Bibel mal anders – Weg der Seligpreisungen (1)

Teil 1 von 3

Der Aufbruch

Wenn man die Augen offen hält, kann man an vielen Stellen auch ganz unverhofft Glauben und Spiritualität erfahren. So habe ich es im Urlaub in Berchtesgaden erlebt. In der Innenstadt las ich auf einem Wegweiser von einem Weg der Seligpreisungen. Das machte mich neugierig. Also machte ich mich an einem strahlend sonnigen und warmen Vormittag auf die Suche nach diesem besonderen Weg. Es stellte sich heraus, dass es sich hierbei um einen relativ neu errichteten Meditationsweg zu den Seligpreisungen aus der berühmten Bergpredigt von Jesus handelte, der zu einer ebenfalls neu errichteten Kapelle auf dem Ponnzenzenbichl, einem Hügel am Lockstein, führte.

Text und Bilder von Tanja Kury-Rilling

Der Weg führt in Serpentinen bergauf bis zu einer privaten Kapelle, die jedoch für jedermann offensteht, der oder die sich darauf einlassen will. Am Weg, teilweise ein Stück im Hang, befinden sich mehrere Stelen mit Bronzeplastiken.

Zu Beginn des Weges steht eine erste Stele mit einer Kugel:

Oben auf der Kugel steht ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln, ferner sind mehrere Öffnungen oder Aufstülpungen und Worte zu erkennen. Der Künstler überlässt es dem Betrachter, was er darin sieht.

Über eine Steintreppe gelangt man zu einer ersten Stele, auf der ein Vögelchen, möglicherweise eine Taube, ein Schriftstück hält. Dieses Schriftstück enthält den einleitenden Text der Bergpredigt, wie Jesus die vielen Menschen sieht, auf einen Berg steigt und diese lehrt.

Ein Stück weiter des Weges empfängt den Wanderer und Pilgerer die nächste Stele mit nach oben geöffneten Händen und der ersten Seligpreisung:

Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich

Arm sein können wir auf verschiedene Weise: materiell im Sinne von wenig Einkommen, aber auch immateriell im Sinne von geistig oder seelisch bedürftig. Arm sein vor Gott kann auch bedeuten, um unsere Defizite zu wissen, demütig sein gegenüber Gott und den Menschen.

Die nächste Stele setzt so anschaulich die zweite Seligpreisung um, dass es keiner weiteren Worte bedarf:

Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden

Eindringlich ist auch die Stele zur dritten Seligpreisung:

Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben

Wenn das nur so einfach umzusetzen wäre… Momentan erleben wir vielfach das Gegenteil: Wer laut und fordernd auftritt, bekommt Recht, der Stärkere gewinnt. Gott denkt in anderen und langfristigeren Kategorien. Vielleicht geht es aber auch nicht um Eigentum an irdischem Land, denn die Erde haben wir letztlich nur geliehen bekommen.

Fortsetzung folgt!

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