You’ll never walk alone

Der Turnerbund Kirchentellinsfurt (TBK) feierte 2021 sein 125-jähriges Jubiläum. Das große Festwochenende wurde nun vom 1.-3. Juli 2022 nachgeholt. Unteranderem mit einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen. Gehalten wurde dieser von Pfarrerin Cordula Modrack und Gemeindereferentin Eva Schlegel. Er stand unter dem Thema: „You’ll never walk alone – wir gehen zusammen“. Im folgenden ist die Predigt, die GR Eva Schlegel so bzw. so ähnlich im Gottesdienst gehalten hat.
Gemeindereferentin Schlegel und Pfarrerin Modrack beim Anziehen für den Gottesdienst

Einführung

„You’ll never walk alone“ – wir gehen zusammen. Unter dieses Thema haben wir den Gottesdienst gestellt. Denn es ist gut, nicht allein zu sein. Wir haben es in den letzten beiden Jahren gemerkt, dass Allein-Sein mal ganz gut tut, aber auf die Dauer nicht die Lösung ist.

Predigt

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher,

haben Sie das Lied erkannt, das Herr Kriegeskorte gerade auf dem Keyboard für uns intoniert hat? Es war „You’ll never walk alon“. Ich weiß nicht, wer von ihnen schonmal in Liverpool oder in Dortmund im Stadion war.  Vor jedem Heimspiel dieser beiden Fußballclubs wird „You’ll never walk alone“ eingespielt und inbrünstig von den Fans mitgesungen. Ein richtiger Gänsehautmoment.

Lied „You’ll never walk alone“

Ursprünglich wurde das Lied natürlich nicht als Fußballhymne für den FC Liverpool oder den BVB geschrieben. Sondern es war Teil eines Musicals und sollte einer schwangere Frau helfen, über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen.

Über schwere Zeiten hinwegkommen

Das ist etwas, das wir, glaube ich, alle aus dem eigenen Leben kennen. Sei es über den Tod eines geliebten Menschen, Krankheit oder Trennung oder Überforderung. In unserem Leben gibt es immer wieder Wege, die schwerer sind zu gehen als andere.

Emmaus-Jünger (Lk 24, 13-35)

So fühlte es sich für die Person in der Geschichte „Spuren im Sand“ auch an. Sie hatte immer wieder schwere Wege zu gehen, bei denen sie zuerst dachte allein zu sein. Doch ihr Herr beteuerte ihr, dass er sie in den schweren Zeiten auf seinen Schultern getragen hat.

Beim Gemeinsam-Allein-Gehen muss ich immer an die beiden Jünger von Jesus denken, die nach seiner Kreuzigung von Jerusalem nach Emmaus gegangen sind. Niedergeschlagen, verunsichert und vielleicht auch ein bisschen sauer, weil Jesus scheinbar doch nicht der war, der alles neu macht.

Im Verlauf der Geschichte ändert sich dann aber etwas. Es kommt ein dritter Mann zu ihnen dazu, ein Fremder, und geht den Weg mit ihnen zusammen. Sie reden miteinander über die Kreuzigung und dass sie traurig sind. Als sie in Emmaus ankommen, bitten die Jünger den Fremden bei ihnen zu bleiben, weil es schon Abend ist. Und der Fremde bleibt bei ihnen, isst mit ihnen zusammen und teilt das Brot mit ihnen.

Da gehen den beiden Jüngern die Augen auf. Sie erkennen, dass der Fremde Jesus ist. Jetzt sehen ihn zwar nicht mehr, aber das Gefühl des Allein-Seins ist weg. Keine Angst mehr vor dem Abend, erfüllt von Hoffnung, dass immer jemand mitgeht. Und sie sagen: „BRANNTE UNS NICHT DAS HERZ ALS ER MIT UNS REDETE?“

Herzbrennen

Vielleicht kennt ihr das auch, dieses Herzbrennen. Das warme Gefühl im Bauch, wenn jemand für einen da ist. Wenn ich merke, ich bin nicht allein.
Zum Beispiel waren viele während Corona allein, in der ersten Zeit dann Care-Pakete während Isolation, Einkaufsdienste, große Solidarität. Viele in Vereinen und Kirchen haben sich Gedanken gemacht, wie deutlich werden kann, dass wir nicht allein sind. Das andere noch an einen denken. Das tat gut und hat ein wohliges Gefühl gemacht

Oder wie war das erste Training nach langer Ruhe? Das erste Mal den Ausschuss wieder in Echt sehen und nicht über die Videokonferenz. Wie war die erste Hauptversammlung in Präsenz? Oder das Fest am ersten Mai? Habt ihr da vielleicht auch so ein wohliges warmes Gefühl gehabt? Habt gemerkt, wir sind nicht allein? Wir gehen zusammen?

Gemeindereferentin Eva Schlegel bei der Predigt

Herausforderung des Zusammenseins

Ja, es tut gut, nicht allein zu sein. Es ist aber auch schwierig, nicht allein zu sein. Es ist eine Herausforderung. Gerade auch nach einer Zeit, in der man viel allein war. Da kommen Fragen auf, wenn man auf einmal wieder zusammen ist: Wie kann das (wieder) gelingen, eine Gemeinschaft, eine Mannschaft, ein Verein zu werden?
Werden wir uns einig sein? Können wir uns immer noch aufeinander einstellen und zusammen halten?

Genau das ist der Sinn einer Gemeinschaft, eines Spieles, eines Vereins, dort wird das Zusammenleben, die Kommunikation eingeübt.
Es geht darum, die Grenzen und Möglichkeiten der Mitmenschen achten zu lernen.
Der Verein ist eine Gemeinschaft, ein Team. Die Kirchgengemeinde ist eine Gemeinschaft, ein Team und auch das Dorf ist eine Gemeinschaft, ein Team.

Das sagt sich leicht, wenn es gut läuft, wenn alles leicht geht, wenn es Erfolg gibt. Das wird zur Herausforderung wenn es mal schlecht läuft, wenn die Möglichkeiten nicht ausreichen und es Unstimmigkeiten gibt.

Wir können lernen, auch dann den anderen im Blick zu behalten, seine Rechte zu achten. Im Verein, in der Gemeinschaft und im Spiel üben wir ein, was wir auch sonst im Leben, bei der Arbeit und im Privaten schätzen und brauchen:
Fairness und Respekt vor dem Mitmenschen.

Bündelung Lied

Im Lied You’ll never walk alone heißt es übersetzt:
DU WIRST NIE ALLEINE GEHEN
Wenn du durch den Sturm gehst
Halte deinen Kopf hoch
Und fürchte dich nicht vor der Dunkelheit
Am Ende des Sturms ist der goldene Himmel
Und der süße silberne Gesang der Lerche

Geh´ weiter durch den Wind
Geh´ weiter durch den Regen
Obwohl deine Träume verworfen und weggeblasen sind
Geh´ weiter, geh´ weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst nie alleine gehen,
Du wirst nie alleine gehen

Mit diesen Worten beschreibt das Lied eine Hoffnung, die uns gelassen und frei machen kann, auch wenn es um viel geht.
„Geh weiter, geh weiter“ beschreibt die Leichtigkeit des Seins, die wir als Christen und Christinnen glauben leben zu können, weil wir wirklich nicht allein sind. Gott ist mit uns. Und das ist, meiner Meinung gerade dort spürbar, wo Menschen etwas miteinander gestalten, wo sie sich Respekt und Fairness entgegen bringen, wo sie die Herausforderung des Miteinandergehens annehmen und gestalten.

Das gilt auch für unsere Gemeinschaft heute hier im Festzelt. Das wünschen wir uns für das Leben morgen im Verein, in der Kirchengemeinde, im Dorf. Amen.

Pfarrerin Modrack und GR Schlegel nach dem Gottesdienst glücklich und zufrieden

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