Heiliger Nikolaus – Santa Claus – Weihnachtsmann?

Wer war der Heilige Nikolaus überhaupt?

Diese Frage ist nicht so eindeutig zu beantworten. Denn über den historischen Nikolaus ist nur sehr wenig bekannt. Man geht davon aus, dass der heute bekannte Nikolaus mit seinen Legenden ein Produkt aus der Verschmelzung zweier historischer Personen ist: Bischof Nikolaus von Myra (lebte vermutlich im 3./4. Jahrhundert in Lykien) und Abt Nikolaus von Sion, Bischof von Pinoro, der mit großer Wahrscheintichkeit am 10. Dezember 564 in Lykien starb. Auch wenn es DEN Nikolaus so wahrscheinlich nicht gegeben hat, hat sich der Brauchtum um ihn stark verbreitet.

„Sieger aus dem Volk“

Historisch kaum greifbar gilt der heilige Nikolaus als ,,apostelgleich“ und wird in der katholischen, der evangelischen und der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember. Der Name Nikolaus kommt aus dem Griechischen und bedeutet ,,der Sieger über das Volk“ oder „der Sieger aus dem Volk“. Die meisten Heiligen aus der frühen Kirche sind Märtyrer, anders verhält es sich bei Nikolaus. Er gehört zu den ersten Heiligen, der nicht wegen seines Glaubens ermordert wurde, sondern als Heiliger verehrt wird auf grund seines Lebens und Tuns. Denn Grundzug seines legendären Wesens ist das Erbarmen gegenüber allen Menschen.

Legenden über Nikolaus

Viele Legenden berichten liebevoll über die Facetten des Erbarmens und haben Nikolaus, unabhängig von der historischen Wahrheit, zu einem der populärsten Heiligen gemacht. Legenden wie das Kornwunder oder das Jungfrauenwunder sind weit verbreitet und bekannt. Sie machen deutlich, wie Nikolaus sich in die Nachfolge Jesu stellt und den Menschen zur Seite steht.

Patron für viele

Aufgrund der vielen Legenden über Nikolaus, gilt er als Schutzpatron für eine ganze Reihe von Personengruppen und Berufsgruppen. Er gilt als Patron der Kinder, Schüler, Mädchen, Feuerwehr, Pilger und Reisenden, Apotheker, Richter, Rechtsanwälte und Notare, Kaufleute, Fahrleute, Schiffer, Matrosen, Fischer, Flößer, Brückenbauer und vieler Personengruppen mehr. (Vgl. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienN/Nikolaus_von_Myra.htm)

Entwicklung des Nikolauskults

Der Nikolauskult entwickelte sich zunächst in Griechenland und kam von dort in die slawischen Länder. Nikolaus wurde über die byzantinische Tradition zu einem der am meisten verehrten Heiligen Russlands. Im 8. Jahrhundert zog der Nikolauskult auch in Rom ein und verbreitete sich in Mittel- und Südeuropa. Um 980 gab es in Brauweiler die erste Nikolauskirche Deutschlands. 1087 wurden die Gebeine des Nikolaus aus seiner Grabstätte in Myra entwendet. Ende des 11. Jahrhunderts brachte man sie dann nach Bari in ltalien, nachdem die Türken die Einwohner Myras vertrieben hatten. In Bari wurde zu Ehren des heiligen Nikolaus die Basilika S. Nicola erbaut, die 1098 von Papst Urban II. geweiht wurde. Der Tag der ,,Überführung“ des Heiligen wurde das gesamte Mittelalter hindurch gefeiert. In Deutschland wurde der Nikolauskult im 10. Jahrhundert durch die griechische Ehefrau Theophanu des Kaisers Otto ll. besonders gefördert.

Vom Sankt Nikolaus zum Weihnachtsmann

Die Entwicklung vom Nikolaus zum Weihnachtsmann ist eng mit der Reformation und der Auswanderung in die ,,Neue Wett“ verbunden.
Im frühen Mittelalter wurden die Kinder am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, beschenkt. Die steigende Popularität des heiligen Nikolaus als Patron der Schüler und Kinder führte ab dem 13. Jahrhundert zu einer Verschiebung dieses Beschenktages auf den 6. Dezember, den Nikolausfesttag. In einigen Gegenden galt dieser Tag allerdings nur für die Jungen. Die Mädchen wurden erst am 13. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Lucia, beschenkt.

Reformation – Abschaffung des Heiligen Nikolaus

Mit der Reformation gerieten der Nikolaus als Gabenbringer und damit auch der Beschenktag des 6. Dezembers in die Kritik. So wurde die Kinderbescherung vom heiligen Nikolaus um 1535 durch Martin Luther abgeschafft. Die Kinder in protestantischen Gegenden mussten aber nicht auf ihre Geschenke verzichten, diese bekamen sie nun nicht mehr vom Heiligen Nikolaus sondern durch den „heiligen Christ“ zu Weihnachten (bzw. am Heiligabend) am 24./25. Dezember. Katholische Gegenden behielten jedoch noch lange die Nikolaustradition bei. Erst ab 1900 eroberte das ,,Christkind“ auch das katholische Rheinland und Bayern.

Die Bevölkerung der Niederlande hielt sowohl am Schenktermin 6. Dezember als auch am Nikolaus als dem Gabenbringer fest. Noch heute kommt am 6. Dezember bzw. am Vorabend der „Sinterklaas“ per Schiff in den Küstengebieten der Niederlande an und beschenkt die Kinder.

Santa Claus – Father Christmas

Mit der Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert wurden der Nikolaus und sein Brauchtum von den Niederlanden aus in die „Neue Welt“ gebracht. Dort wandelte sich die Gestalt des Nikolaus zum „Santa Claus“ (Heiliger Klaus) und der Beschenktermin wurde auf den 25. Dezember verschoben. Weiterhin vermischte sich die ldentität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Figur des „Väterchen Winter“, die deutschstämmige Auswanderer mit in die USA gebracht hatten. Das führte dazu, dass Santa Claus seine bischöflichen Kennzeichen wie Chormantel, Mitra, Stab und Brustkreuz verlor. Er tauschte sie gegen einen pelzbesetzten Mantel und eine Pudelmütze ein.
Der so entstandene ,,Father Christmas“ war eher ein gemütlicher, gut genährter, weltlicher Großvater als ein strenger Heiliger.

Und was hat Coca Cola damit zu tun?

1932 erhielt „Father Christmas“ sein bis heute aktuelles Outfit, den roten, mit weißem Pelz besetzten Anzug, durch eine Werbekampagne der Firma Coca Cola. lhre Hausfarben rot und weiß prägen bis heute den schließlich noch Europa zurückgekehrten,,Weihnachtsmann“.

Weihnachtsmann und Christkind haben inzwischen ihre konfessionsunterscheidende Bedeutung und vielerorts auch ihre Heiligkeit verloren. Die Beschenktage hingegen sind beide geblieben. In unserer konsumorientierten Zeit wird sowohl zum 6. als auch zum 24. Dezember gekauft und geschenkt.
Das Brauchtum um Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind ist in den christlich geprägten Kulturkreisen bis heute recht unterschiedlich.

Der Heilige Nikolaus in Kirchentellinsfurt, Kusterdingen und Wannweil

Am 6. Dezember denken der Förderverein Schlosseinsiedel und die Kirchengemeinde Christus König des Friedens gemeinsam an den Heiligen Nikolaus. Ab 17 Uhr gibt es ein großes Feuer, an dem Nikolaus- und Adventslieder gesungen werden. Der Ur-ur-ur-ur…. Neffe des Heiligen Nikolaus wird mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht erwartet, er erzählt Geschichten aus dem Leben des Heiligen Nikolaus und hat vielleicht auch das ein oder anderen Geschenk im Gepäck. Anschließend können sich alle noch bei Punsch und Waffeln aufwärmen. Der Erlös kommt der Erhaltung des Jugendhauses Schloss Einsiedel zugute.

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