„Jetzt geht es darum, ins Handeln zu kommen“

Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp spricht über ihre Erfahrung bei der jüngsten Tagung in Fulda zur Vorbereitung des Synodalen Wegs*.

Quelle: drs.de

Rund 45 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) trafen sich am 13. und 14. September in Fulda zu einer um einige Teilnehmer erweiterten Tagung der so genannten Gemeinsamen Konferenz. Seitens der Diözese Rottenburg-Stuttgart nahmen Bischof Dr. Gebhard Fürst und als Vertreterin des ZdK Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp, Leiterin der Caritas-Hauptabteilung im Bischöflichen Ordinariat, teil. Bei der Tagung wurde über den jüngsten Brief der vatikanischen Bischofskongregation informiert, in dem die Rechtmäßigkeit des „Synodalen Weges“ in Frage gestellt worden war. Im Interview spricht Dr. Stetter-Karp, die als einzige Laienvertreterin aus der Diözese in Fulda dabei war, über ihre Erfahrungen bei der Tagung. 

Die Tagung war dabei noch nicht Teil des Synodalen Weges, der Anfang Dezember eröffnet werden soll, sondern diente dessen Vorbereitung. Bei der Tagung wurde ein Brief an Papst Franziskus als Antwort auf dessen Schreiben „An das pilgernde Volk in Deutschland“ von Ende Juni verfasst und es ging inhaltlich um die Themenfelder „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“, „Priesterliche Lebensformen“ und „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, die im Lauf des Synodalen Weges auch unter Einbeziehung externer Fachleute beraten werden sollen. Die Gemeinsame Konferenz wurde im Zuge der Würzburger Synode (1971–1975) als ständiges Organ errichtet, der je zehn Vertreter des ZdK und der DBK angehören. Zuletzt hatte die Gemeinsame Konferenz am 5. Juli getagt und das geplante Statut des „synodalen Wegs“ diskutiert.  

Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp spricht im Zusammenhang mit der jüngsten Kritik aus Rom am geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einem Déjà-vu-Erlebnis. Bild: DRS

Frau Stetter-Karp, wie war die Stimmung bei dem Treffen, wenige Tage nachdem aus dem Vatikan Vorbehalte gegenüber dem Synodalen Weg in Deutschland geäußert worden waren? 

Die Stimmung war von Anfang an von großem Ernst geprägt, gleichzeitig entstand von Stunde zu Stunde nach der jeweiligen Vorstellung der erarbeiteten Papiere aus den vier Foren und deren Freigabe im Plenum eine Haltung gemeinsamer Verantwortung und schließlich der entschiedene Wille, jetzt die Missverständnisse bezüglich des Statuts gegenüber dem Vatikan zu klären und sich nicht beirren zu lassen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass der synodale Prozess bis zum Beschluss der DBK-Vollversammlung in der letzten Septemberwoche und der ZdK-Vollversammlung am 22. und 23. November Risiken hat.

Die Gemeinsame Konferenz setzt sich ja aus Mitgliedern der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zusammen. Gab es da Unterschiede hinsichtlich dessen, wie der jüngste Einwand aus Rom wahrgenommen und interpretiert wurde?

Die Reaktion von Kardinal Marx lässt sich in der Pressemeldung von DBK und ZdK nachlesen. Das spiegelt schon, was sehr viele, Bischöfe und Laien, bei der Gemeinsamen Konferenz in Übereinstimmung interpretiert haben. Die Tatsache, dass die Deutsche Bischofskonferenz mit Dreiviertelmehrheit einen Beschluss fasst und dann die Minderheitenposition in den Vatikan getragen wird, um dort eine Intervention gegen die Mehrheit in der DBK zu erwirken, hat die deutsche katholische Kirche schon einmal erlebt: beim Konflikt um die Schwangerschaftskonfliktberatung. Insofern für die Älteren unter uns: ein Déjà-vu. Ein solches Vorgehen gegen eine Mehrheit empfinde ich persönlich als nahezu intrigant. Unter denjenigen TeilnehmerInnen, die ihre Meinung in der Veranstaltung offen geäußert haben, gab es keine Meinungsverschiedenheiten zur Notwendigkeit, sich jetzt über einen synodalen Prozess in der deutschen katholischen Kirche nachhaltig mit den gewählten Themen zu befassen und notwendige Reformschritte anzugehen. Dieser gemeinsame Wille umfasst auch die Überzeugung, dass man sich die Frage des Zugangs von Frauen zum Priesteramt nicht verbieten lässt und ebenso, diese theologisch aufzuarbeiten und neue Fragen zu stellen.

Gemeinsam wurde bei der Tagung ein Brief an Papst Franziskus verfasst, in dem nochmals die deutsche Position hinsichtlich des „synodalen Wegs“ dargelegt wurde. Welche Reaktion erwarten Sie sich darauf?

Wenn mit ‚Reaktion‘ gemeint ist, wie der Vatikan auf den Brief aus Fulda reagiert, dann bin ich mit meiner Meinung zurückhaltend. Denn eine solche Reaktion wird auch davon abhängen, wie es Kardinal Marx gelingt, im persönlichen Gespräch mit dem Papst zu überzeugen. Entscheidend wird auch sein, welchen Spielraum die Minderheit unter den deutschen Bischöfen im Vatikan in den nächsten Wochen erhält. Schließlich ist auch abzuwarten, welche Reaktionen bei den Laienorganisationen und Verbänden diese aktuelle Intervention aus dem Vatikan auslöst. Abzuwägen wird im November bei der ZdK-Vollversammlung sein, ob es bis dahin genügend Belege gibt, dass mehr erreicht werden soll als der Dialog. Einen zweiten ’sogenannten Dialogprozess‘ will niemand im Hauptausschuss des ZdK. Jetzt geht es darum, nach dem synodalen Weg ins Handeln zu kommen und zu erreichen, dass Ortsbischöfe sich die Plenarbeschlüsse zu eigen machen und diese in Kirchliches Recht umsetzen.

Quelle: https://www.zdk.de/ueber-uns/unsere-arbeit/synodaler-weg/

[*Der Synodale Weg ist eine strukturierte Debatte in einem verabredeten Zeitraum zwischen der Deutschen Bischofskonzferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, bei der verschiedene Inhalte besprochen werden sollen. Mer Infos dazu unter: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/synodaler-weg-was-ist-das-fragen-und-antworten/, https://www.zdk.de/ueber-uns/unsere-arbeit/synodaler-weg/ und https://www.dbk.de/themen/der-synodale-weg/]

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