Unter freiem Himmel – Alternativer Gottesdienst an Weihnachten

Freiluft-Gottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag auf dem Einsiedel

Am Freitag, den 25. Dezember um 10:30 Uhr  zelebrierten Kirchengemeinderät*innen zusammen mit Gemeindereferentin, Eva Schlegel, einen alternativen Gottesdienst auf dem Hofgut Schloss Einsiedel. Damit alles coronakonform zuging und genügend Abstand gewahrt wurde, sprühte Frau Schlegel Kreise auf den Rasen, in denen die angelmeldeten Teilnehmer*innen sich bewegen konnten.

Von Gerlinde Münch

Sternenträger Pedro Pretana Movilla

Für den 45 Mínuten dauernden Wortgottesdienst wurden vier Stationen vorbereitet. Ursprünglich sollten diese um die Gäste herum aufgebaut werden. Da es aber regnete, wurden die Tische unter den Arkaden des Jugendhauses hergerichtet. Die Gottesdienstebesucher*innen blieben auf ihren Plätzen stehen, nur die Gottesdienstgestalter*innen gingen von Station zu Station mit dem Stern weiter.
Thema waren die fünf Farben grau, rot, grün, weiß, gelb, die in Verbindung zur Weihnachtsgeschichte gebracht wurden. Sie standen für je eine Station, mit einer Ausnahme, denn weiß und gelb wurden zusammengefasst.
Der Stern wanderte von Station zu Station, dabei begleitete Simon Madaus mit seiner Guitarre  und mit Gesang das Lied „Stern über Bethlehem“.

Die Gottesdienstbesucher*innen erhielten beim Ankommen eine Tüte, in der passende Gegenstände wie Bastelanregungen, Mitgebsel und Impulse zu finden waren, passend zu den jeweiligen Impulsen, die für die Stationen standen.

Simon Madaus

Der Regen war in Schnee übergegangen und nach einer viertel Stunde war es niederschlagsfrei. So konnten wir einen stimmungsvollen Gottesdienst zusammen feiern, der nach Rückmeldungen der Besucher*innen zum Nachdenken anregte und innerlich berührt hat.

Texte und Impulse zu den Farben

Bunte Vielfalt

Bunt, rot, grün, weiß, grau, gelb … Wir leben ja in einer bunten Welt. Manchmal wird es bunt getrieben und manchmal schwarz-weiß gemalt und sich die Dinge zu einfach gemacht. Manchmal wird es uns zu bunt und spätestens abends werden alle Katzen grau, weil in unseren Augen die Farbrezeptoren genügend Helligkeit brauchen, die Hell-Dunkel-Zellen können noch ein bisschen weiterarbeiten
Eine bunte Welt– das ist etwas Modernes. Im Chemiezeitalter mit den vielen synthetischen Farben hat eine neue Ära begonnen. Egal, wann wir uns umschauen– fast immer ist es bunt um uns herum. Wenn wir als Kind „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt haben, dann war die Lösung noch einfacher. Heute ist vieles rot, weiß, grün, gelb …
Farben prägen unsere moderne Welt. Farben sind Zeichen und Farben haben Wirkung auf uns; sie beruhigen, aktivieren, manche mögen wir, manche finden wir abscheulich.
Farben lösen Emotionen, Gefühle in uns aus. Uns beeindruckt das Spektrum der Farben: Es geht uns um die Buntheit, Farbigkeit und Vielfalt. Wir freuen uns am herbstlich bunten Wald. Wir freuen uns an unserer Vielfalt, die wir auch durch unsere unterschiedliche Kleidung mit verschiedenfarbiger Kleidung ausdrücken
Wir freuen uns, wenn im Frühjahr bunte Tulpen und Krokusse sprießen und in die Vorgärten Farben zaubern. Sie sind Zeichen des Lebens – so wie das Herbstlaub noch in seinem Vergehen an das neue Leben erinnert, das im Frühjahr erwachen wird. Bunt– wirklich bunt ist der Regenbogen. Das weiße Licht wird in das ganze Spektrum, die ganze Bandbreite sichtbaren Lichts aufgespaltet – von rot bis violett.

Besonders schön ist es, wenn uns Farben im Alltag begegnen:
Das Sonnenlicht, das sich in einem Tropfen bricht. Das Sonnenlicht, das sich im Regen zum Regenbogen spannt, der seit Menschengedenken  fasziniert. Er verkörpert die Buntheit,
er steht als Sinnbild für die Vielfalt der Welt und er steht damit auch für Gott selbst, der diese bunte, vielgestaltige Welt geschaffen hat. Er steht für die bunte Gnade Gottes. Aus diesem Spektrum der Farben haben wir fünf ausgewählt, die für uns eng mit Weihnachten und der Weihnachtsgeschichte, aber auch direkt mit unserem Leben verbunden sind.

Die Farbe „Grau“

Wir verbinden mit der Farbe Grau ganz unterschiedliche Dinge: Einsamkeit, den grauen Alltag, Nebel, graue Haar, alt-sein, Verlassenheitsgefühl, Angst, unauffällig sein, eine graue Maus sein, Düsternis.
Unser Alltag kommt uns im Moment vielleicht besonders grau vor. Die Pandemie-Situation setzt uns zu. Sie lässt Menschen einsam werden, macht Angst. Auch ohne Corona ist unser Leben manchmal trist und grau. Wir sind gefangen in unserem Alltagstrott und haben das Gefühl nicht voran zu kommen.

Bibelstelle: So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. (Lk 2,4-5)

Zur Weihnachtsgeschichte: Maria und Josef müssen los. Sie brechen auf. Auch sie sind in keiner komfortablen Lage. Maria ist hochschwanger und Josef weiß, dass das Kind nicht von ihm ist. Aber sie lassen sich darauf ein. Sie gehen los. In der Bibel steht nirgends etwas davon, dass sie einen Esel dabei hatten. Aber in unserer Vorstellung reitet Maria immer auf einem Esel. Ein grauer Esel, der die Last trägt, der das kostbare trägt, was Maria unter ihrem Herzen trägt: Jesus. Jesus ist schon dabei in diesem scheinbar grauen Alltag. Er ist auch bei uns mit dabei im Alltag.

Persönliche Gedankenanregungen: Wir machen uns ebenfalls auf den Weg, brechen auf, um zu suchen wo Jesus in unserem Leben, heute an Weihnachten, Mensch wird.

Die Farbe „Grün“

Die Farbe Grün: Leben, Hoffnung, Pflanzen, Natur, wandern, Frühling, Wachstum, frisch,
Die Farbe Grün erinnert uns an das Leben, den Frühling, wenn die Blätter wieder anfangen zu sprießen. Es weckt Hoffnung auf ein Leben nach Corona. Hoffnung auf Frieden miteinander. Grün steht für die Natur, die überleben lässt. Sie steht für die Pflanzen und Bäume, die uns Schatten und Sauerstoff spenden.

Bibelstelle: Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.  Gen 1,11-12)

Zur Weihnachtsgeschichte: Hoffnung haben auch die Personen in der Weihnachtsgeschichte. Maria und Josef hoffen darauf einen Platz zu finden, an dem Maria ihr Kind auf die Welt bringen kann. Die Hirten auf dem Feld, einfache Leute, hoffen, dass sie genug Grünfläche für ihre Herden finden, um sie satt zu bekommen. Die Hirten, Maria und Josef, sie sind unterwegs, sie sind auf dem Weg, immer in der Hoffnung, dass alles gut wird.

Persönliche Gedankenanregungen: „Wohin bin ich unterwegs?“ „Was macht mir Hoffnung?“ „Welches Leben wünsche ich mir?“

In der Tüte war dafür ein grüner Tannenzweig vorgesehen. Er bringt Hoffnung für mich, für dich. für die Welt. Amen.

Die Farbe „Rot“

Die Farbe Rot verbinden wir oft mit Abendrot, Glut, Schmerzen und Mühe, Wut, Geborgenheit, Feuer, Wärme, Liebe, Energie, Blut, Zuhause und Verzweiflung.
Die Farbe Rot weckt unterschiedliche Gedanken in uns. Auf der einen Seite steht die Wut, der Schmerz, das Blut, die Verzweiflung. Es ist eine Signalfarbe. ACHTUNG. Aufpassen. Und auf der anderen Seite ist da die Geborgenheit, die Wärme, die von einem Feuer ausgeht, das beeindruckende Abendrot und natürlich die Liebe.

Bibelstelle: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. (1 Kor 13)

Zur Weihnachtsgeschichte: Die Unterkunftssuche gestaltet sich sehr schwierig für Maria und Josef. Sie suchen nach Schutz, nach einem Dach über dem Kopf. Vermutlich ist Josef ziemlich wütend und verzweifelt, dass sie abgewiesen werden. Doch dann, zum Glück, bekommen sie Zuflucht in einem Stall. Vielleicht ist es sogar ein bisschen heimelig bei den Tieren, die Wärme spenden. Maria und Josef sind geborgen im Stall.

Persönliche Gedankenanregungen: „Wann war ich das letzte Mal wütend?“ „Wo ist für mich Geborgenheit?“ „Wem kann ich Wärme spenden?“

In der Tüte war dafür die rote Weihnachtsbaumkerze. Sie erinnert an Liebe und sie soll uns ein Zeichen dafür sein, dass wir in jeder Gefühlslage zu Gott kommen dürfen.  Amen.

Die Farben „Weiß“ und „Gelb“

Die Farben Gelb und Weiß erinnern uns an Licht, Fröhlichkeit, geblendet sein, Wohlbefinden, Zukunft, Reinheit, Freude, Gold, Strahlen, Milch, Stern und Stroh. Die Farben Weiß und Gelb rufen in uns positive Gedanken hervor. Wir verbinden sie mit Leichtigkeit, Freude und Wohlbefinden. Gelb wie die Sonne, Weiß wie das Licht. Die beiden Farben sind wohltuend. Das reine Weiß und das strahlende Gelb. Sie tun uns gut, wir denken an eine positive Zukunft. In der Farbe Weiß sammeln sich alle Farben…

Bibelstelle: Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. (Jes)
Der Herr ist mein Licht und mein Heil (Ps 27)

Zur Weihnachtsgeschichte: Die Engel auf dem Feld verkünden den Hirten eine große Freude: JESUS ist geboren. Die Hirten spüren: Hier passiert etwas wirklich Großes, etwas, das ein Neubeginn ist. Das Kind bringt Licht in die Welt. Durch das Kind, durch Jesus strahlt Göttliches auf der Erde. Die Hirten sind mit hineingenommen in dieses Licht, in die Wärme, in das Göttliche. Auch wenn sie nachher wieder zu ihrer Herde zurückkehren. Sie sind verändert, sie nehmen das Strahlen mit in ihren Alltag. Sie sind Zeugen davon geworden, dass Gott bei den Menschen ist.

Persönliche Gedankenanregungen: „Wo wünsche ich mir einen Neubeginn“ „Ist Gott für mich Mensch geworden?“ „Wem täte ein gesegnetes Weihnachten gut?“

In der Tüte war dafür der gelbe Strohhalm vorgesehen. Er kann ein Stern werden, kann das Kind in der Krippe wärmen. Kann für mich eine Erinnerung an Weihnachten sein. An Gottes Menschwerdung. Auch heute. Amen.

Nach dem „Vater unser …..“  wurden die Gottesdinestbesucher*innen mit dem Segen verabschiedet.
Kurz nach dem Ende des Gottesdienste begann es wieder zu schneien und die weißen Flocken bildeten einen weißen Teppich auf dem grünen Rasen mit den rot aufgesprühten Kreisen.

 

Das Bild unten entstand durch das Projekt, das von Alex Bernhard angestoßen wurde. Familien haben gesägt und gemalt, um für alle drei Kirchen Figuren herzustellen. Diese standen während der Weihnachtstage zur Betrachtung vor jedem unserer Gotteshäuser. Das Foto der Kirppenfiguren stammt von Alex und Karin Bernhard.

Krippe vor Kirche in Wannweil - von Familien ausgesägt und bemalt

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