Sommer-Tipp für einen Tagesausflug

Eine Klosteranlage im Entstehen – Campus Galli in Meßkirch

Ursprung des Klosterplans

Mönche auf der Insel Reichenau zeichneten vor mehr als 1200 Jahren den Idealplan einer Klosteranlage.

von Gerlinde Münch

Der Plan enthielt eine große Kirche, Häuser, in denen Handwerke ausgeübt werden, Stallungen, Gärten und vieles mehr, damit das Kloster eigenständig und unabhängig sein kann. Erst nach vielen Jahrhunderten wurde dieser Plan im Archiv der Stiftsbibliothek St.Gallen entdeckt. Der St. Galler Klosterplan ist der einzige Bauplan, der aus dem frühen Mittelalter erhalten geblieben ist. Dieser weltberühmte Klosterplan, der in der Zeit um 830 entstanden ist, wird nun bei Meßkirch im Campus Galli, auf einem Gebiet von etwa vier Hektar,  in die Tat umgesetzt, und dies ausschließlich mit Materialien und Techniken, wie sie zur karolinischen Zeit im 9. Jahrhundert verwendet wurden.

St. Gallener Klosterplan
Geschichte des Klosterplans

Der Klosterplan mit seinen 52 Gebäuden und vielen Details, hat eine bewegte Geschichte. Entstanden ist er aus fünf nach und nach angenähten Pergamentblättern. Seine Rückseite wurde ca. 400 Jahre später von einem Mönch dazu verwendet, das Leben des Heiligen Martin aufzuschreiben. Bei genauem Hinsehen kann man die Schrift an vielen Stellen durchscheinen sehen. Nur wegen dieser Martinsgeschichte blieb der Plan erhalten, als unbeachtete „Rückseite“! Die vielen Faltungen und ein im 19. Jahrhundert fehlgeschlagener Restaurationsversuch geben dem Plan sein heutiges Aussehen.

Töpfer bei der Arbeit
Handwerksbetriebe

Beim Durchschlendern der Gegend begegnet man Frauen am Spinnrad, die die Wolle von den Schafen der dort lebenden Herde verarbeiten. Ein Stück weiter kommt eine Schmiede, wo man beobachten kann, wie im Mittelalter Metall verarbeitet wurde. Biegt man um die Ecke, kommt man zu einer Töpferei. Der Lehm wird aus einem Loch nebenan entnommen, mit Wasser und Sand vermischt und dann zum Ruhen für 3 Tage auf die Seite gelegt. Erst dann kann er zu Töpfen oder Bechern verarbeitet werden. Den Brennofen und die Töpferscheibe hat der Töpfer mit einfachsten Mitteln selbst aufgebaut. Nebenan findet man einen Werkzeugmacher. Er ist gerade dabei Holznägel zu schnitzen. Davon werden tausende für die große Kirche benötigt.  Ein weiteres Gewerk ist die Drechslerei. Dort arbeiten zwei ältere Herren an einer Speiche für ein Holzrad. Wiederum ein Stück weiter ist der Korbmacher. Dort erfahren wir, dass die dafür benötigten Weiden nur von November bis Februar geschnitten werden dürfen.  Er arbeitet gerade am Deckel für einen großen Korb.  Da überall fleißig gearbeitet wird, ist es immer wieder ein Erlebnis, wenn man bei mehrmaligen Besuchen die Fortschritte bewundern kann.

Maurer beim Sand holen

Einige Jahrzehnte wird es dauern, bis alle Gebäude des Klosterplans fertig sind.  Für den Bau der großen Kirche ist mit einer Bauzeit von 40 Jahren zu rechnen. Das derzeitige Schmuckstück ist die beinahe fertiggestellte Kapelle. Sie hat einen mit Hand behauenen Steinaltar. Vor der Kapelle arbeiten derzeit Zimmermänner an den Balken für die Eingangstüre.

Der Marktplatz

Auf dem Marktplatz laden ein abwechslungsreiches Angebot an Speisen und Getränken zum Verweilen ein und während man zum Beispiel einen leckeren Gemüseeintopf mit Klosterwurst genießt, kann man den Zimmerleuten direkt beim Behauen der Balken zusehen. Das Bier wird natürlich in Tonbechern serviert. Außerdem gibt es dort einen Stand mit Halbedelsteinen und Schmuckstücken, sowie einen Kräuterstand mit Kräutermischungen aus dem Mittelalter.

Modell der geplanten Scheune
Mitmachen

Wer einmal Ferien der anderen Art kennenlernen möchte, kann sich dort anmelden, um am Bau der Klosterstadt teilzunehmen.
Auf dem Campus Galli bekommen wir die Möglichkeit, nachzuempfinden, wie das frühe Mittelalter gewesen sein könnte.
Es gibt dort keine Handys und Plastikflaschen. Das Wasser und Bier wird aus selbst gefertigten Tonkrügen getrunken und die Uhrzeit wird nach dem Sonnenstand berechnet.
Dort können alte Handwerkstechniken ausprobiert werden und  Werkzeuge entdeckt werden, die es so heute nicht mehr gibt. Dabei lassen sich überraschende Erfahrungen machen, wie der Mensch Teil der Schöpfung ist und welche Bedeutung „Zeit“ jenseits von Hektik gewinnt.

Mitmachen kann Jede und Jeder. Falls Bedarf nach einem ausgefallenen Praktikumsplatz besteht, ist man auf dem Campus Galli am richtigen Platz. Hier besteht auch für Menschen, die dem Alltagsstress der heutigen Zeit entrinnen möchten, die Möglichkeit zur Ruhe zu finden und mal was ganz anderes auszuprobieren.

Frau beim Spinnen
Preise und Öffnungszeiten

Eintrittspreis
Erwachsene 9,00 Euro
Schüler ab 16 Jahren 7,00 Euro
Studenten und Schwerbehinderte 7,00 Euro
Kinder bis 16 Jahre 6,00 Euro
Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei
Familien mit eigenen Kindern zwischen 6-15 Jahren 21,50 Euro

Öffnungszeiten:
01. April bis 05. November 2017,
täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr
montags Ruhetag außer an Feiertagen
Öffentliche Führungen täglich um 14.00 Uhr

Feierliche Eröffnung des Campus Galli war am 22. Juni 2013

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