Das „Andere Lied“ für Januar/Februar 2020 im GL Nr. 148

 

 

Das „Andere Lied“ für die Monate Januar und Februar lautet: „Komm her, freu dich mit uns“ und ist im Gotteslob unter Nummer 148 zu finden. Es stammt aus dem Jahr 1971 und ist ein schönes Eingangslied und ein modernes Tauflied.
Eingeladen zu werden und willkommen zu sein – das ist eine schöne Erfahrung. Dass jemand auf mich wartet und sich über mich freut. Willkommen sind wir nicht nur bei Menschen, die uns mögen, sondern auch bei Gott.

Von Thomas Münch

Eine herzliche Einladung, schwungvoll und fast tänzerisch. Da heißen mich Menschen willkommen, die sich im Namen Gottes und in seinem Haus versammelt haben. Ich freue mich über die Einladung, bei Jesus zu sein, weil mir in ihm Gott nahe kommt. Allerdings auf verborgene Art und Weise. Ich kann im Gebet zu ihm sprechen und höre seine Worte in den biblischen Texten. Symbole und Rituale weisen auf ihn hin. Aber in Raum und Zeit lässt sich Gott nicht fassen. Und doch können Menschen seine Gegenwart erahnen – vor allem im Gottesdienst. Unsere Liturgie spricht alle Sinne an. Sehen und Hören, Tasten, Riechen und Schmecken. Dass Jesus Christus unter uns ist, wird regelrecht inszeniert: mit Worten und Liedern, Gesten und Gewändern, mit Kerzen und Weihrauch. Das kann Menschen ansprechen, vor allem dann, wenn es ihnen vertraut ist.
Aber wer den Ritualen keine Bedeutung beimisst, kann sich auch leicht fremd fühlen. Doch da setzt unser Lied noch einen anderen Akzent in der 2. Strophe:
„Öffne deinem Nächsten dein Herz“, heißt es da.

Dazu muss ich ihn erst mal wahrnehmen und mit ihm Kontakt aufnehmen. Etwa wenn ich zu Beginn des Gottesdienstes meinen Banknachbarn kurz begrüße oder ihn freundlich anlächle. Oder auch mal jemanden, der mir fremd ist, anspreche. Gerade wenn man öfter in die gleiche Gemeinde geht, kennt man zumindest vom Sehen einige Gottesdienst¬besucher. Vielleicht fällt mir dann auf, dass bei dem alten Ehepaar, das sonst immer zum Gottesdienst kommt, einer fehlt. Und ich frage nach.
Im Gottesdienst geht es darum, Gemeinschaft zu erfahren: mit Gott und untereinander. Gemeinsam singen und beten, aber auch persönliche Beziehungen und Begegnungen. Daher ist es schön, wenn nach dem Gottesdienst die Möglichkeit besteht, miteinander ins Gespräch zu kommen – auf dem Kirchenvorplatz, im Foyer oder im Kirchencafe.
Wo eine Willkommensatmosphäre herrscht, da geht einem leichter das Herz auf. Und das war typisch für die Art, wie Jesus den Menschen begegnet ist. Er nahm sie wahr. Er hat gespürt, wenn sie etwas bedrückt hat. Freute sich mit ihnen und teilte ihren Schmerz. Er hat sich am liebsten mitten unter den Menschen bewegt. Und seine Jünger haben verstanden: so ist Gott zu uns.
Wenn Menschen sich im Namen Jesu versammeln, dann sollte zu spüren sein: du bist willkommen. Du bist gemeint. Erst dann kann ich erahnen und spüren, dass Gott mich willkommen heißt.
(Text nach Mechthild Alber – SWR 10.8.2014)

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