugte und entschiedene Christinnen und Christen mit Engagement und tiefer Verbundenheit zum christlichen Glauben – sprich, Evangelium – die alte Gemeindeform der Volkskirche ablösen. Die Gemeindeform, mit der er versuche, darauf zu reagieren, sei eine, für die sich Menschen bewusst entscheiden. Auch nicht Getaufte können Mitglied dieser Gemeinde sein. In seinem Buch betont er immer wieder, dass damit nicht eine sektiererische Abschottung gemeint sei. Vielmehr wünscht er sich Gläubige, die sich selbst organisieren und mit möglichst wenig Hauptamtlichen eine Entscheidungsgemeinde nach dem Prinzip der Sehnsucht formen. Dabei weist er immer wieder auf die Wichtigkeit der Nachfolge Jesu hin und betont gleichermaßen, dass unser Papst und die Bischöfe ein tragendes Element dabei spielen müssen.

Stärkung von Nichtgeweihten

Er ist der Meinung, dass die Kirche in einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft nicht auf die Professionalität hauptberuflicher Kräfte verzichten kann. Aber diese sollen nur unterstützend in die Entscheidungsgemeinden hineinwirken. Damit wären Pfarrer und viele Hauptamtliche freier für Seelsorge und müssten weniger Aufwand für Verwaltung und Angebote, die nur von wenigen angenommen werden, betreiben. Als Frings von einem Journalisten gefragt wurde, ob er sich als Reformator, ähnlich wie Luther, fühle, antwortete er: „Ich bin kein Reformator.“ Dabei bestätigte er abermals die Liebe zu seiner Kirche und was er da tue. Aber er sei nicht bereit, sein Leben lang nur Krise zu haben – er möchte in die Zukunft gehen.

Wegbereitung für Entscheidungsgemeinde

Pfarrgemeinden haben über Generationen ausgezeichnet funktioniert, da sie den Lebensgewohnheiten der Menschen entsprachen. Wir haben es heute vorwiegend mit einer mobilen Gesellschaft zu tun, wo Ortswechsel vorprogrammiert sind. Daher bestimmen auch Projekte anstatt langfristige Bindungen bei vielen Menschen das Freizeitverhalten. Nicht selten bleiben eher konservative Gläubige übrig, die dann das weitere Erscheinungsbild der Kirche bestimmen.

Für eine Entscheidungsgemeinde muss zunächst ein geeigneter Ort gefunden werden. Danach wird definiert, was das Fundament für diese Gemeinde sein soll.  Frings meint, das Fundament einer katholischen Gemeinde setze sich aus der Heiligen Schrift, dem Glaubensbekenntnis, den sieben Sakramenten und der Verbundenheit mit Papst und Bischof zusammen. Zu der von ihm erwünschten Gemeindeform würden ausschließlich Menschen gehören, die sich für diese Gemeinde entschieden haben. Er meint damit jeden Menschen, der gerne dazugehören möchte, ohne Bedingungen. Auch ungetaufte Menschen sollen willkommen sein. Der Empfang der Sakramente ergäbe sich erst aus der Zusage, wie sehr er sich in eine gelebte Form der Sakramente begeben will. Diese Christen lassen sich erst dann taufen, wenn sie den Glauben auch wirklich im Alltag leben wollen und lassen ihre Kinder auch erst dann taufen, wenn sie ihnen Glauben weitergeben wollen. Er schreibt dazu in seinem Buch: „Es wäre eine Gemeinde im Werden! Was wachsen könnte, erwächst aus den gestellten  Fragen, aus der Sehnsucht. Entscheidend wäre, dass die Antworten nicht vorgegeben, sondern gesucht werden.“ Gleichzeitig schlägt  er Alternativen für Menschen vor, die sich nicht verbindlich festlegen wollen, aber trotzdem den Segen der Kirche erbeten. Er empfiehlt Segnungsgottesdienste, in denen sie nichts versprechen müssten, das sie nicht umsetzen wollen oder können, wie z.B. dass sie ihr Kind im Glauben erziehen wollen.

So erhalten alle Gottes Zuspruch. Erst wenn die Menschen Christus folgen wollen, erbitten sie die Sakramente und werden somit mit seinem besonderen Anspruch konfrontiert, ihm nachzufolgen und entsprechend zu handeln. Weiter schreibt er: „Es ist der Weg, den Jesus selbst gegangen ist und vorgezeichnet hat.“ Mit der bewussten Taufe wäre dann jede/r dazu berufen, Seelsorgerin oder Seelsorger für den anderen zu sein. Der Grundstock dafür wären die Heilige Schrift, Wasser, Brot, Wein und Menschen. Es erfordere Mut, nicht in ein bezugsfertiges Gebilde von Gemeinde einzuziehen, das Stück für Stück errichtet werden will. Aber dafür entspricht es den Bedürfnissen derer, die darin wohnen wollen.

Frings weist in seinem Buch eindringlich darauf hin, dass alle willkommen seien, nur eines ginge in einer Entscheidungsgemeinde nicht mehr: von Kirche alles wollen, ohne selbst Kirche sein zu wollen.

Er ist wieder da!

Am 27. Juni 2017 berichtete das Bistum Münster in der Bistumszeitung „Kirche und Leben“, dass Pfarrer Frings zurückkehre. Er übernehme die vorläufige Pfarrverwaltung in Dorsten-Holsterhausen. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Bischof von Münster den Mut hat, ihm den Auftrag und das Vertrauen zu geben, damit Frings eine Entscheidungsgemeinde gründen darf. Das wäre nicht nur für die Mitglieder dieser Gemeinde zu wünschen, sondern könnte zum Aushängeschild einer gelingenden Kirche werden.

Pfarrer Frings spricht am 20. September 2017 in der Reihe Lesung & Gespräch über sein Buch „Aus, Amen, Ende?“

Veranstaltungsort: Ökumenisches Gemeindezentrum Diezenhalde / Vater-Unser-Gemeinde
Offenburger Str. 94,  71034 Böblingen
Datum: Mi, 20.09.2017, 19:30 Uhr

                    

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